Spiegel

Corona-Ausbrüche in evangelikalen Gemeinden: Staatliche Regeln sind ihnen egal

Die Menschen, die Deutschland mit Gebeten verändern wollen, stehen mittwochs um 17 Uhr auf einer Wiese vor dem Kanzleramt und singen sich in Trance. Sie schließen die Augen und strecken die Arme in die Luft. Manche schwenken bunte Banner, sogenannte Lobpreisfahnen. Andere fühlen sich so erfüllt vom Heiligen Geist, dass sie in Zungen reden, ekstatisch unverständliche Laute ausstoßen. Zwischendurch rufen sie laut “Halleluja!”, “Amen!” oder: “Keine Masken, keine Impfungen!”

In ihrer Mitte hockt Christian Stockmann und spielt Gitarre. Der Pastor feuert die etwa 30 Anwesenden mit lautem Gesang an. Er hat “Christen im Widerstand” organisiert, ein Netzwerk evangelikaler Gegner der Corona-Politik. Online haben sich bislang rund 680 Unterstützer registriert. Das Happening vor dem Kanzleramt nennt Stockmann “Anbetung für Deutschland”.

Stockmann und seine Jünger fühlen sich von der Bundesregierung unterjocht. In zigtausendfach angeklickten Predigten im Netz fabuliert der Berliner Pastor von “Knechtschaft” und “Sklaverei” durch Corona. Stockmann pöbelt gegen Abstandsregeln und Maskenpflicht. Die Maßnahmen gegen die Pandemie deutet er als Zeichen des Bösen in einer apokalyptischen Endzeit.