Jungefreiheit

Abkommen in NahostDer ungeliebte Friedensstifter Donald Trump

Das von den USA initiierte Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Israel darf mit Fug und Recht als historisch bezeichnet werden. Würde es in den deutschen Medien wohl auch, wenn der amerikanische Präsident, der all das in die Wege geleitet hat, Barack Obama hieße. Leider hat der neue Frieden im Nahen Osten für viele einen entscheidenden Schönheitsfehler: Der Mann im Weißen Haus ist nicht der Demokrat Obama, sondern der Republikaner Donald Trump.

Wäre mit Obama der vermutlich schlechteste – gleichzeitig aber zumindest außerhalb der USA beliebteste Präsident seit Kennedy – noch im Amt, ihm wären wohl nicht nur hymnische Leitartikel in den hiesigen und internationalen Zeitungen sicher. Er bekäme höchstwahrscheinlich auch schon bald – und diesmal zu Recht – seinen zweiten Friedensnobelpreis verliehen.

Da Trump aber, selbst wenn er übers Wasser ginge, von der Mainstream-Presse allenfalls die Fähigkeit zum Schwimmen abgesprochen bekäme, wird der geschichtsträchtige Friedensschluß zwischen dem jüdischen Staat und seinen Erzfeinden von vielen Journalisten in geradezu erbärmlicher Art und Weise kleingeschrieben oder sogar in den Schmutz gezogen.

Nahostexperte denkt nur an Palästinenser

Die Kritiker konzentrieren sich in ihren Analysen vorwiegend darauf, was das Bündnis der drei Länder für das Palästinensergebiet und den Iran bedeutet. Dort gehört der Judenhaß neben Antiamerikanismus sozusagen zur Bürgerpflicht, zur Staatsdoktrin. Auch viele Kommentatoren geben sich nur noch wenig Mühe, mit ihrer Abneigung gegen die beiden „imperialistischen Mächte“ hinter dem Berg zu halten.

„ZDF heute“ ließ in einem atemberaubend unkritisch geführten Interview den vermeintlichen Nahostexperten Michael Lüders zu Wort kommen. Der Bremer Islamwissenschaftler sieht die Palästinenser durch den Friedensschluß „verraten und verkauft“. Er sagte: „Obwohl sie die Mehrheit der Bevölkerung stellen zwischen Mittelmeer und Jordanfluß, sind sie trotzdem die großen Verlierer. Die Palästinenser haben keine Verbündeten in Washington, ebenso wenig wie der Iran, und dementsprechend sind es andere, die über ihre Zukunft gegenwärtig entscheiden.“

Das war für die Redakteurin Caroline Leicht offenbar ein gutes Ende für das Interview. Kritische Nachfragen: Fehlanzeige. Wie übrigens im Rest des Gesprächs auch.

Indianervergleiche stilisieren neue Opfergruppe

Auch im ebenfalls öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk (DLF) durfte Lüders die vertane Kriegschance im Nahen Osten und die armen Palästinenser betrauern. „Die arabischen Staaten haben vor den USA kapituliert“, beklagte der Buchautor solch nüchterner Werke wie „Wer den Wind sät“ oder „Armageddon im Orient“.

Er klingt dabei fast so, als hätte er die Araber lieber weiterhin in einem mehr oder weniger offenen Bündnis gegen Israel gesehen, statt potentiell an dessen Seite. Den Preis für die neue Allianz, so erklärte er im DLF, würden die Palästinenser zahlen, denen er ein Schicksal ähnlich wie den Ureinwohner Nordamerikas prophezeite.

Journalistenschelte schmälert Trumps Leistung nicht

Der Zeit-Kolumnist Mark Schieritz sah, wie er auf Twitter deutlich machte, durch eine mögliche Wiederwahl des Israelfreunds Trump bei der kommenden Wahl, gar die „Menschheit dem Untergang geweiht“. In seinem am Tag nach dem historischen Nahost-Friedensabkommen veröffentlichten Text „Fürchtet euch!“ sparte er das Thema zwar komplett aus, warnte dafür aber vor so ziemlich jedem Teufel, den man politisch überhaupt an die Wand malen kann.

Er befürchtete, daßTrump sein finsteres Zerstörungswerk mit neuem Schwung fortsetzen wird, wenn er wiedergewählt werden sollte – oder sich nach einer verlorenen Wahl durch Ränkespiele und Betrügereien an der Macht hält“.

Der Friedensnobelpreis wird dem Antikriegspräsidenten wohl verwehrt bleiben. Die Anerkennung der meisten Journalisten auch. Trumps großen außenpolitischen Leistungen für den Weltfrieden tut all das keinen Abbruch.