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Aldi: Erbe erstattet Betrugsanzeige gegen seine Familie

Die Kieler Staatsanwaltschaft geht Untreue-Vorwürfen gegen Mitglieder der Unternehmerfamilie Albrecht (Aldi Nord) und einen Rechtsanwalt nach. “Bei uns ging im August eine private Strafanzeige wegen des Vorwurfs der Untreue zum Nachteil der Jakobus-Stiftung ein”, sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Michael Bimler der Deutschen Presse-Agentur. “Der Vorwurf wird hier geprüft.” Zuvor hatte das Wirtschaftsmagazin “Business Insider” darüber berichtet.

Die Strafanzeige stammt nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung” von Nicolay Albrecht. Er wirft seiner Mutter Babette Albrecht, seinen vier Schwestern sowie deren Anwalt Untreue vor. Die Familienmitglieder sollen sich im vergangenen Jahr Ausschüttungen in Millionenhöhe von einer Firmenstiftung genehmigt haben – mit Unterstützung ihres Anwalts.

Bei Aldi Nord tobt seit Jahren ein Erbstreit. Nicolay, seine vier Schwestern und ihre Mutter kämpfen gegen das Testament ihres Vaters Berthold Albrecht, des 2012 verstorbenen Aldi-Gründersohns, das ihre Einflussmöglichkeiten auf das Unternehmen stark einschränkt. Das Unternehmen gehört drei Stiftungen mit Sitz in Schleswig-Holstein: der Markus-, der Lukas- und der Jakobus-Stiftung.

Die Stiftungen können durchaus Gelder an die Familie ausschütten, doch entscheidet darüber der jeweilige Vorstand. Der ist aber nach diversen juristischen Auseinandersetzungen noch immer nicht rechtmäßig besetzt. Der Jakobus-Stiftung stehen bis heute zwei Töchter Babettes sowie der Anwalt, der von der Familie die Generalvollmacht erhalten hat, vor. Dies wollte Vater Berthold vor seinem Tod unbedingt verhindern. In zwei Instanzen klagten seine Nachkommen, bei beiden verloren sie. Die Urteile sind noch immer nicht umgesetzt, wonach der Vorstand hätte neu besetzt werden müssen. Nach Lesart von Nicolay Albrecht haben sich seine Mutter und seine Schwestern Gelder selbst ausgeschüttet, die sie in dieser Höhe nie bekommen hätten, wäre der Vorstand der Stiftung verändert worden.

Der Streit könnte sich langfristig auch auf die Geschicke des Discount-Riesen auswirken. Denn große Investitionen und wichtige Entscheidungen können von den Stiftungen nur einstimmig beschlossen werden.

Das Oberverwaltungsgericht hatte die Satzungsänderung im Dezember 2017 für rechtens erklärt, die den Einfluss der Familienerben auf die Geschicke des Discounters eingeschränkt hatte. 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die Entscheidung.

So wie es aussieht, dürfte die Strafanzeige wohl nur geringe Aussicht auf Erfolg haben. Sie Staatsanwaltschaft will die Vorwürfe zwar prüfen. Ein Anfangsverdacht bestehe allerdings derzeit nicht.

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