Spiegel

Elke Heidenreich stellt “Lohengrin” von Richard Wagner vor

Elke Heidenreich:

Jetzt auf der Buchmesse erscheinen ja wieder viele neue Geschichten. Ich habe heute für Sie eine ganz alte Geschichte, aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts: “Lohengrin”. Bei “Beck” ist ein wunderbares Buch herausgekommen, über die Lohengrin-Inszenierung von Yuval Sharon, 2018 in Bayreuth. Christian Thielemann hat dirigiert, und die sächsischen Künstler Neo Rauch und seine Frau Rosa Loy haben das Bühnenbild und die Kostüme gemacht. Ich zeige Ihnen das einmal: In tiefem Blau, auch die Kostüme, ganz romantisch, alles dunkelblau. Nietzsche hat gesagt: “Im Lohengrin gibt es viel blaue Musik. Wagner kennt die opiatischen und narkotischen Wirkungen.

Der “Lohengrin” wurde 1850 im August in Weimar uraufgeführt. Franz Liszt hat damals dirigiert. Wagner selbst war nicht dabei, denn er hatte 1849 in Dresden als Revolutionär an den Aufständen teilgenommen. Er hat Flugblätter verteilt und Handgranaten geschmuggelt und er wurde steckbrieflich gesucht. Er hat erst Jahre später seinen “Lohengrin” selber sehen können. In Bayreuth hat man sich also an dieses Nietzsche-Zitat gehalten und hat die beiden Künstler, Loy und Rauch, ein wunderbares, sehr romantisches Bühnenbild herstellen lassen. Und Christian Thielemann ist für mich der weltbeste Wagner-Dirigent. Sicher nicht nur für mich. Er der hat diese Oper dort, zum ersten Mal seltsamerweise, in Bayreuth dirigiert, wo er den Ring schon oft dirigiert hat. Und dieses Buch enthält nun die ganze Lohengrin-Geschichte, also das Libretto.

Die Kostüme und die Bilder von Loy und Rauch, Moment, ich zeige Ihnen mal Elsa und die böse Ortrud. So sehen sie da aus, eigentlich wie nette kleine Mädchen. Und das wurde dort aufgeführt, mit großem Erfolg. In dem Buch ist ein sehr schöner, leidenschaftlicher Aufsatz zum “Lohengrin” von Christian Thielemann. Der sagt: “Ich bekomme immer noch Wonneschauer, wenn ich das dirigiere, denn diese Oper ist Klang gewordene Erotik”. Und das spürt man in dieser ganzen Geschichte, die davon handelt, dass Elsa von Brabant angeklagt wird, ihrem kleinen Bruder Gottfried ermordet zu haben, den Thronfolger. Und dann kommt der Ritter Lohengrin, befreit sie aus dieser misslichen Lage und bezeugt, dass sie unschuldig ist. Sie darf ihn nicht fragen, wie er heißt. Nur wir wissen, dass es der Ritter Lohengrin ist. Und wie wir wissen, Ortrud stichelt sie auf und sagt: “Wie kannst du einen heiraten, wo du nicht mal weißt, wo der herkommt und wie der heißt?”. Und schließlich fragt sie ihn, und dann sagt er: “Ach Elsa, nun ist all unser Glück dahin.” Er ist der Gralsritter, Sohn von Parzival. Er muss nun wieder zurückziehen. Und siehe da, der Schwan verwandelt sich in Gottfriedchen. Gottfried ist nicht tot, er war von der bösen Ortrud verhext in einen Schwan und alles ist wieder gut. Aber der Ritter ist weg. Das Glück ist dahin, und man fragt sich, wie kommt er den weg, denn der Schwan hat ihn ja hergebracht weg. Er kommt weg, indem sein Kahn von einer Taube gezogen wird.

Wir sind halt in einem Märchen. Aber in einem wunderbaren. Und dieses schöne Buch sollten Sie als Weihnachtsgeschenk vormerken. Richard Wagners “Lohengrin”, komplettes Libretto, Bilder von Rosa Loy und Neo Rauch und eine leidenschaftliche Einführung von Christian Thielemann. Das ist doch mal was.