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CDU-Kandidatenrennen: Wie Laschet, Merz und Röttgen den Jugend-Check bestehen


CDU-Kandidatenrennen
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Wie Laschet, Merz und Röttgen den Jugend-Check bestehen



Norbert Röttgen, Armin Laschet und Friedrich Merz stellen sich am Samstagabend den Fragen des Parteinachwuchses im Rennen um den CDU-Vorsitz.
Foto: dpa/Michael Kappeler

Berlin Die nächste Bundesregierung bekommt ein Digitalministerium. Nicht nur darin waren sich die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz einig, als sie sich der JU stellten. Röttgen positioniert sich für die Innere Sicherheit, Laschet als Experte für Internationales und Merz will Wirtschaft und Arbeit wieder zusammenbinden.

Die drei Kandidaten im Rennen um den CDU-Vorsitz ziehen an diesem Samstagabend zwar den Mund-Nasen-Schutz aus, als sie im vorgeschriebenen Abstand zueinander vor die zugeschalteten Mitglieder der Jungen Union und ein breites Fernsehpublikum treten. Doch mental ziehen sie etwas anderes gleich wieder an: Samthandschuhe. Wer einen kräftigen Schlagabtausch erwartet, geht nahezu leer aus. Hätte es nach Norbert Röttgens Eintreten für mehr Bundeskompetenzen in der Bildung nicht Armin Laschets engagierte Replik gegeben (“ich bin definitiv nicht der Meinung, dass der Unterricht besser wird, wenn es die Bundesverwaltung in die Hand nimmt“) – die Kandidaten hätten nur den Eindruck erweckt, sie träten miteinander und nicht gegeneinander für die höchste Position in ihrer Partei an.

Damit sie sich auch ordentlich ins Zeug legen, hat JU-Chef Tilman Kuban ein silbernes Antik-Mikrofon schon einmal in Stellung gebracht. Diesen Preis soll der Sieger bekommen, wenn die 70.000 JU-Mitglieder abgestimmt haben, wer für sie der beste CDU-Chef ist. Immerhin rund hundert Stimmen bringen JU-Leute bei der Entscheidung am 4. Dezember ein. Das kann den Ausschlag geben. Beim Kandidaten-Pitch, also einer Art Kurzvorstellung, räumt der CDU-Nachwuchs den CDU-Matadoren gleiche Startchancen ein. Jeder einzelne wird als „der wohl beste Kandidat“ vorgestellt. Und jeder hat hinter der Bühne einen Fürsprecher, der in Wohnzimmerdekoration live einordnet, warum sein Favorit gerade gepunktet hat.

Wie Friedrich Merz hinterher berichtet, ist der sanfte Umgang miteinander kein Zufall, sondern der Einsicht geschuldet, dass sie alle drei ja für das Zusammenstehen der CDU eintreten. So legen sie ihre Vorstellungen nicht gegeneinander, sondern nebeneinander. Trotzdem entwickeln sie dabei durchaus unterschiedliche Profile und Perspektiven.

Laschet darf nach Losentscheid mit seiner Vorstellung starten und legt sie bewusst als Macher an. Seine Botschaft: Ich sage nicht nur, was ich tun will, ich tue es bereits jeden Tag in Nordrhein-Westfalen. Etwa wenn er die Freiheitseinschränkungen durch die Corona-Schutzmaßnahmen wieder zurückfährt, den Unterricht wieder zulässt oder zwei Milliarden Wirtschaftshilfen an einem Wochenende digital verteilt.

Merz hat den jungen Leuten konkrete Angebote mitgebracht, will einen neuen Generationenvertrag so ausgestalten, dass es keine Beschlüsse mehr geben soll, die zu Lasten der jungen Generation gehen. Er will mit den Jungen einen neuen Gründergeist entfachen und betont mehrfach, wie wichtig die berufliche Bildung ist. Studium und Meisterausbildung seien für das Land gleich wichtig.

„Einmal JU, immer JU“, sagt Röttgen, der seinen politischen Werdegang auf seine Zeit in der Jungen Union zurückführt. Weder das Land noch die CDU seien auf weitere Erschütterungen vorbereitet. Und es werde weitere dramatische Veränderungen geben, wie Deutschland sie gerade in der Pandemie erlebe.

