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Corona-Krise: Wie Versicherungskonzerne viele Wirte im Stich lassen

Für kaum eine Branche ist Corona ein solcher Albtraum wie für Gastronomie und Hotellerie. Der Ausbruch der Pandemie im Frühling stürzte viele in Existenznot, der Sommer brachte kurz Erleichterung, nun blicken die meisten schon wieder sorgenvoll gen Winter. Und als wären Schließungen und Einnahmeausfälle nicht Ärger genug, müssen sich viele Betriebe auch noch mit ihrer Versicherung herumplagen.

Rund 73.000 Gastronomen besitzen in Deutschland eine Betriebsschließungsversicherung. Sie hatten daher gehofft, einen Teil ihres finanziellen Schadens ersetzt zu bekommen. Doch während sich einige Anbieter zu Beginn der Krise noch zahlungswillig zeigten, weisen die meisten inzwischen alle Ansprüche zurück.

Tausende Wirte ziehen deshalb vor Gericht. Am kommenden Donnerstag könnte das Landgericht München I ein erstes Urteil verkünden – das bayerische Berghotel “Feuriger Tatzlwurm” hat den Versicherungsriesen Allianz verklagt, der sich weigert zu zahlen. Zwei Wochen später könnte ein Urteil im Streit zwischen dem Münchner Augustinerwirt Christian Vogler und der Versicherungskammer Bayern (VKB) folgen. Allein in München sind 63 Verfahren anhängig. Die zuständige Richterin Susanne Laufenberg hat bereits Ende Juli klargemacht, dass sie der Argumentation der Versicherer in entscheidenden Punkten nicht folgt.