Spiegel

Alexej Nawalny: Vermögen offenbar von Gericht in Moskau eingefroren




Alexej Nawalny (Archivbild): Gericht fordert offenbar Schadensersatzzahlung an Cateringfirma


Alexej Nawalny (Archivbild): Gericht fordert offenbar Schadensersatzzahlung an Cateringfirma


Foto: Pavel Golovkin / dpa

Nach dem Giftanschlag auf den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny hat ein Gericht in Moskau offenbar dessen Vermögen eingefroren. Eine entsprechende richterliche Anordnung sei bereits am 27. August erfolgt, teilte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch in einer Videobotschaft mit.

Nawalny kann demnach keine Transaktionen über seine Bankkonten tätigen. Zum Zeitpunkt des Urteils lag er noch mit einer Vergiftung durch einen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe in der Berliner Charité im Koma.

Mehr zum Thema

Die Maßnahme führe auch dazu, dass Nawalnys Wohnung in einem Wohnblock im Südosten Moskaus nicht verkauft, verschenkt oder verpfändet werden könne, sagte Jarmysch laut der “Tagesschau”. Sein Recht darauf, in der Wohnung zu leben, ist laut der Nachrichtenagentur AFP von dem Gerichtsentscheid unberührt.

Schadensersatzforderung wohl wegen Verleumdung von Catering-Firma

Hintergrund der Maßnahmen ist Berichten zufolge, dass Nawalnys Fonds zur Bekämpfung von Korruption (FBK) wegen Verleumdung zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 88 Millionen Rubel (etwa eine Million Euro) an die Cateringfirma Moskowskj Schkolnik (Moskauer Schüler) verurteilt wurde.

Das Unternehmen wird mit dem Milliardär Jewgeni Prigoschin in Verbindung gebracht. Prigoschin war einst Koch bei Kremlchef Wladimir Putin und war zuletzt von FBK ins Visier genommen worden.

Nawalny will offenbar nach Russland zurückkehren

Jarmysch hatte AFP zuvor gesagt, dass Nawalny vorhabe, nach Abschluss seiner medizinischen Behandlung in Deutschland in sein Heimatland zurückzukehren. Der Kreml hatte am Mittwoch erklärt, es stehe Nawalny frei, nach Russland zurückzukommen.

Der bekannte Kreml-Kritiker war am 22. August in die Charité eingeliefert worden, nachdem er zwei Tage zuvor während eines Flugs in Russland zusammengebrochen war. Nach Angaben der Bundesregierung wurde Nawalny “zweifelsfrei” mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe vergiftet. Moskau weist den Verdacht zurück, staatliche russische Stellen könnten Nawalny gezielt vergiftet haben.

Am Mittwoch war Nawalny aus der stationären Behandlung in der Charité entlassen worden. Der Gesundheitszustand des 44-Jährigen habe sich bis zu seiner Entlassung am Dienstag “soweit gebessert, dass die akutmedizinische Behandlung beendet werden konnte”, erklärte das Universitätskrankenhaus. Eine vollständige Genesung Nawalnys hielten die behandelnden Ärzte für möglich.

Mehr zum Thema

Der Oppositionelle hatte zuletzt angekündigt, mithilfe von Spezialisten wieder zu Kräften kommen zu wollen. Er werde jetzt täglich zur Physiotherapie gehen und womöglich ein Rehabilitationszentrum aufsuchen, schrieb Nawalny auf Instagram zu einem Bild aus einem Berliner Park.

Icon: Der Spiegel