Spiegel

Die besten Kinderbücher im Herbst

Bücher, die helfen, wenn es in der Schule schwierig ist

Omars Eltern sind Wissenschaftler, seine Mutter trägt Kopftuch, und die Familie feiert Zuckerfest. In seiner neuen Schule muss er Freunde finden, ihnen erklären, warum Muslime während des Ramadan nicht verhungern, und sich gegen den gemeinen Daniel durchsetzen. Das Buch sei allen Kindern ­gewidmet, die schon einmal das Gefühl hatten, es sei etwas Schlechtes, anders zu sein, schreibt die Autorin. Es ist eines der ersten Bücher mit einem muslimischen Superhelden – das wurde auch Zeit. Der Comic-Roman macht richtig gute Laune, am Ende schlägt man ihn mit einem Lächeln zu.

Zanib Mian: “Planet Omar 1 – Nichts als Ärger”. Loewe; 9,95 Euro. Ab 8 Jahren.

Clara gerät in der Schule so oft in Schwierigkeiten, dass sie in die “Strafarbeit-AG” kommt. Zusammen mit drei anderen Kindern muss sie nachsitzen. Sie sollen den Schulgarten aufräumen. Der ist bisher eine Ansammlung von Büschen und Müll und wird von Schnappschildkröten bevölkert. Die Strafarbeit-Kinder sind erst nicht sehr freundlich zueinander. Aber als sie bemerken, dass sich geheimnisvolle Dinge im Schulgarten abspielen, halten sie zusammen. Eine schöne Geschichte, in der vier Einzelgänger zu einer Bande werden.     

Kirsten John: “Die Nachsitz-Profis”. Arena; 12 Euro. Ab 9 Jahren.

Das neue Schuljahr fängt nicht gut an: Carlas beste Freundin ist weggezogen, der Junge, den sie gut findet, ist unerreichbar, und der Neue in der Klasse lässt sie nicht in Ruhe. Am liebsten wäre sie unsichtbar, aber das geht ja leider nicht. Oder doch? Plötzlich fängt Carla an, in peinlichen Situationen mit ihrer Umgebung zu verschmelzen wie ein Chamäleon. Jeder hat sich schon mal unwohl in der Schule gefühlt und wollte im Boden versinken. Zum Glück zeigt Carlas Geschichte, dass man unerwartet Freunde finden und es nach doofen Zeiten wieder bergauf gehen kann.

Franziska Gehm: “Carla Chamäleon. Oh Schreck, ich bin weg!”. Rowohlt rotfuchs; 12,99 Euro. Ab 9 Jahren.

Kinder- und Jugendbücher für mehr Selbstbewusstsein

“Wer lange ein Geheimnis mit sich herumgetragen hat, weiß, wie es sich anfühlt, es endlich loszuwerden”, schreibt Julius Thesing. Er ist schwul und hat ein Buch darüber geschrieben, wie schwierig es sein kann, seinem Umfeld davon zu erzählen. Die meisten Jungs befürchten, auf Ablehnung zu stoßen oder anders behandelt zu werden. Blöde Sprüche wie “Du siehst nicht schwul aus” oder “Wer von euch beiden ist denn die Frau?” hat der Autor immer wieder gehört. Aber so muss es nicht sein: In dem Buch geht es auch darum, wie gut es sich anfühlt, ohne Geheimnisse zu leben und man selbst sein zu dürfen.

Julius Thesing: “You Don’t Look Gay”. ­Bohem; 14,95 Euro. Ab 12 Jahren.

Es ist nicht leicht, ein Mädchen zu sein. Man muss jede Menge Erwartungen erfüllen, und viele davon sind widersprüchlich, findet Marin, Teenager und Hauptperson des Buchs “Rules for Being a Girl” – Regeln für Mädchen: “Sei witzig, aber stell dich nicht ins Rampenlicht. Iss Cheeseburger, aber werd nicht dick. Sei locker, aber behalt immer die Kontrolle. Sei locker. Sei entspannt.” Marin erlebt am eigen Leib, wie ungerecht Mädchen an ihrer Schule behandelt werden, und beschließt, dagegen anzukämpfen. Dies ist ein beeindruckendes Buch für Teenager, die Regeln hinterfragen.

Candace Bushnell und Katie Cotugno: “Rules for Being a Girl”. Dragonfly; 15 Euro. Ab 12 Jahren.

