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Berg-Karabach: Mindestens 13 Tote nach Raketenangriffen in Aserbaidschan

Eine Woche nach der vereinbarten Waffenruhe dauern die Kämpfe in der Konfliktregion Berg-Karabach im Südkaukasus weiter an. Aserbaidschan meldete schwere Angriffe der armenischen Seite in der Nacht zum Samstag auf Ganja, die zweitgrößte Stadt des Landes. Bei dem Raketenbeschuss seien mindestens 13 Menschen getötet worden, teilte das Zivilschutzministerium in der Hauptstadt Baku mit. Mehrere Häuserreihen in der 300.000 Einwohner zählenden Stadt seien bei dem Angriff zerstört worden. Die Leichen, unter ihnen Kinder, seien auch unter diesen Trümmern gefunden worden. Zudem habe es mehr als 50 Verletzte gegeben.

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev nannte den Angriff im Fernsehen ein Kriegsverbrechen und drohte, dass die armenische Führung dafür zur Rechenschaft gezogen werde. “Wir werden uns auf dem Schlachtfeld rächen”, sagte er in einer Rede. Die armenischen Kräfte in Berg-Karabach und ihre Unterstützer in Armenien bezeichnete er als “Hunde”, “Faschisten” und “wilde Tiere”.

Armenien wies eine Verantwortung zurück und warf dem verfeindeten Nachbarn im Gegenzug vor, selbst hinter dem Angriff zu stecken und dies als “Propaganda” gegen die Armenier zu verwenden.

Tote Zivilisten nach Verstößen gegen Feuerpause

Armenien wiederum berichtete von Raketenangriffen der aserbaidschanischen Seite, darunter auf die Hauptstadt von Berg-Karabach. Dabei seien in Stepanakert mindestens drei Zivilisten verletzt worden. Unter anderem wurde das Dach eines Einkaufszentrums teilweise zerstört, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, erneut gegen die Feuerpause verstoßen zu haben. Sie war am vergangenen Samstag unter der Vermittlung Russlands zustande gekommen.

Das Militär von Aserbaidschan teilte zudem mit, es habe einen armenischen Kampfjet abgeschossen. Das armenische Verteidigungsministerium dementierte umgehend und erklärte, zwei Drohnen der gegnerischen Seite abgeschossen zu haben. Aserbaidschan berichtete von weiteren Geländegewinnen an der Front, das Militär habe die Stadt Fizuli und sieben umliegende Dörfer unter Kontrolle gebracht. Diese Region grenzt an Berg-Karabach und war von Armenien besetzt.

Tausende Geflüchtete in jahrzehntealtem Konflikt

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region mit etwa 145.000 Bewohnern. Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe.

Aus der mehrheitlich von christlichen Karabach-Armeniern bewohnten Bergregion sind inzwischen Tausende Menschen geflohen. Das armenische Verteidigungsministerium sprach von mehr als 600 getöteten Soldaten seit Beginn der neuen Kämpfe am 27. September. Aserbaidschan machte bislang keine Angaben zu Verlusten bei seinen Streitkräften. Bei armenischen Angriffen seien mehr als 50 Zivilisten getötet worden.

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