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Immobilienexperten erwarten steigende Preise für Häuser und Wohnungen




Fertigteilhäuser in Sachsen:


Fertigteilhäuser in Sachsen: “Trendbrüche lassen sich nicht erkennen”


Foto: Jan Woitas / picture alliance/dpa

Die sogenannten Immobilienweisen erwarten trotz der Coronakrise weiter steigende Preise für Häuser und Wohnungen. “Bleibt ein weiterer Lockdown aus, dürfte der Wohnungsmarkt ungeschoren davonkommen und die Trends einfach weiterlaufen”, heißt es im Gutachten der Experten im Auftrag des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), das am Montag vorgestellt wurde.

Bisher ist der deutsche Wohnimmobilienmarkt erstaunlich gut durch die Coronakrise gekommen. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen und für Ein- und Zweifamilienhäuser sind weiter gestiegen. Die Mieten stagnierten im Bundesdurchschnitt, während sie in den meisten Metropolen weiter zulegten. All das war auch schon vor der Krise so. “Trendbrüche lassen sich durch Corona nicht erkennen”, sagt Harald Simons vom Forschungsinstitut Empirica, der den Wohnimmobilienteil des Gutachtens verfasst hat.

Staatliche Unterstützung wie das Kurzarbeitergeld, aber auch Liquiditätshilfen für Selbstständige und private Reserven kompensierten demnach bislang die Einkommenseinbußen vieler Menschen. Mietrückstände seien deshalb weitestgehend ausgeblieben, auch ein sprunghafter Anstieg von Zwangsversteigerungen von Privatimmobilien zeige sich bislang nicht.

Deutlich zurück gingen die Mietpreise laut Gutachten lediglich in Berlin, dort verlangten Vermieter im Durchschnitt 5,7 Prozent weniger Miete als noch vor einem Jahr. Der Trend hat aber wohl nichts mit Corona zu tun, bereits seit 2018 sinken in der Hauptstadt die Mieten.

Berliner Mieter hatten laut der Untersuchung zuletzt aber noch weniger Auswahl. In den vergangenen Monaten habe sich die Zahl der angebotenen Wohnungen von 11.000 auf 5400 im zweiten Quartal 2020 halbiert. “Es ist nicht Corona, was wir da sehen, das ist der Mietendeckel”, sagte Simons. In anderen Städten sei das Angebot gleich geblieben. Ende vergangenen Jahres hatte der rot-rot-grüne Berliner Senat beschlossen, Obergrenzen für Mieten für die kommenden fünf Jahre festzusetzen. Der Mietendeckel gilt für rund 1,5 Millionen Mietwohnungen, etwa 90 Prozent des Bestands in der Hauptstadt.

Renaissance der Speckgürtel?

Auswirkungen dürfte die Coronakrise dagegen auf Einfamilienhäuser abseits der Großstadtzentren haben: Dort dürften die Preise künftig nämlich besonders stark steigen. Das Umland der Städte, aber auch ländliche Räume mit entsprechender Anbindung an die wirtschaftsstarken Regionen könnten an Bedeutung gewinnen, heißt es in dem Gutachten. “Wenn ich Homeoffice und mobiles Arbeiten habe, spielen Pendeldistanzen nicht mehr so eine große Rolle”, sagt die Geografin Carolin Wandzik. Sie gehe davon aus, dass die Zuwanderung in die Metropolen ihren Höhepunkt überschritten habe. Der Leiter des EHI Retail Institute, Michael Gerling, sagt, er erwarte “eine gewisse Renaissance der Speckgürtel um die Städte”.

Schwer getroffen von der Coronakrise ist hingegen der Markt für Gewerbeimmobilien. Vermieter von Läden, Hotels und Gaststätten mussten während des Lockdowns im Frühjahr erhebliche Einbußen hinnehmen. “Es wird Zahnlücken in den deutschen Fußgängerzonen und Handelszentren geben – das ganze Ausmaß werden wir erst im Laufe des kommenden Jahres spüren”, sagt Andreas Mattner, Präsident des ZIA. Die Lücken in den Fußgängerzonen zu füllen sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

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