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Bertha Krupp: Was macht eine 16-Jährige mit einem Großkonzern?

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Am Vorabend hatte das Mädchen noch Domino mit seinem Vater gespielt, in der türkisch dekorierten Ecke der prachtvollen Villa Hügel in Essen, unter dem aufgespannten Zelt, neben dem ausgestopften arabischen Hengst. Am folgenden Morgen war Friedrich Alfred Krupp tot. Und seine Tochter Bertha mit einem Schlag die reichste Frau Deutschlands, Alleinerbin eines international tätigen, vertikal gegliederten Großkonzerns mit damals gut 41.000 Beschäftigten.

Testamentarisch hatte Krupp verfügt, dass die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden sollte – seine Tochter bekam 159.996 der 160.000 Aktien. Das kruppsche Imperium, legendäre “Waffenschmiede der Nation”, ein Unternehmen, das wie kein zweites den industriellen Aufstieg Deutschlands, dessen militärischen Expansionsdrang symbolisierte: Dieser unvorstellbare Reichtum gehörte ab sofort einem Teenager, einem hübschen noch dazu. Zudem introvertiert und deutlich ernster als die jüngere, quirlige Schwester Barbara.

Krupp feierte Orgien in Italien

Das Erbe auf Berthas schmalen Schultern glich einer gewaltigen Bürde – auch weil dem Tode Krupps am 22. November 1902 eine unappetitliche Schlammschlacht vorausgegangen war. “Krupp auf Capri” lautete die Überschrift des Artikels, erschienen am 15. November 1902 im “Vorwärts”, als SPD-Organ der natürliche Feind des eng mit dem Kaiser verbandelten Großkapitalisten. “In einer verschwenderisch ausgestatteten Villa … huldigte er mit den jungen Männern der Insel dem homosexuellen Verkehr”, schrieb das Blatt. Krupp feiert Orgien in Italien!