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Erst im nächsten Sommer: Das lange Warten auf den Impfstoff


Erst im nächsten Sommer
:
Das lange Warten auf den Impfstoff



Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (M) und Forschungsministerin Anja Karliczek (2.v.r, beide CDU) hören Klaus Cichutek (l), Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, der Bundesbehörde für Impfstoffe zu.
Foto: dpa/Markus Schreiber

Meinung Berlin Wahrscheinlich wird ein Impfstoff für die breite Bevölkerung erst im kommenden Sommer zur Verfügung stehen. Mit Disziplin und Flexibilität bei den Schutzmaßnahmen gibt es aber gute Chancen, das Infektionsgeschehen im Griff zu halten.

Vom Auftritt der Bundesminister für Gesundheit und Forschung ging am Dienstag das Signal aus: Wir tun was, Ihr müsst Euch aber noch gedulden. Eine gute Nachricht ist das nicht gerade: Ein Impfstoff, der gegen das Corona-Virus wirkt, wird wahrscheinlich erst Mitte nächsten Jahres für die breites Bevölkerung zugänglich sein.

Schaut man darauf, wie lange die Entwicklung von Impfstoffen üblicherweise dauert, wäre Mitte nächsten Jahres sensationell schnell. Mit Blick auf die Einschränkungen von Bildung, Wirtschaft, Kultur und Privatleben ist die Durststrecke aber noch schmerzhaft lang.

Bis ein Impfstoff tatsächlich verfügbar ist, heißt es also: Durchhalten. Mit einem Mix aus Flexibilität und Vorsicht hat Deutschland gute Chancen, das Infektionsgeschehen weiter im Griff zu halten. Aktuell liegt der sogenannte R-Wert bei rund 1, was bedeutet, dass im Durchschnitt ein Infizierter eine weitere Person ansteckt. Das Infektionsgeschehen ist also kritisch, aber keineswegs dramatisch. Es gelingt mit der Erfahrung des vergangenen halben Jahres immer besser, einmal entstandene Infektionsketten zu unterbrechen. Selbst einen weiteren Schub im Herbst könnte das Gesundheitswesen verkraften.

Einen Anlass, bei den Schutzmaßnahmen nachzulassen, gibt es aber nicht. Im Gegenteil: Wahrscheinlich wird es im Herbst und Winter noch dringlicher für Masken, Abstand und Zurückhaltung bei privaten Treffen zu werben. Auch strengere Kontrollen der Maskenpflicht in Bus und Bahnen, in öffentlichen Gebäuden und in Supermärkten dürfte notwendig werden.

Bundesregierung und Länder werden im Herbst, wenn man für geselliges Beisammensein nicht mehr nach draußen ausweichen kann und die Müdigkeit im Umgang mit Corona-Maßnahmen weiter zunimmt, auch wieder mehr erklären und aufklären müssen. Deutschland wird nur dann weiter gut durch die Pandemie kommen, wenn die Zustimmungswerte zu den Vorgaben der Bundesregierung so hoch bleiben, wie sie bis zum Sommer waren. Denn Masken, Abstand und Hygiene funktionieren nur, wenn ein Großteil der Bevölkerung aus Einsicht in die Notwendigkeit die Vorsichtsmaßnahmen beherzigt.

Zudem wäre auch hilfreich, wenn die Länder zu einheitlichen Maßnahmen kämen. Wobei einheitlich nicht bedeutet, dass zwangsläufig im von Corona wenig betroffenen Osten die gleichen Regeln gelten müssen wie beispielsweise in Bayern, wo die Infektionszahlen aktuell am höchsten sind. Es wäre aber sinnvoll, wenn sich die Länder zum Beispiel einigen könnten, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn die Infektionszahlen den kritischen Wert von 50 pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen übersteigen.