Alle drei treten dafür ein, nach der Bundestagswahl ein Digitalministerium in Berlin zu etablieren. Laschet weist darauf hin, dass es in seiner NRW-Regierung schon eines gebe und dass er das zeitliche Ziel der digitalen Verwaltung aus rot-grünen Regierungsjahren (“bis 2031“) auf „bis 2025“ vorgezogen habe. Röttgen nimmt Maß an Estland und attestiert Deutschland, in der Digitalisierung 20 Jahre zurückzuliegen. Er will eine „wirklich nationale Kraftanstrengung“ und legt sich fest, ein eigenes europäisches 5G aufzubauen. Merz insistiert, dass ein Digitalministerium auch Querschnittskompetenzen haben müsse und beklagt, dass derzeit in der Bundesregierung 14 Ministerien eigene Durchführungsverordnungen für den Datenschutz erlassen hätten.

Dann wird es ganz praktisch zur Frage „Ich bin jetzt 25 – wann werde ich in Rente gehen?“ Laschet beginnt mit persönlicher Amüsiertheit und bekennt, sich mit 25 nicht mit dieser Frage befasst zu haben. Es sei „nicht seriös“, dazu jetzt schon verbindliche Antworten zu geben, aber er deutet an, dass es durchaus länger dauern könne als 67. Auch Röttgen tendiert dazu, dass die Lebensalterszeit verlängert werden müsse, das sei aber nach Berufen differenziert zu betrachten. Hier geht Merz am mutigsten voran und sagt, dass das künftig jeder selbst entscheiden solle. Wer entsprechend vorgesorgt habe, müsse früher gehen können, wer länger bleiben wolle, müsse das auch dürfen.

Die Moderatoren drehen die Standardwahrnehmungen der Kandidaten abschließend um. Der Wirtschaftsexperte Merz soll sagen, was er als Kanzler an Sozialreformen auf den Weg bringt. Merz antwortet „als CDU-Vorsitzender“, dass er an die Aufteilung in der Regierung Schröder anknüpfen und die Zuständigkeit für Wirtschaft und Arbeit zusammenführen wolle, wie das Bundesminister Wolfgang Clement seinerzeit gemacht habe. Wer alles ganzheitlich denke, dem würden Reformen leichter fallen.

Der profilierte Außenexperte Röttgen soll sich zur Inneren Sicherheit einlassen – und pariert sofort. Er lobt die Arbeit von NRW-Innenminister Herbert Reul als beispielhaft, wie die Union Recht und Ordnung durchsetze – und erwähnt, dass er 1994 als Rechtsexperte der Union angefangen habe. Daran knüpft Laschet an, als er, der deutsche Länderregierungschef, die internationale Situation ordnen soll – und sich sofort daran erinnert, 1994 ein Büro neben Röttgen gehabt zu haben, als er als Außenexperte startete. Er führt viele Probleme im Innern auf die internationale Entwicklung zurück, die Migrationskrise 2015 etwa auf den syrischen Bürgerkrieg und sagt: „Wir werden als Europäer nur wahrgenommen, wenn wir mehr zusammen hinbekommen.“

Schlussrunde, noch mal 30 Sekunden für jeden. Röttgen will für „neuen Aufbruch“ stehen, Merz für den „Aufbruch in eine neue Zukunft“, Laschet für die Partei der Mitte, die nur als Team geführt werden könne. Dabei bringt er ganz schnell noch seinen Teamspieler Jens Spahn mit ein. Sicherlich kein Zufall, daran an diesem Wochenende zu erinnern, an dem eine neue Umfrage Spahn bescheinigt, von den Bürgern auch als guter CDU-Vorsitzender angesehen zu werden. Vor Merz, Laschet und Röttgen.

Ein erstes Stimmungsbarometer setzt Kuban in Bewegung – per Buzzer startet er die JU-Mitgliederbefragung zum künftigen CDU-Chef. In 14 Tagen soll das Ergebnis vorliegen.