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Atomkraft: Vereinigte Arabische Emirate nehmen erstes Akw im arabischen Raum in Betrieb

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Atomkraftwerk Baraka im Westen der Emirate


Atomkraftwerk Baraka im Westen der Emirate


Foto: -/ AFP

Als erster Staat im arabischen Raum haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) nach eigenen Angaben ein Atomkraftwerk in Betrieb genommen. Das Land betreibe erfolgreich den “ersten friedlichen Kernreaktor in der arabischen Welt”, teilte Vizepräsident und Emir von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum, mit. Auf lange Sicht will das Land mit zehn Millionen Einwohnern ein Viertel seines Energiebedarfs mit dem Atomkraftwerk und dessen vier Reaktoren decken.

Die Emirate begannen ihr Programm zur friedlichen Nutzung von Atomenergie im Jahr 2009. Auch das benachbarte Saudi-Arabien treibt den Ausbau von Atomkraft voran. Das Königreich will in den kommenden 20 Jahren bis zu 16 Reaktoren bauen.

Das Atomkraftwerk Baraka liegt im Westen der Emirate an der Küste des Persischen Golfs. Die Bauarbeiten für die vier Atommeiler begannen bereits im Jahr 2012, geführt vom südkoreanischen Staatskonzern KEPCO. Nach Angaben der Emirate umfasst der Vertrag im Umfang von 20 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 18,5 Milliarden Euro) neben dem Bau auch die Ausbildung von Mitarbeitern und den Betrieb der Anlage mit 1400 Megawatt Leistung. Eigentlich sollte der erste Reaktor schon Ende 2017 in Betrieb gehen. 

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Der erste Block wird nach Angaben des staatlichen Energiekonzerns ENEC in einigen Wochen für den Anschluss ans Stromnetz bereit sein, um dann Haushalte und Unternehmen zu versorgen. Pro Jahr wollen die Emirate damit ihren Kohlendioxidausstoß um 21 Millionen Tonnen verringern, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur WAM.

Die Emirate sind der viertgrößte Ölproduzent in der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec). Vor kurzem wurde zudem ein riesiges Gasfeld auf dem Gebiet der Golfnation entdeckt. Trotz der großen Ressourcen an fossilen Brennstoffen, bemüht sich das sonnenreiche Land, den heimischen Energiebedarf mit regenerativen Quellen zu decken. So nahm im Raum Abu Dhabi im vergangenen Sommer eine der größten Solaranlagen der Welt den Betrieb auf.

Katar: “Gefahr für den Frieden in der Region”

Mit der Inbetriebnahme des ersten Atomkraftwerks im arabischen Raum hofft Abu Dhabi zudem, seine Rolle als aufstrebende Regionalmacht weiter ausbauen zu können. Am 20. Juli hatten die Emirate als erstes arabisches Land eine Sonde zum Mars geschickt und damit auch ihren Anspruch demonstriert, im Raum- und Luftfahrtbereich zum bedeutenden Akteur zu werden.

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Die Emirate haben immer wieder die friedliche Ausrichtung ihres Atomprogramms betont und in den vergangenen Jahren Kontrollen der IAEA und des Weltverbands der Kernkraftwerksbetreiber (Wano) zugelassen. Katar bezeichnet das Atomkraftwerk Barakah allerdings als “Gefahr für den Frieden in der Region”.

Das Akw Barakah – zu deutsch “Segen” – liegt nur 50 Kilometer von der Grenze zu Saudi-Arabien entfernt und ist damit näher an der katarischen Hauptstadt Doha als an Abu Dhabi. Seit Beginn der Katar-Krise 2017 boykottieren Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate mit Unterstützung Bahrains und Ägyptens Katar.

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