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Gymnasium Brunsbüttel: Wie kamen die Nazisprüche in die Abizeitung?

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Das Einfamilienhaus am Rande der Kleinstadt Brunsbüttel ist hell und aufgeräumt. Aber im Leben der Mutter ist nichts mehr hell und aufgeräumt. Sie hat sich ans Ende des Esszimmertischs gesetzt, ungeschminkt, die Haare unfrisiert, dunkle Ringe unter den Augen. Ihr Sohn, 20 Jahre alt, der hoch aufgeschossene Kerl, für den die Mädchen schwärmen, dieser Sohn soll Sätze gesagt haben, die sich nicht mehr ausradieren lassen. Die Abizeitung seines Jahrgangs zitiert ihn mit: “Mir sind die Flüchtlinge nicht wichtig. Die können verbrannt werden zur Energiegewinnung.”

Die Wucht dieser Aussagen lässt sie stammeln. “Wir doch nicht …” Pause. “Wir sind doch alles andere als rechts … ” Pause. Ihr Sohn habe ein lockeres Mundwerk, ja. “Aber das hat er nicht gesagt!” Ob man eigentlich ahne, wie es ihm gehe? Zehn Kilo verloren, ein Schatten seiner selbst. “Wir kämpfen um unseren Ruf”, sagt die Mutter.

Den Spruch soll der Sohn in Klasse 12 gemacht haben, und angeblich war es nicht sein einziger. Ein Jahr zuvor soll er empfohlen haben, nach dem Ende des “Flüchtlingswahns” mit “großen Netzen” durchs Mittelmeer zu fahren, um die Ertrunkenen zu zählen. Und als ein Lehrer fragte: “Wo taucht gesellschaftlicher Zusammenhalt in der Geschichte auf?”, soll er gerufen haben: “Im Zweiten Weltkrieg!”. Begründung: “Alle gegen die Juden.” Auch das sind Zitate, die in der Abizeitung stehen. Im Religionsunterricht habe er zum Melden seinen linken Arm so ausgestreckt, dass die Lehrerin entgegnete: “So meldest du dich besser nicht hier.”