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7:0-Erfolg im DFB-Pokal: Leverkusen hat keine Mühe mit Eintracht Norderstedt


7:0-Erfolg im DFB-Pokal
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Leverkusen hat keine Mühe mit Eintracht Norderstedt



Leverkusens Lars Bender (l) und sein Zwillingsbruder Sven Bender und Norderstedts Holger Brüning versuchen an den Ball zu kommen.
Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Leverkusen Bayer Leverkusen hat ohne Probleme die zweite DFB-Pokalrunde erreicht. Das Team von Trainer Peter Bosz glänzt gegen Eintracht Norderstedt vor allem in der ersten Halbzeit mit gnadenloser Effizienz. Zugang Patrik Schick trifft bei seinem Debüt für die Werkself.

Knapp vier Minuten hatte die theoretische Chance bestand, dass Viertligist Eintracht Norderstedt dem Bundesligisten Bayer Leverkusen gefährlich werden könnte. Dann kam Lars Bender und erzielte das 1:0 für die Mannschaft von Trainer Peter Bosz. Das Tor legte den Grundstein für den mühelosen Einzug des Vorsaisonfinalisten in die zweite Runde des DFB-Pokals. Am Ende feierte die Werkself ein lockeres 7:0 (6:0) bei – das muss in der Woche von Franz Beckenbauers 75. Geburtstag erlaubt sein – Kaiserwetter. Angesichts Leverkusens extrem kurzer Vorbereitung geriet die Partie zu einem Testspiel unter Wettbewerbsbedingungen.

Eigentlich hätte Bayer Leverkusen bei den Amateuren antreten müssen, doch der Viertligist aus dem hohen Norden trat wie so viele unterklassige Vereine sein Heimrecht ab, weil die Ausrichtung der Partie wegen der Corona-Bestimmungen weder lukrativ noch adäquat umsetzbar gewesen wäre. So blieb es bei einem Heim-Auswärtsspiel für die Werkself, das immerhin 300 Zuschauer in der BayArena verfolgten.



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Eintracht Norderstedt – Bayer: die Werkself in der Einzelkritik
Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Bosz setzte auf eine Startelf, die genau so auch in der vergangenen Saison hätte spielen können – freilich minus der beiden abgewanderten Leistungsträger Kai Havertz (FC Chelsea) und Kevin Volland (AS Monaco). Der noch nicht 100-prozentig fitte 26,5-Millionen-Euro-Zugang Patrik Schick blieb zunächst auf der Ersatzbank, ebenso wie die potenziellen Stammkräfte Moussa Diaby, Wendell und Jonathan Tah.

Bailey kehrt nach Quarantäne zurück



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Auf die Dienste des Jamaikaners Leon Bailey musste Bayer 04 zudem weiterhin verzichten. Der Flügelangreifer verbrachte auch das vergangene Wochenende nach einem Corona-Kontakt auf der Geburtstagsparty von Sprintstar Usain Bolt auf der karibischen Insel. Seine Quarantäne hat Bailey aber inzwischen hinter sich, das abschließende Testergebnis fiel zudem negativ aus. Der 23-Jährige soll diesen Montag zurückfliegen und im Laufe der Woche dann zur Werkself stoßen. Für den Ligastart in Wolfsburg am Sonntag (18 Uhr) dürfte er aber ohne auch nur eine Minute Vorbereitung kein Thema sein.

Das alles änderte aber freilich nichts an der klaren Favoritenrolle der Leverkusener gegen den Viertligisten aus Schleswig-Holstein, an der es von der ersten Minute an keinen Zweifel gab. Einen groben Patzer von Evans Nyarko, der im eigenen Strafraum versuchte, eine Situation mit der Hacke (!) zu klären, nutzte Lars Bender mit Ruhe und Übersicht zum 1:0 (4.). Keine zehn Minuten später hatten Nadiem Amiri (10.) und Lucas Alario (12.) auf 3:0 erhöht. Florian Wirtz traf wenig später zum 4:0 – und etwaige Sensationsfantasien waren endgültig vom Tisch.

Bayer hatte gefühlte 90 Prozent Ballbesitz, dazu gab es noch hochkarätige, aber ungenutzte Chancen von Karim Bellarabi (17.) und Kerem Demirbay (27.). Der neue Kapitän Charles Aránguiz setzte nach einer Ecke das 5:0 nach (30.) und Amiri machte mit einem sehenswerten Schuss von der linken Strafraumkante ins lange Eck und an den Innenpfosten das halbe Dutzend voll (31.).

So langsam machte sich der Gedanke im Stadion breit, dass Bayers bisheriger Rekordpokalsieg wackeln könnte. 1994 gewann die Werkself 11:0 gegen den BSV Stahl Brandenburg – ebenfalls in der ersten Runde. Doch bis zur Halbzeit nahm die Werkself den Fuß vom Gaspedal und die Partie plätscherte dem Pausenpfiff entgegen. Nach dem Wiederanpfiff feierte Schick sein Debüt für seinen neuen Arbeitgeber, ließ aber seine erste Großchance liegen (48.). Kurz zuvor hatte der ebenfalls eingewechselte Diaby das 7:0 auf dem Fuß, verzog aber seinen anspruchsvollen Abschluss (46.).

Offene Fragen gab es Mitte der zweiten Halbzeit nur noch wenige: Würde es ein zweistelliges Ergebnis werden? Könnte dem Viertligisten noch ein Ehrentreffer gelingen? Wird Schick noch über sein erstes Tor für Bayer jubeln? Doch Leverkusen wollte nicht mehr allzu viel in die Begegnung investieren und Norderstedt konnte nicht. So dauerte es bis zur 77. Minute, ehe zumindest eine der offenen Fragen mit einem Ja beantwortet werden konnte: Der Tscheche staubte nach einem Kopfball von Sven Bender, der an die Unterkante des Querbalkens und wieder zurück ins Feld prallte, ebenfalls per Kopf zum 7:0 ab.

Trotz weiterer guter Chancen für Bayer blieb es dabei. Was der lockere Sieg tatsächlich über die Form der Werkself aussagt, wird sich spätestens beim Ligastart am Sonntag in Wolfsburg zeigen.

Statistik:

Norderstedt: Huxsohl – Marxen (81. Karschau), Nuxoll, Grau, Kummerfeld (64. Rajao da Cunha) – Koch – Gutmann, Nyarko (46. Williams), von Knebel, Brown – Lüneburg (46. Brüning). – Trainer: Smith

Leverkusen: Hradecky – Lars Bender (73. Dragovic), Sven Bender, Tapsoba, Sinkgraven – Aranguiz (72. Baumgartlinger) – Wirtz, Demirbay – Bellarabi (73. Palacios), Amiri (46. Diaby) – Alario (46. Schick). – Trainer: Bosz

Schiedsrichter: Sören Storks (Velen)

Tore: 0:1 Lars Bender (4.), 0:2 Amiri (10.), 0:3 Alario (12.), 0:4 Wirtz (21.), 0:5 Aranguiz (30.), 0:6 Amiri (31.), 0:7 Schick (77.) Zuschauer: 300

Beste Spieler: – Amiri, Demirbay, Wirtz

Gelbe Karte: Brown –