Es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass weiße Menschen klüger oder besser sind als Menschen mit anderer Hautfarbe – und trotzdem haben sie mehr Macht. Im “Buch vom Antirassismus” geht es darum, was Fremdenhass ist und was man dagegen tun kann. Das Buch ist etwas für alle jungen Menschen, unabhängig von ihrer Hautfarbe. Autorin Tiffany Jewell hat einen schwarzen Vater und eine weiße Mutter. Sie erzählt aus ihrer eigenen Schulzeit und gibt Beispiele, wo sich Ausgrenzung zeigt und wie man sich wehren kann. Verschiedene Übungen helfen dabei, in Situationen selbstbewusst zu reagieren.

Tiffany Jewell und Aurélia Durand: “Das Buch vom Antirassismus”. Zuckersüß Verlag; 24,90 Euro. Ab 10 Jahren.

Bücher für Kinder, die eigentlich nicht gern lesen

Dog Man ist halb Mensch, halb Hund und gleichzeitig Superheld. Die Comics über ihn sind superlustig und ge­hören im Moment zu den meistgelesenen Kinderbuch­reihen weltweit. Wer die Reihe noch nicht kennt, bekommt zu Beginn eine kurze Zusammenfassung, was bisher ­geschah – so kann man mit jedem Band neu einsteigen. Die Comics sind dafür bekannt, auch Lesemuffel zu begeistern. Sie bringen ­einen auf jeder Seite zum Lachen, und man ist viel schneller am Ende, als einem lieb ist.

Dav Pilkey: “Dog Man. Der Herr der Flöhe”. Adrian Verlag; 9,99 Euro. Ab 8 Jahren.

Dinah lebt in Gotham City, einer Stadt, in der es vor Superhelden und Verbrechern nur so wimmelt. Ihre Familie findet, sie soll Cheerleaderin werden oder ihrer Mutter im Blumenladen helfen. Doch die 13-jährige Dinah hat andere Pläne: Sie möchte die Polizeischule von Gotham City besuchen und Verbrechen aufklären. In der Schule merkt sie plötzlich, dass sie mithilfe ihrer Gedanken Dinge zerbrechen kann – besitzt sie also selbst Superkräfte? Ein cooler Comic, leicht zu lesen und trotzdem schlau.

Meg Cabot, Cara McGee: “Black Canary: Echt schrill!”. Panini; 12,99 Euro. Ab 8 Jahren.

Okay, du liest wirklich nicht gern, verstanden. Aber du spielst gern? Die “Explorer”-Bücher sind eine Mischung aus Abenteuer-Buch und Spiel. Die Geschichte: Der Vater des elfjährigen Lias ist bei einer Himalaja-Expedition verschwunden und hat sein Tagebuch hinterlassen. Um ihn zu finden, reist Lias nach Nepal. Dem Buch liegt das Expeditions-Tagebuch bei, und als Leser muss man helfen, Rätsel zu lösen. Dazu knackt man zum Beispiel Codes und schneidet Karten aus, erst dann kann die Geschichte weitergehen. Das ist so spannend und kurz­weilig wie ein Ausflug in den Escape-Room – nur eben in Buchform.

Björn Berenz: “Explorer Team. Das Abenteuer beginnt!”. Arena; 10 Euro. Ab 8 Jahren.

Bücher für Kinder, deren ­Eltern nerven

Fannys Vater ist etwas schräg. Er ist Erfinder (oder hält sich zumindest für einen). Für jeden Tag der Woche hat er eine bestimmte Kaffeetasse und Krawatte. Weil er für einen Job nach Japan muss, schickt er Fanny in ein kleines Dorf zu einer Tante, die sie gar nicht kennt. Nun sitzt das Mädchen auf dem Land fest, hat keine Freunde außer einem Frettchen und muss in eine neue Schule gehen. Weil Fanny keine Lust hat, mit ihrem Vater oder ihrer Tante zu reden, schreibt sie Tagebuch und kritzelt allerlei Bilder dazu. Fannys Tagebuch ist genau richtig, wenn das Leben schwierig ist, weil sich viel verändert und die Eltern das einfach nicht verstehen können.

Stéphanie Lapointe: “Fanny Cloutier. Das Jahr, in dem mein Leben einen Kopfstand machte”. Loewe; 16,95 Euro. Ab 11 Jahren.

