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Brandenburg: Solarpark ohne Subventionen – Großanlage vor dem Start




Solarpark in Werneuchen östlich von Berlin: 250 Megawatt ohne Zuschüsse 2020


Solarpark in Werneuchen östlich von Berlin: 250 Megawatt ohne Zuschüsse 2020


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Patrick Pleul / dpa


Durch den niedrigen Strompreis an der Börse fällt die Förderung für Erzeuger von Ökoenergie über das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) derzeit häufig hoch aus. Dass es auch ohne geht, wollen nun mehrere Projekte, unter anderem in Brandenburg, zeigen: durch Größe.

Nach Schätzungen des Berliner Beratungsunternehmens Energy Brainpool wurden mittlerweile in Deutschland Lieferverträge für rund 560 Megawatt Strom aus Solarparks abgeschlossen, die nach Angaben ihrer Betreiber auch ohne Zuschüsse rentabel sind. “Das sind rechnerisch Solarparks mit einer Gesamtfläche von etwa 1100 Fußballfeldern”, sagte Energy-Brainpool-Experte Fabian Huneke. Zum Vergleich: Das Ende Mai gegen Proteste von Klimaschützern ans Netz gegangene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 hat eine Leistung von 1100 Megawatt.

Einen der Solarparks baut der baden-württembergische Energieversorger EnBW derzeit in Brandenburg. Mit einer Leistung von 187 Megawatt gilt das Projekt Weesow-Willmersdorf als aktuell größter Solarpark in Deutschland. Die erste Kilowattstunde soll noch in diesem Monat ins Stromnetz eingespeist werden, danach geht die Anlage schrittweise komplett in Betrieb. EnBW investiert in den neuen Solarpark vor den Toren Berlins rund hundert Millionen Euro.

9000 Megawatt förderfreier Solarleistung bis Ende der Zwanzigerjahre erwartet

Lange Zeit wurden diese großen Solarparks nicht gebaut, weil es zu teuer war – und Anlagen mit mehr als zehn Megawatt Leistung keine EEG-Förderung erhalten. Nun erwartet Huneke, dass in diesem Jahr Anlagen mit einer Gesamtleistung von 250 Megawatt mit der Stromproduktion beginnen.

Noch immer ist subventionsfreier Solarstrom ein Nischenprodukt. Die Projekte seien derzeit “nur unter Idealbedingungen” zu realisieren, sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Künftig dürften sich die Investitionsbedingungen demnach aber verbessern – wegen sinkender Investitionskosten und eines erwarteten Anstiegs der CO2-Preise für Kohle und Gas. Auch sind die Solarmodule in den vergangenen Jahren preiswerter geworden.

Marktforschner rechnen laut Körning mit rund 9000 Megawatt förderfreier Solarleistung bis Ende der Zwanzigerjahre. Aber auch dann werden förderfreie Solarparks nur einen recht kleinen Anteil der Erzeugung von Solarstrom abdecken: Schon jetzt sind nach Zahlen der Bundesnetzagentur in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 52.000 Megawatt installiert.

Um ein Fotovoltaik-Projekt ohne EEG-Förderung wirtschaftlich umsetzen zu können, sei neben viel Sonneneinstrahlung auch eine gewisse Größe der Anlage nötig, heißt es bei EnBW. Aus heutiger Sicht sei “eine wirtschaftliche Realisierung ab 50 Megawatt möglich”. Denn neben den Solarmodulen ist der Netzanschluss mit eigenem Umspannwerk ein erheblicher Kostenfaktor. EnBW investiert in den neuen Solarpark vor den Toren Berlins rund 100 Millionen Euro.

Auch RWE wittert Chancen

Damit Solarparks ohne garantierte Vergütungen nicht den schwankenden Börsenpreisen ausgesetzt sind, brauchen ihre Betreiber die Sicherheit, dass ihnen der Strom zu einträglichen Preisen abgenommen wird, etwa über langfristige Lieferverträge. In Deutschland stehe der Markt aber “aufgrund des EEG-Systems noch in den Startlöchern”, sagte eine Sprecherin des Energiekonzerns Statkraft. Statkraft bietet auch in Deutschland als eine Art Zwischenhändler langfristige Lieferverträge für förderfreien Strom an, ein Abnehmer ist der Düsseldorfer Ökostromanbieter Naturstrom.

“Der Markt für Solarstrom-Lieferverträge kommt gerade ins Rollen”, ist Naturstrom-Vorstandschef Chef Thomas Banning überzeugt. Damit entfalle “der Umweg über die EEG-Vergütung” und “die Energiewende kommt in der breiten Masse an”. Auch bei RWE wittert man mittlerweile Chancen beim Verkauf von subventionsfreiem Ökostrom, der Konzern will Bosch mit Grünstrom aus mehreren kleineren Solaranlagen in Süddeutschland beliefern.

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