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Buch über Lehrer-Geschichten: Eine Stunde Chemie – drei Stunden Feuerwehreinsatz




Haben eine Hauptrolle im wahren Leben: Lehrer


Haben eine Hauptrolle im wahren Leben: Lehrer


Foto: AndreyPopov  / imago images/Panthermedia

“Wir Schüler reagierten gelassen. Die Sonne schien, wir lagen auf der Wiese vor der Schule. Nur die Jüngsten erzählten teilweise zu Hause, dass Leichen auf dem Schulhof gelegen hätten, was natürlich nicht stimmte.” So beschreibt der ehemalige Oberstufenschüler Leander aus Baden-Württemberg den Tag, an dem in Chemie das Experiment mit Brom auf dem Lehrplan stand und, nun ja, etwas außer Kontrolle geriet.

Die vielen Freistunden hatten die Schüler ihrem Lehrer zu verdanken, denn der Versuch mit dem giftigen Stoff war schiefgegangen (später dazu mehr). Auch eine Klasse aus Bayern freute sich kürzlich über unverhoffte Freizeit: Während des Corona-Lockdowns machte die Lehrkraft erste Versuche mit einem Konferenztool, als ein unbekannter Teilnehmer plötzlich einen Porno einblendete. Die Online-Stunde wurde natürlich sofort beendet.

Im Buch “Unser Mathelehrer unterrichtet von draußen – damit er dabei rauchen kann!” haben die SPIEGEL-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg die lustigsten Schulzeit-Erinnerungen und Lehrer-Anekdoten versammelt. Sie berichten von ausgefallenen Hausaufgaben, ekligen Marotten und lustigen Spleens – schließlich sind Lehrer auch nur Menschen. So guckt manche Klasse ein Schuljahr lang “James Bond”, die nächste schleppt Wassereimer wie im bolivianischen Dschungel. Es geht um superengagierte Helden des Klassenzimmers, aber auch die resignierten Käuze vor staubigen Tafeln von damals.

Pech und Pannen

Viele schrägen Anekdoten drehen sich um kleine Unfälle im Unterricht. Slapstickreife Auftritte und streikende Technik, Experimente im Unterricht oder Alkoholkonsum auf dem Kurstreffen – nicht immer läuft alles glatt im Kosmos Schule. Lesen Sie hier einige Auszüge aus dem Buch:


Titel: Unser Mathelehrer unterrichtet von draußen – damit er dabei rauchen kann!: Die lustigsten Storys über Lehrer

Herausgeber: Ullstein Taschenbuch

Seitenzahl: 224

Autor: Greiner, Lena, Padtberg, Carola

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Preisabfragezeitpunkt

13.09.2020 18.00 Uhr

Keine Gewähr


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Kleiner Spritzer, große Wirkung

“Einen Großeinsatz der Feuerwehr in unserer Waldorfschule hat mal unser Chemielehrer in der Stufe 13 ausgelöst. Er hatte ein Gefäß mit Brom etwas zu heftig auf den Tisch gestellt, sodass ein paar kleine Spritzer auf den Tisch gerieten. Weil Brom sehr giftige Dämpfe entwickelt, wurde sofort das gesamte Gebäude evakuiert. Es rückten Dutzende Feuerwehrfahrzeuge an. Zwar war der Bromgehalt kaum messbar, doch sie nahmen es zum Anlass, das Spezialgerät mal auszuprobieren. Im Untergeschoss der Schule wurde dann die Luft abgesaugt.”

Von einer Schule in Baden-Württemberg

Bier auf Wein…

“Alle Oberstufenkurse unseres ländlich gelegenen Gymnasiums trafen sich einmal im Jahr zur Kursparty – damals wurde das nicht selten bei den Lehrern zu Hause abgehalten. Die letzte davon fand an einem Donnerstag statt, unser Lehrer hatte eigens dafür ein Bierfass sowie Wein in Drei-Liter-Tüten besorgt – schließlich waren wir ja alle über 16 Jahre alt. Einige wenige von uns mussten nüchtern bleiben und den Rest des Kurses nach Hause fahren. Sehr fürsorglich gab uns die Frau unseres Geschichtslehrers Spuckeimer mit auf die Rückfahrt.”  