Markus ist ein Halbvampir. Das Problem: Ausgerechnet das Mädchen, in das Markus verliebt ist, will mit ihm Vampir­jäger spielen – und hat natürlich keine Ahnung, dass Markus selbst einer ist. Das Buch ist das dritte aus der Reihe, doch man kann ohne Weiteres in die Handlung einsteigen – die Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen. Markus’ lustige Reaktionen auf nervige Eltern und schwierige Situationen sind genau das Richtige für alle, die sich manchmal unter Druck gesetzt fühlen.

Pete Johnson: “Wie man 13 wird und die Welt rettet”. arsEdition; 12 Euro. Ab 10 Jahren.

Tom wird am 11. August 11 Jahre, und wenn Datum und ­Alter übereinstimmen, wird in seiner Familie besonders aufwendig gefeiert. Aber dann passieren kurz vor dem Geburtstag lauter verrückte Katastrophen: Der Hund der Oma wird von dem Hausschwein erschlagen, das vom Garagendach fällt. Tom vergräbt den platten Hund in einem Pizzakarton im Sandkasten des Kindergartens – keine brillante Idee. Toms Eltern sind zerstreut und haben Geldsorgen, sodass Tom und seine Schwester in vielen Dingen auf sich allein gestellt sind. Auch wenn das nicht immer komisch ist, sind die Situationen sehr witzig. Eine Geschichte, in die man eintauchen und dabei alles um sich herum vergessen kann.

Jo Simmons: “Hilfe, mein Eltern haben meinen Geburtstag gestrichen!”. Schneiderbuch; 14 Euro. Ab 9 Jahren.

Bücher, mit denen man in eine andere Welt ­eintauchen kann

Piratenbücher handeln normalerweise von Jungs. Das hier nicht. Es geht um die zwölfjährige Aleja aus Spanien. Ihre Oma will sie zu einem braven Mädchen erziehen, dazu hat sie keine Lust. Sie wäre lieber Seefahrerin, hört aber immer wieder: Mädchen können keine Entdecker sein. Nachts ­spaziert sie über die Dächer von Sevilla und bemerkt ein geheimnisvolles Schiff am Hafen, von dem Frauenstimmen zu hören sind. Sie schließt sich der Crew an, die aus lauter coolen Frauen besteht, die alle unterschied­liche Talente haben. Das Buch ist wohl eine der ersten Piratinnen-Geschichten, eine gelungene Abenteuer-Geschichte mit Frauen, die sich nichts vorschreiben lassen.

Mira Kuzniar: “Aleja und die Piratinnen. Band 1: Das Schattenschiff”. Ravensburger; 14,99 Euro. Ab 10 Jahren.

Jedes Mal, wenn ein Kind ein Buch liest, geht im “Land der Geschichten” eine Blüte auf. Liane entdeckt dieses Land auf einem Globus in der Schulbücherei. Mithilfe des Globus macht sie sich auf den Weg in das Land der Bücher, um es zu retten. Denn weil immer weniger Kinder lesen, droht das Land zur Wüste zu werden. Elif Shafak ist eine bekannte türkische Schriftstellerin, die für Erwachsene und Kinder schreibt und für ihre Bücher schon viele Preise erhalten hat. Dieses Buch ist eine Geschichte über ein starkes und kluges Mädchen, das sich nicht in eine Schublade stecken lässt.

Elif Shafak: “Liane und das Land der Geschichten”. arsEdition; 12 Euro. Ab 8 Jahren.

Das Dorf, in dem Noé wohnt, ist langweilig und trostlos. Der Junge träumt davon, es zu verlassen und die Welt zu entdecken. Als ein Klanghändler in Noés Dorf kommt, darf er sich ihm auf seiner Reise anschließen. Die Reise führt ihn an aufregende Orte voller Töne, die er noch nie gehört hat. In der Geschichte haben jeder Mensch und jedes Tier, sogar Orte und Pflanzen ihren eigenen Klang. Das Buch nimmt einen mit in eine fantastische Welt voller Fantasiewesen und Wunderklänge. Fabelhaft gegen Fernweh.

Verena Petrasch: “Der Händler der Töne”. Beltz & Gelberg; 16,95 Euro. Ab 10 Jahren.

Diese Buchtipps erschienen auch im aktuellen “Dein SPIEGEL”-Heft 11/2020.

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