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Alexej Nawalny: Giftanschlag fand laut seinem Team vor Abreise aus Tomsk statt

Eine Wasserflasche trägt womöglich zur Aufklärung des Giftanschlags auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny bei. Das Team des russischen Oppositionellen schildert in einem Post auf Instagram, es habe in Nawalnys Hotelzimmer in der sibirischen Stadt Tomsk eine Flasche sichergestellt, an der später Spuren des Nervengifts Nowitschok nachgewiesen worden seien. Nawalny war demnach bereits abgereist.

Damit lässt sich der Zeitpunkt der Vergiftung des Politikers eingrenzen: Sie muss noch vor seiner Abreise aus dem Tomsker Hotel erfolgt sein. Das Instagram-Video zeigt die Suche seines Teams nach verdächtigen Gegenständen in einem Hotelzimmer. Wegen der frühen Abreise des Politikers war der Raum in Tomsk offenbar noch nicht gereinigt worden, die im Hotel verbliebenen Mitarbeiter Nawalnys nutzten diese Gelegenheit. Zu dem Zeitpunkt war bereits seit einer Stunde bekannt, dass Nawalnys mutmaßlich vergiftet worden war. Sein Flug nach Moskau war in Omsk zwischengelandet.

“Wenn Sie etwas mitnehmen wollen, dann nur über die Polizei”

In dem Video sieht man drei Plastik-Wasserflaschen, die in Plastiktüten verpackt werden. Zu hören ist eine Frau, offenbar eine Hotelangestellte, die warnt: “Wenn Sie etwas mitnehmen wollen, dann nur über die Polizei, hat mir der Direktor gerade gesagt.” Eine männliche Stimme antwortet: “Dem können wir uns leider nicht fügen.”

Die Bundesregierung sieht es nach Untersuchungen in einem Spezial-Labor der Bundeswehr als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem Kampfstoff aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Wie der SPIEGEL berichtete, wurde bei den Laboranalysen in Deutschland auch eine Flasche untersucht, an der sich ebenfalls Spuren von Nowitschok fanden.

Wie genau die Flasche nach Berlin gelangt ist, wird aus dem Instagram-Post nicht deutlich. Nawalnys enger Mitstreiter Georgij Alburow kündigte die Bekanntgabe weiterer Details in einer YouTube-Sendung am Donnerstagabend an.

Nawalny war bei dem Flug von Tomsk nach Moskau am 20. August zusammengebrochen. Die Maschine musste in Omsk zwischenlanden. Nawalny wurde dort im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt und beatmet. Am 22. August wurde er nach Deutschland ausgeflogen, wo er an der Charité in Berlin behandelt wird. Er ist inzwischen wieder bei Bewusstsein, atmet selbst und hat sich auch schon bei Instagram mit einem Foto gemeldet.

Die Regierung in Moskau hatte zuletzt behauptet, Nawalny sei womöglich erst nach seiner Abreise vergiftet worden. Der Kreml betonte mehrfach, dass russische Ärzte keine Vergiftungssymptome hätten feststellen können. Vorwürfe einer Verwicklung in den Anschlag weist Russland zurück.

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