Spiegel

Deutschland: Führungskräfte zweifeln an der Anpassungsfähigkeit ihrer Unternehmen


Fraunhofer-Studie

Führungskräfte zweifeln an der Anpassungsfähigkeit ihrer Unternehmen

Nie war die digitale Transformation von Unternehmen wichtiger als in der Coronakrise. Einer Umfrage zufolge zweifeln Manager jedoch an der Flexibilität der Firmen, in denen sie arbeiten.




Kontaktlose Bezahlung im Einzelhandel: Digitalisierungs-Muffel Deutschland


Kontaktlose Bezahlung im Einzelhandel: Digitalisierungs-Muffel Deutschland


Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Deutsche Führungskräfte haben offenbar wenig Vertrauen in die Anpassungsfähigkeit ihrer Firmen. Das ergab eine qualitative Umfrage unter 126 Unternehmen, die das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation im Auftrag der Personalberatung Rochus Mummert durchgeführt hat und die dem SPIEGEL vorliegt.

Danach sind knapp 70 Prozent der befragten Geschäftsführer, Bereichsleiter und Gesellschafter mit der digitalen Transformation ihres Unternehmens teils oder ganz unzufrieden. Es fehle an Offenheit, Geschwindigkeit, Beteiligung, Experimentierfreude und Risikobereitschaft, schreiben die Studienautoren.

Das habe Auswirkungen auf derzeitige Herausforderungen in der Coronakrise. Gerade Kompetenzen, die aktuell besonders zentral seien – etwa die Zusammenarbeit und Kommunikation über Distanz oder der Umgang mit Daten – hätten die Befragten nach der Wichtigkeit eher “auf den hinteren Rängen” eingeordnet.

Nachholbedarf bei der Unternehmenskultur

Nur gut ein Viertel der Führungskräfte glaubt, ihr Unternehmen könne zügig ein neues Geschäftsmodell entwickeln, wenn das alte bedroht ist oder sich neue Chancen auftun. Nachholbedarf sehen die Manager auch bei der Unternehmenskultur. Weniger als 30 Prozent glauben, dass ihre Firma kreative Mitarbeiter anzieht und halten kann. 44 Prozent erklärten, Bemühungen zur Transformation scheiterten häufig an einer zu statischen Unternehmensstruktur. Fast ebenso viele sehen sogar erst dann eine Chance für ernsthafte Veränderungen, wenn “bestimmte Personen das Unternehmen verlassen haben”.

In den Jahren des Wirtschaftswachstums seien viele Firmen träge geworden, glaubt Personalberater Peter Horndasch von Rochus Mummert, “aber in der Vergangenheit waren es oft Krisen, die am Ende die nötigen Transformationsprozesse angestoßen haben”.

Icon: Der Spiegel