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Elternzeit: Darf der Chef Sie danach kündigen?




Paare nutzen immer häufiger die Elternzeit - und nehmen staatliche Unterstützung in Anspruch


Paare nutzen immer häufiger die Elternzeit – und nehmen staatliche Unterstützung in Anspruch


Foto: Getty Images/Maskot

Erwarten Eltern ein Kind, können beide Elternzeit nehmen. Das geht, bis der Nachwuchs das dritte Lebensjahr vollendet hat. Bis zu 24 Monate der Elternzeit können auch noch zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes genommen werden. Die Elternzeit können beide Partner aufteilen oder einseitig nutzen.

Nach der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2006 nahmen diese Leistung zunächst vor allem Mütter in Anspruch. Inzwischen geht bereits mehr als jeder dritte Vater in Elternzeit, so der jüngste Väterreport des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2018.

Ob und wie stark eine Elternzeit der Karriere schadet, dazu gibt es hierzulande kaum valide Zahlen. Aber darf die Chefin oder der Chef Ihnen nach der Elternzeit überhaupt eine schlechtere Position anbieten? Und kann Ihnen die Firma nach der Elternzeit einfach kündigen?

“Grundsätzlich ist es so, dass das Arbeitsverhältnis wieder so aufleben soll, wie es vor der Elternzeit Bestand hatte”, sagt der Lüneburger Arbeitsrechtler, Hendrik A. Könemann. Der Arbeitsplatz des Mitarbeitenden sollte während der Elternzeit also freigehalten werden. In der Praxis jedoch sei das häufig ein großes Problem, sagt der Jurist.

Abteilungen und Posten verändern sich während der Abwesenheit. “Der Arbeitgeber muss auch dann einen gleichwertigen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen”, sagt Könemann. Wer als Abteilungsleiterin geht und als Sachbearbeiterin zurückkehren soll, wurde formell schlechter gestellt. “Das darf nicht sein”, so der Fachanwalt.

Gekündigt werden in der Elternzeit? Fast unmöglich

Während der Elternzeit darf der Arbeitgeber nur unter sehr speziellen Ausnahmen kündigen. Etwa, wenn der Betrieb stillgelegt wird oder bei Gründen, die auch sonst zu einer verhaltensbedingten Kündigung führen würden – Diebstahl etwa. Eine Kündigung während der Elternzeit muss auch von der zuständigen Landesbehörde abgesegnet werden (§ 18, Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit).

Was Chefin oder Chef nicht dürfen: Mitarbeitende ab dem Zeitpunkt zu kündigen, an dem die Elternzeit angemeldet wird oder während sie läuft.

Der oder die Mitarbeitende dagegen darf jederzeit kündigen – auch in der Elternzeit. Das muss er oder sie nicht extra begründen. Wer zum Ende der Elternzeit kündigt, muss aber eine Frist von drei Monaten zum Monatsende einhalten.

Aber Vorsicht: Die Agentur für Arbeit kann eine mehrwöchige Sperrzeit vom Arbeitslosengeld verhängen, wenn man während der Elternzeit kündigt. Solch eine Sperrzeit droht dann, wenn die Notwendigkeit der Entscheidung nicht ausreichend belegt wird. Dafür braucht man schon einen triftigen Grund; etwa die Aussicht auf eine neue Stelle oder die Pflege von Familienangehörigen.

Zahl der Elterngeld-Empfänger steigt

Von der Familienkasse gibt es Elterngeld für Mütter und Väter, die ihre Kinder nach der Geburt selbst betreuen und nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten. “Das Arbeitsverhältnis pausiert in dieser Zeit ”, sagt Könemann. 

Elterngeld

Rund 1,9 Millionen Frauen und Männer in Deutschland haben im Jahr 2019 Elterngeld bekommen. Das sind zwei Prozent mehr als 2018. Wie viel Elterngeld ein Paar erhält, bemisst sich nach dem Nettomonatseinkommen der vergangenen zwölf Monate vor der Geburt des Kindes. Das Elterngeld beträgt dann zwischen 65 und 100 Prozent des Gehalts und liegt zwischen 300 bis maximal 1800 Euro. Ein Beispiel: Haben Sie 2019 ihr erstes Kind bekommen, arbeiten nicht selbstständig und verdienen 2500 Euro brutto monatlich, würden Sie momentan 1007,34 Euro Elterngeld im Monat erhalten. (flg)

Elterngeld gibt es für bis zu zwölf Monate, für Alleinerziehende bis zu 14 Monate. Es gibt verschiedene Modelle. Welches für Sie am besten passt, können Sie hier vergleichen:

Diese Elterngeld-Modelle gibt es

Elterngeld kann ab Geburt des Kindes und rückwirkend bis zu drei Monate beantragt werden, die Elternzeit muss man spätestens sieben Wochen vor dem geplanten Beginn in der Firma anmelden.

Nach der Elternzeit kein Kündigungsschutz

Mit Ablauf der Elternzeit gelten die üblichen Bedingungen für die Kündigung eines Arbeitsvertrages. “Ist die Elternzeit vorbei, gilt auch der Kündigungsschutz nicht mehr” sagt Arbeitsrechtler Könemann.

Er rät, offen mit der Chefin oder dem Chef zu reden: “Je mehr Sie mit Ihrem Arbeitgeber sprechen, desto klarer kann er sich auch über Ihre Wünsche Gedanken machen und wird davon nicht überfallen.”

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