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Griechenland: Örtliche Behörden behindern offenbar ausländische Flüchtlingshilfe




Katastrophale Bedingungen: Im Auftrag der Bundesregierung wollte das Technische Hilfswerk die Wasserversorgung in einem Flüchtlingscamp auf den griechischen Inseln verbessern


Katastrophale Bedingungen: Im Auftrag der Bundesregierung wollte das Technische Hilfswerk die Wasserversorgung in einem Flüchtlingscamp auf den griechischen Inseln verbessern


Foto: ARIS MESSINIS/ AFP

Nach dem verheerenden Feuer im Flüchtlingslager Moria ist die Debatte über die Lage der Migranten auf den griechischen Inseln wieder auf die Agenda gerückt. Doch bereits vor der Brandkatastrophe war die Situation dramatisch – nicht nur auf der griechischen Insel Lesbos, wo sich das nun fast vollständig zerstörte Lager Moria befindet. Auch auf anderen Ägäis-Inseln leben Flüchtlinge unter katastrophalen Bedingungen. Ausländische Hilfe für wird einem Medienbericht zufolge erheblich durch örtliche Behörden erschwert.

Wie die “Welt am Sonntag” berichtet, sei im März wegen “politischer Probleme” ein Projekt des Technischen Hilfswerks (THW) gescheitert. Im Auftrag der Bundesregierung sollte demnach die Wasserversorgung auf Ägäis-Insel Samos verbessert werden.

Im THW-Bericht an das Bundesinnenministerium hieß es zum Scheitern des Vorhabens: “Die vordergründig technischen Probleme (nicht ausreichend Wasser im neuen Camp) entpuppen sich bei näherer Betrachtung als politisches Problem (zum Beispiel Abklemmen der Hauptwasserleitung zum neuen Camp) und können daher auch nicht technisch, sondern nur politisch gelöst werden.” Laut dem THW wurde die Hauptwasserleitung zum Flüchtlingslager durch eine Gemeindeverwaltung aufgrund von Protesten der Bevölkerung abgeklemmt.

Zudem habe es Hinweise auf einen Brunnen in der Nähe gegeben, den das THW aber nicht auffinden konnte, weil den Inselverwaltungen “dessen genaue Lage angeblich unbekannt ist”. Auch seien die Möglichkeiten aus den Infrastrukturprojekten der EU nicht ausreichend genutzt worden. Von zur Verfügung gestellten 310 Millionen Euro seien nur 70 Millionen abgeflossen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf den THW-Bericht.

Für das bis heute nicht umgesetzte Wasserprojekt auf Samos war ein Finanzierungsbetrag von bis zu 500.000 Euro vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Aussicht gestellt worden.

Auf den ägäischen Inseln Leros, Samos, Lesbos, Kos und Chios leben über 25.000 Menschen in völlig überfüllten Lagern. Bei Bränden am Dienstag und Mittwoch war das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos fast völlig zerstört worden. Nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) wurden 11.500 Menschen obdachlos, darunter 4000 Kinder.

Viele der Flüchtlinge wollen nicht länger auf Lesbos bleiben, sondern vor allem nach Deutschland. Hier wird weiter über die Aufnahme von obdachlosen Flüchtlingen aus Moria diskutiert. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Freitag die Unterbringung von bis zu 150 Minderjährigen aus dem Lager angekündigt.

Er sagte jedoch auch, das Wichtigste sei die Hilfe vor Ort. Griechenland habe dazu eine Bedarfsliste erstellt. In Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen wolle man sicherstellen, dass möglichst viele Punkte davon erfüllt werden können.

300 Migranten ziehen in neues Zeltlager

Mittlerweile haben etwa 300 Migranten auf Lesbos ein neues Zeltlager bezogen. Bei den meisten handelt es sich um Familien, wie der staatliche griechische Rundfunk ERT am Sonntag berichtete. Vor ihrer Aufnahme ins neue Lager mussten alle einen Coronavirus-Schnelltest machen. Dabei sei bei sieben Flüchtlingen das Virus entdeckt worden, berichtete der Sender unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Alle sieben seien zur Isolation in einen abgelegenen Teil des Zeltlagers von Kara Tepe gebracht worden.

Die Lage auf der Insel war auch am Sonntag höchst angespannt. Mehrere Tausende Migranten harren auf den Straßen aus. Es könnte Wochen dauern, bis nach dem Brand am vergangenen Mittwoch alle Menschen wieder ein Dach über dem Kopf bekommen. Die Behörden suchen nach weiteren Orten, wo Zeltlager eingerichtet werden können.

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