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Die Wahl in den USA – für Kinder erklärt

Wie unterscheiden sich die Kandidaten?

Derzeit ist Donald Trump US-Präsident – und er will das auch bleiben. Deshalb steht er zur Wiederwahl. Er will eine zweite Amtszeit, also noch mal vier Jahre regieren. Trump, 74, gehört der Republikanischen Partei an. Sein Motto: “America first” – die USA kommen zuerst. Damit es den USA seiner Meinung nach besser geht, hat Trump entschieden, dass viel weniger Menschen einwandern dürfen. Er hat Abkommen mit anderen Ländern gekündigt, etwa zum Klimaschutz. Und er hat Streit mit alten Verbündeten wie Deutschland angezettelt.

Donald Trump wird vor allem von weißen Wählern unterstützt, die es gut finden, dass sie in den ersten Jahren seiner Amtszeit mehr Geld verdient haben. Er ist gegen die “Black Lives Matter”-Bewegung. Trump ist bekannt für beleidigende Tweets, offene Lügen und seine Versuche, sich mehr Macht anzueignen, als ihm seine ohnehin schon mächtige Position erlaubt.

Trumps Rivale Joe Biden, 77, gehört der Demokratischen Partei an. Er war Vizepräsident unter Trumps Vorgänger Barack Obama, dem ersten schwarzen US-Präsidenten. Davor saß Biden 36 Jahre lang im Senat. Dieser bildet mit dem Repräsentantenhaus zusammen den Kongress: Dort werden in den USA die Gesetze gemacht.

Joe Biden hat also viel politische Erfahrung. Er will meist das Gegenteil von Trump: Er verspricht, die Beziehungen zu anderen Staaten zu verbessern, Einwanderer und Minderheiten besser zu behandeln und die Gesetze zum Klima- und Umweltschutz wiederherzustellen, die Trump abgeschafft hat. Biden sucht das Gespräch und die Versöhnung zwischen den entgegengesetzten Meinungen im Land, während Trump diese nur noch weiter spaltet.



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Am 3. November wird auch ein neuer Kongress gewählt. Was bedeutet das?

Der US-amerikanische Kongress ist sehr wichtig. Die Mitglieder treffen Entscheidungen über Gesetze und haben zudem die Aufgabe, die Arbeit des Präsidenten zu kontrollieren. Der Kongress besteht aus zwei Teilen: dem Senat und dem Repräsentantenhaus. Am 3. November dürfen die US-amerikanischen Bürger wählen, welche Abgeordneten sie dort vertreten sollen. Im Repräsentantenhaus haben die Demokraten derzeit die Mehrheit – das ist die Partei, der Joe Biden angehört. Die Demokraten hoffen, dass ihre Mehrheit nach der Wahl noch größer sein wird.

Im US-Senat ist Trumps Partei, die Republikanische, im Moment noch stärker. Sollten die Demokraten nach der Wahl auch im Senat eine Mehrheit bekommen, würden sie beide Teile des Kongresses beherrschen. Das heißt, dass sie dann erheblichen Einfluss darauf hätten, welche Gesetze gemacht würden – egal wer Präsident wird.

Wie funktioniert die Wahl?

Die USA haben ein ziemlich kompliziertes Wahlsystem. Die Wähler entscheiden bei der Wahl über die sogenannten Wahlleute: Leute, die ihren Bundesstaat vertreten sollen und die dann später den Präsidenten wählen. Je größer ein Staat ist, desto mehr Wahlleute sitzen für ihn in der Versammlung, die den Präsidenten wählt: dem “Electoral College”. Jeder Bundesstaat wird einzeln ausgezählt. In der Regel gilt das Prinzip “The winner takes it all”, der Gewinner bekommt alles. Wer in einem Staat gewinnt, bekommt alle Wahlleute dieses Staates zugeteilt – selbst wenn er nur ganz knapp gewinnt.

