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Coronavirus: Auswärtiges Amt erlässt Reisewarnung für Wien


Coronakrise

In Relation zu den Einwohnern sind die Corona-Neuinfektionen in Österreich dreimal höher als in Deutschland. Nun zieht das Auswärtige Amt Konsequenzen für die Hauptstadt Wien. Auch weitere Regionen in Europa sind betroffen.




Mariahilferstraße in Wien: Wegen steigender Corona-Zahlen wurde für das Bundesland eine Reisewarnung ausgesprochen


Mariahilferstraße in Wien: Wegen steigender Corona-Zahlen wurde für das Bundesland eine Reisewarnung ausgesprochen 


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ALEX HALADA/ imago images/Alex Halada


Wegen der gestiegenen Zahl von Corona-Neuinfektionen hat das Auswärtige Amt die österreichische Hauptstadt Wien zum Risikogebiet erklärt und eine Reisewarnung ausgesprochen. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte am Mittwoch eine aktualisierte Liste der Corona-Risikogebiete, in der nun auch das Bundesland Wien aufgeführt wird. “Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Bundesland Wien wird aufgrund hoher Infektionszahlen derzeit gewarnt”, teilte darüber hinaus das Auswärtige Amt mit.

Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Meist folgt kurz nach der Einstufung als Risikogebiet eine entsprechende Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Eine Reisewarnung geht dabei weiter als die Einstufung zum Risikogebiet: Sie ist zwar kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

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Die Reisewarnung trifft den ohnehin angeschlagenen Stadttourismus in Wien schwer. Als Folge der Coronakrise hatte das Traditionshotel Sacher an seinen Standorten in Wien und Salzburg zuletzt 140 Mitarbeitern gekündigt. Allein in Wien sind 105 Beschäftigte betroffen. “Dramatischer kann eine Situation nicht sein”, sagte Sacher-Chef Matthias Winkler. Der Umsatz bei Sacher werde 2020 bei nur 25 Prozent des Vorjahres (rund 100 Millionen Euro) liegen. Im nächsten Jahr würden es “vielleicht 30 bis 35 Prozent”, so Winkler. Er rechne damit, dass der internationale Tourismus vier bis Jahre brauchen werde, um sich wieder zu erholen.

Private Feiern sollen verantwortlich sein

Vor allem Feiern im Familien- oder Freundeskreis sind nach Ansicht von Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) für die anhaltend hohe Zahl der Corona-Neuinfektionen in der gesamten Alpenrepublik verantwortlich. Das Land befinde sich in einer entscheidenden Phase, sagte Anschober.

Am Mittwoch wurden 768 neue Fälle verzeichnet. Auch die Zahl der belegten Krankenhausbetten beginne spürbar zu steigen, sagte Anschober. Mit dieser Entwicklung liegt Österreich deutlich über dem Trend in Deutschland. Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahlen sind die Infektionszahlen in Österreich rund dreimal höher. 3600 der derzeit rund 6600 aktiven Fälle in Österreich werden aus Wien gemeldet. Die Schweiz hatte die österreichische Hauptstadt daher bereits auf die Liste der Risikogebiete gesetzt.

Neben Wien sind auch andere Regionen in Europa vom Auswärtigen Amt zum Risikogebiet erklärt worden. Neben Wien ist auch die ungarische Hauptstadt Budapest sowie weitere Regionen unter anderem in den Niederlanden, Kroatien, Frankreich und der Schweiz betroffen. So gelten nun auch die französische Region Hauts-de-France und die Insel La Réunion als Risikogebiete. In der Schweiz kam das Kanton Freiburg neu hinzu, in den Niederlanden die Provinzen Nordholland und Südholland. Betroffen ist demnach auch Amsterdam.

In der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung bereits eine weltweite Reisewarnung für Drittstaaten außerhalb der EU bis zum 30. September verlängert.

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