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Formel 1 in Mugello: 1000. Rennen für Ferrari auf einer untauglichen Strecke




Carlos Sainz (l.) und Kevin Magnussen steigen unverletzt aus ihren Rennwagen


Carlos Sainz (l.) und Kevin Magnussen steigen unverletzt aus ihren Rennwagen


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Steven Tee / imago images/Motorsport Images


Mugello – einmal und nie wieder: Unfall-Chaos, verrücktes Rennen, nur zwölf Autos im Ziel – der Große Preis der Toskana war vieles, aber bestimmt nicht langweilig. Das ist wichtig für die Formel 1, die seit Jahren mit der Dominanz von Mercedes und eintönigen Rennen leben muss. Trotzdem war dieser Grand Prix keine Werbung für den Sport. Die Strecke in Mugello – als besondere Geste für Ferrari nachträglich in den Kalender aufgenommen – ist zu eng, bietet zu wenig Auslaufzonen und ist deshalb zu gefährlich für die Formel 1. Dank der guten Sicherheitskonzepte in der Formel 1 verletzte sich bei den drei aufsehenerregenden Unfällen kein Fahrer.

Das Rennergebnis: Lewis Hamilton gewann das neunte Saisonrennen vor Valtteri Bottas und Alex Albon. Hier lesen Sie den Rennbericht.

Nimm Platz: Auf dem Autodromo Internazionale del Mugello finden Läufe der Motorrad-WM statt, die DTM war auch schon zu Gast. Vor dem ersten Formel-1-Rennen in der Geschichte der Strecke warnten Experten wegen der breiten Autos und dem geringen Platz vor der ersten Kurve. Tatsächlich dauerte es nur wenige Sekunden, ehe Max Verstappen und Pierre Gasly im Kiesbett landeten. Beim ersten Neustart verzögerte der zu diesem Zeitpunkt Führende Bottas das Tempo so stark, dass den Fahrern im Mittelfeld erneut der Platz fehlte. Diesmal waren gleich vier Piloten betroffen: Carlos Sainz, Antonio Giovinazzi, Kevin Magnussen und Nicholas Latifi.



Neustart in der siebten Runde, vier Autos sind in den folgenden Unfall verwickelt

Neustart in der siebten Runde, vier Autos sind in den folgenden Unfall verwickelt


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Steven Tee / imago images/Motorsport Images


Der Weltmeister wieder auf Kurs: Hamilton hatte das Glück, sich an der Spitze aus diesen brenzligen Situationen raushalten zu können. Für den WM-Favoriten war es das 42. Rennen in Folge, in dem er im Ziel ankam. Damit schnappte sich der Brite den nächsten Formel-1-Rekord, bisher hielt Nick Heidfeld mit 41 Zielankünften in Folge zwischen 2007 und 2009 die Bestmarke. Nachdem Hamilton in Monza vor einer Woche nur den siebten Rang belegt hatte, feierte er in Mugello den sechsten Saisonsieg. In dieser Form ist es nur eine Frage der Zeit, wann er sich den siebten WM-Titel sichert.

Red Bull braucht ein Systemupdate: Es ist gerade mal drei Wochen her, da sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko, “Max Verstappen kann noch Weltmeister werden”. Schon zum Zeitpunkt der Aussage klang das wie das berühmte Pfeifen im Walde. Nun hat Verstappen zweimal in Folge nicht die Zielflagge gesehen, in Mugello deutete sich das schon vor dem Start an. Rund um das Auto war hektische Betriebsamkeit zu beobachten, Red Bull veröffentlichte “Software-Probleme”. Die sorgten dann für einen dramatischen Leistungsverlust, Verstappen wurde nach dem Start ins Mittelfeld durchgereicht, ehe er von Monza-Sieger Gasly von der Strecke geschoben wurde.



Bernd Mayländer führte das Feld im roten Safety Car an

Bernd Mayländer führte das Feld im roten Safety Car an


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Bryn Lennon/Pool/EPA-EFE/Shutterstock


Rot, rot, rot sind alle deine Autos: Mugello wurde als Standort ausgewählt, weil auf vielen Rennstrecken wegen der Corona-Pandemie nicht gefahren werden kann – und weil für Ferrari das 1000. Formel-1-Rennen anstand. Wenn man das Sportliche außen vorlässt, wurde es tatsächlich ein rotes Wochenende. Ferrari trat mit einer dunkleren Lackierung an, als Erinnerung an die frühen Formel-1-Zeiten. Mick Schumacher durfte vor dem Rennen im 2004er-Ferrari seines Vaters Michael ein paar Runden drehen. Und nach den Unfällen wurde das Feld von einem roten Safety Car angeführt. So ehrte Mercedes den großen Rivalen.

Reifenschaden bei 270 Stundenkilometern: Sebastian Vettel fährt in der kommenden Saison für Racing-Point-Nachfolger Aston Martin. Sein Teamkollege wird dann Lance Stroll heißen. Der Kanadier, in seiner Anfangsphase in der Formel 1 als Crashkid verschrien, hat bereits 57 WM-Punkte eingefahren. In Mugello wären einige dazugekommen, wenn er in der 44. Runde nicht in einem Reifenstapel gelandet wäre. Grund war ein Reifenschaden. Als Stroll ausgestiegen war, fing sein Bolide auch noch Feuer. Es folgte die zweite Unterbrechung.

Und Ferrari? Es war das erwartet schwere Rennen für die Scuderia. Charles Leclerc war von Platz fünf aus ins Rennen gegangen, lag zwischenzeitlich auf Rang drei – und wurde dann innerhalb weniger Runden durchgereicht. Vettel kämpfte meist kurz vor dem Ende des Feldes um einen WM-Punkt und holte ihn am Ende auch. Mehr ist für den krisengeplagten Rennstall derzeit nicht möglich – auch im Heimrennen nicht.

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