Spiegel

Brände in Kalifornien: Jeff Frost hat das Feuer mit der Kamera gejagt




Jeff Frost hat die Waldbrände fünf Jahre lang dokumentiert


Jeff Frost hat die Waldbrände fünf Jahre lang dokumentiert

Der kalifornische Filmemacher Jeff Frost hat für seinen eindringlichen Experimentalfilm “California on Fire” jahrelang Brände mit der Kamera begleitet. Die apokalyptischen und gleichzeitig seltsam poetischen Bilder lässt Frost im Zeitraffer für sich sprechen und gliedert sie wie die fünf Trauerphasen aus der Sterbeforschung: Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. “Menschen reagieren selten schnell auf Krisen, meist erst dann, wenn sie mittendrin stecken”, sagt Frost. Sie leugneten den Klimawandel wie einen Todesfall, er werde immer noch als mögliches Szenario der Zukunft dargestellt. Deshalb habe er den Feuerfilm darüber drehen müssen, was der Mensch dem Planeten antue. Frost jagt darin der Zerstörung hinterher: 70 Infernos in fünf Jahren. Las er auf Twitter von einem neuen Feuer, fuhr er in seinem Truck los und legte die Schutzkleidung an. In diesem Jahr beendete Frost die Arbeit an “California on Fire” – gleichzeitig erfährt seine Heimat die schlimmste Feuersaison, die es je gab. Hier schildert er seine Empfindungen:

“Es fühlt sich an wie Kettenrauchen rund um die Uhr, denn die ganze westliche Seite des amerikanischen Kontinents ist in eine dicke Decke aus Rauch gehüllt. Ich nenne das den Kohle-Nebel: Er lässt den Himmel orange leuchten. Überall. Tausende von Meilen weit. Es fühlt sich an wie ein tiefes Trauma, das man nicht zu fassen bekommt, das einem aber bewusst ist.

Du hast die destruktiven Auswirkungen dieses Traumas auf dein Leben sorgfältig beobachtet. Und es bringt dich dazu, dich selbst und alle anderen unfair zu behandeln. Doch obwohl du das Thema rational verstehst, kannst du es emotional nicht begreifen und dein Handeln nicht ändern, denn die Ursache des Problems wird nicht angetastet. Es fühlt sich an wie Chaos und Tragödie.



Dokumentar der Brände

Foto: 

JEFF FROST / Jeff Frost

Der Mensch lebt in einer toxischen Beziehung mit der Erde. Unsere Himmel sind orange. Wie unser Präsident. Er breitet sich weiter über die Welt aus wie eine Krankheit. Jetzt ähnelt der Himmel bereits dem Selbstbräuner auf seiner Haut. Ich bin so wütend, dass ich kaum sehen kann – aber vielleicht ist das wieder der Kohle-Nebel.

Mit den verschiedenen selbst verschuldeten Endzeitszenarien zu jonglieren, kostet viel Zeit. Wir müssen uns fragen: Werden wir das akzeptieren? Werden wir diesen Weg bis zu seinem Ende verfolgen? Wird unser Verhalten von heute der Dämon von morgen sein? Oder wollen wir es noch weitertreiben, die Erde so viel verschmutzen wie möglich, bis das Grundgerüst der Gesellschaft unter der Belastung zusammenbricht?

“Auch wenn sich die Probleme unserer Umwelt unglaublich groß anfühlen, müssen wir so handeln, als sei es möglich, die Dinge besser zu machen”

Jeff Frost

Wir wissen, was das Problem ist. Und wir wissen auch, wie es behoben werden kann. Wir können immer noch den Schaden begrenzen und die verheerenden Auswirkungen des Anthropozäns rückgängig machen. Auch wenn sich die Probleme unserer Umwelt unglaublich groß anfühlen, müssen wir so handeln, als sei es möglich, die Dinge besser zu machen. Die Alternative hieße, aufzugeben und das Orange alles überdecken zu lassen. Und ich habe wirklich genug von Orange.”

Icon: Der Spiegel