Präsident der USA wird dann der Kandidat, für den die meisten Wahlleute stimmen. Wegen dieser Regel kann es passieren, dass ein Präsidentschaftskandidat in der landesweiten Summe die meisten Wählerstimmen bekommt, aber trotzdem nicht Präsident wird. So war das bei der vorigen Wahl vor vier Jahren. Damals traten Hillary Clinton und Donald Trump gegeneinander an. Clinton bekam rund drei Millionen Stimmen mehr als Trump. Dessen Stimmen waren aber so über die Staaten verteilt, dass er im “Electoral College” die meisten Wahlleute auf sich vereinen konnte. Damit wurde er Präsident, obwohl ihn weniger Menschen gewählt hatten als Clinton.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Wahl aus?

Die Pandemie hat den Wahlkampf abgewürgt. Wegen der Ansteckungsgefahr führen Trump und Biden seit Monaten keinen klassischen Wahlkampf mehr. Normalerweise gibt es große Veranstaltungen, wegen Corona läuft der Wahlkampf nun hauptsächlich im Internet ab. Trump nutzt außerdem seine offiziellen Termine als Präsident dafür. Ende September fand das erste von mehreren geplanten TV-Duellen zwischen Trump und Biden statt. Das zweite Duell wurde dann aber abgesagt, weil Trump sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte. Er verbrachte drei Tage im Krankenhaus. Doch schon bald kehrte er ins Weiße Haus zurück und sagte, er sei geheilt. Gesundheitsexperten und die Demokraten zweifelten diese schnelle Heilung an.

Die Pandemie wird auch die eigentliche Wahl schwer beeinflussen. Am 3. November werden sich wahrscheinlich Millionen Wähler aus Angst vor Covid-19 nicht in die Wahllokale trauen und lieber per Briefwahl abstimmen. Diese Briefe können sie in manchen US-Staaten schon ab September verschicken, doch ausgezählt werden sie erst ab dem 3. November. Ob die sowieso langsame US-Post einem solchen Ansturm an Extra-Briefen gewachsen ist, weiß keiner. Es kann sogar sein, dass es Wochen dauert, bis alle Stimmen ausgezählt sind und der Gewinner feststeht.

Warum ist es für die ganze Welt so entscheidend, wer in den USA Präsident wird?

Die Wahl des US-Präsidenten hat Konsequenzen für die ganze Welt. Die USA sind das wichtigste und stärkste Land der Erde, deshalb nennen sie sich auch Supermacht. Sie sind derzeit die größte Wirtschaftskraft, haben das modernste Militär und sind die größte Nuklearmacht mit den meisten Atomwaffen. Da könnte es eines Tages lebenswichtig sein, wer am Drücker sitzt: jemand, dem es wichtig ist, mit anderen Ländern friedlich zusammenzuarbeiten, oder jemand, der Unfrieden stiftet.

Auch die Frage, wer Vizepräsident wird, ist wichtig. Warum?

Sollte Joe Biden gewählt werden, wäre er mit dann 78 Jahren der älteste Präsident in der Geschichte der USA. Daran ist nichts Schlimmes. Aber wenn jemand so alt ist, kann er eher krank werden und hat vielleicht auch weniger Energie als ein jüngerer Mensch. Manche Amerikaner glauben, dass er seine Amtszeit vielleicht gar nicht durchhält. Deshalb ist es so wichtig, wen er als Stellvertreterin ausgewählt hat: Kamala Harris, 55, ist die Kandidatin der Demokraten fürs Amt der Vizepräsidentin. Sie würde Joe Bidens Amt übernehmen, wenn er krank wird oder stirbt.

Guckt man sich die Liste der bisherigen Vizepräsidenten an, sieht man, was so besonders an dieser Kandidatin ist: Kamala Harris wäre die erste Frau und die erste “Person of Color” in diesem Amt, also der erste Mensch, der nicht weiß ist. Ihr Vater stammt aus Jamaika, ihre Mutter aus Indien, beide sind vor Harris’ Geburt in die USA eingewandert. Harris hat als Staatsanwältin gearbeitet und bringt viel politische Erfahrung mit. Joe Biden twitterte über sie, sie sei eine furchtlose Kämpferin für die kleinen Leute und eine der besten öffentlichen Bediensteten des Landes.

Dieser Artikel erschien in “Dein SPIEGEL” 10/2020.

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