Von einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen

Schräge Aufgaben

Einigen Lehrern fallen wirklich geniale Unterrichtseinheiten ein – die sind so einprägsam, dass die Schüler sie ihr Leben lang nicht vergessen:

Gegen die Wand

“In Informatik sagte meine Lehrerin, ich solle mit geschlossenen Augen in Richtung Wand laufen. Sie wollte damit demonstrieren, dass ich automatisch meine Hände benutzen und mich schützen würde, wie es das zu der Zeit von uns behandelte Programm auch kann. Falsch gedacht – ich bin einfach gegen die Wand gelaufen.”

Von einem Gymnasium in Bayern

Kraft versus Masse

“In Physik mussten wir mal eine Aufgabe veranschaulichen, indem eine Mitschülerin auf offener Straße mehrere hunderte Meter hin- und hergerannt ist. Wir standen im Abstand von 50 Metern und haben die Zeit etappenweise gestoppt. Wir sollten dadurch etwas über Beschleunigung lernen.”

Von einem Gymnasium in Bayern

Abgefahrene Spleens

Für Grundschüler ist es häufig unvorstellbar, doch ältere Jahrgänge haben es längst gecheckt: Auch Lehrer sind nur Menschen. Mit Macken, Spleens – und sehr lustigen Seiten. Einige haben heimliche Liebschaften, andere stehen auf Prinzessinnen-Diademe. Warum auch nicht?

You are the dancing king

“Bei einem Sommerfest in der Schule gab es, wie eigentlich jedes Jahr, kleine musikalische Aufführungen. In diesem Jahr hat der Abschlussjahrgang zu ‘Dancing Queen’ getanzt, was erstmal eher langweilig war. Aber dann kam plötzlich zum Refrain der Sportlehrer auf die Bühne getanzt – in einem Blümchenkleid und mit Prinzessinendiadem.”

Von einer Schule in Hessen

Fuchsschwanz statt Geodreieck

“Unser Mathelehrer war Kampfsportfan. Wir schauten im Unterricht ‘Rocky’ und ‘Karate Tiger’. Nach Schulschluss raste er in einem goldfarbenen Opel Manta mit Fuchsschwanz an uns vorbei. Manchmal spekulierten wir, ob er ein völlig anderes Leben führte und die Identität eines Mathelehrers nur eine Tarnung sei.”

Von einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen

Paris, die Stadt der Trauer

“In der elften Klasse fuhren wir auf Klassenfahrt nach Paris. Was wir nicht wussten: Unser Lehrer hatte dort eine Freundin – sie arbeitete in einem Museum und organisierte auch eine Führung für uns. An dem Abend wollte unser Lehrer mit ihr essen gehen, wir hatten Freizeit. Tags darauf kam er nicht aus seinem Zimmer, angeblich hatte er sich am Steak frites den Magen verdorben. Seiner extrem schlechten Stimmung nach zu urteilen – er schrie uns wegen Nichtigkeiten an – handelte es sich aber wohl eher um Herzschmerz.”

Von einem Gymnasium in Hamburg

Einfach nur bäh

Leider muss aber auch gesagt werden: Es gibt mitunter Lehrkräfte, die sich im Unterricht verhalten, als wären sie zu Hause in ihrem Badezimmer. Da fehlte wohl ein wenig die soziale Kontrolle durch andere anwesende Erwachsene.

Da hilft kein Pfefferminz

“Unser Lehrer feierte fast jedes Wochenende feucht-fröhlich in der Dorfdisko. Montags kam er dann mit intensiver Knoblauchfahne in den Unterricht. Er versuchte das mit Fisherman’s Friend zu vertuschen – eine freundliche, aber vollkommen zwecklose Geste.”

Von einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen

Fußpflege

“Wir hatten einen Mathelehrer, der, sobald es warm genug war, gern Sandalen trug. Während der Stunde setzte er sich regelmäßig auf einen Stuhl neben der Tafel, zog seine Schuhe aus und pulte beim Reden an und zwischen seinen Zehen herum.”

Von einem Gymnasium in Hamburg

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