Spiegel

Feuerhistoriker über Waldbrände in den USA: “Kalifornien muss brennen”

SPIEGEL: Herr Pyne, der Himmel über Kalifornien ist orange, ein Heer aus fast 20.000 Einsatzkräften kämpft seit Wochen gegen Brände an, die bereits mehr als eine Million Hektar verwüstet und über 6000 Häuser zerstört haben. Wie konnte das passieren?

Pyne: Kalifornien muss einfach brennen, geografisch gesehen ist es eine Feuerlandschaft. Dann wurde sie besiedelt und von den Feuerwehren beschützt. Aber in Zukunft schaffen wir das nicht mehr.

SPIEGEL: Wegen des Klimawandels?

Pyne: Der Klimawandel ist ein Faktor neben vielen anderen, er wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Seit vier Jahren erleben wir jeden Sommer wieder riesige Brände, das ist schon auffällig. Auch früher gab es immer wieder eine schlimme Feuersaison, aber dann war meist fünf oder zehn Jahre lang Ruhe.

SPIEGEL: Hoffen Sie auf den Herbst?

Pyne: Nein, die trockenen Fallwinde erhöhen das Brandrisiko, und die herbstliche Windsaison beginnt ja gerade erst. Bis Jahresende könnten sich die Schäden noch verdoppeln.

SPIEGEL: Auch ohne Klimawandel würde es in Kalifornien genauso heftig brennen, schreibt der dänische Wirtschaftswissenschaftler Bjørn Lomborg, schon vor mehr als hundert Jahren hätten dort viel größere Brände getobt.