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Iran bestellt deutschen Botschafter nach Kritik an Hinrichtung von Navid Afkari ein




Hans-Udo Muzel (Archiv), heute Botschafter in Iran


Hans-Udo Muzel (Archiv), heute Botschafter in Iran


Foto: MIS / imago/MIS

Die Rede ist von einer “Einmischung in die inneren Angelegenheiten” Irans: Die Regierung in Teheran hat den neuen deutschen Botschafter in dem Land einbestellt. Hans-Udo Muzel hatte die Hinrichtung des Ringer Navid Afkari via Twitter kritisiert. Das iranische Außenministerium habe nun die Äußerungen des Diplomaten “auf das Schärfste verurteilt”, hieß es in einer Mitteilung.

Der 27-jährige Ringer Afkari war am Samstag trotz internationaler Solidaritätskampagnen hingerichtet worden. Er soll bei einer Demonstration im August 2018 gegen die wirtschaftliche und politische Lage einen Beamten erstochen haben. Der Ringer hatte die Tat nach Angaben der Justiz gestanden, nach Informationen von Menschenrechtsorganisationen wurde das Geständnis aber unter Folter erzwungen.

Nach seiner Hinrichtung wurde Afkari in der Nacht zum Sonntag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen beerdigt worden. Das gab der Menschenrechtsaktivist Mehdi Mahmudian, der auch ein Freund der Familie Afkaris ist, auf Twitter bekannt. Laut Mahmudian wurde Afkari in Sangar, einem Dorf in der südiranischen Provinz Fars, beerdigt. Seine Familie durfte an der Beerdigung nicht teilnehmen.

Afkaris Brüder Vahid und Habib waren zu 54 und 27 Jahren Gefängnis und je 74 Peitschenhieben verurteilt worden. In den sozialen Netzwerken verurteilten Tausende Iraner die Hinrichtung. Viele Nutzer forderten die Außenminister Deutschlands, Großbritanniens und Italiens auf, ihre für nächste Woche geplanten Treffen mit dem iranischen Chefdiplomaten Mohamed Dschawad Sarif abzusagen und ihn gar nicht in ihre Länder zu lassen.

Rufe nach Verbannung aus Weltsport

Die Hinrichtung hat die Rufe nach einer Verbannung Irans aus dem Weltsport neu entfacht. Trotz internationaler Proteste war das Todesurteil gegen den 27-Jährigen nach Behördenangaben am Samstag im Gefängnis Adel-Abad in der südiranischen Stadt Schiras vollstreckt worden. Athleten-Verbünde und Menschenrechtler forderten Sanktionen gegen Iran und nahmen auch das Internationale Olympische Komitee in die Pflicht. Iran verdiene “nicht länger das Privileg, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen”, mahnte die Sportler-Union “Global Athlete”.

US-Außenminister Mike Pompeo verurteilte die Hinrichtung als “abscheulichen Angriff auf die Menschenwürde”. Bärbel Kofler, die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, zeigte sich “zutiefst bestürzt”. Auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann reagierte betroffen. “Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Strafe vollzogen wurde, ohne dem Angeklagten einen fairen Prozess als eines der grundlegenden Menschenrechte zu gewähren”, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes. Die World Players Association versicherte: “Wir sind fest entschlossen, dass Navid sein Leben nicht umsonst verloren hat.”

Das IOC teilte mit, es sei “geschockt” über die “sehr traurige Nachricht”. IOC-Präsident Thomas Bach habe zuvor per Brief Gnadengesuche an die politische Führung Irans gerichtet. Wie schon zuletzt erwähnte das IOC aber auch, dass es die Souveränität des Landes respektiere. Von möglichen Sanktionen gegen Iran ist nicht die Rede. Schon vor der Hinrichtung Afkaris hatten Sportler und Organisationen das IOC ermahnt, den Druck auf Iran zu erhöhen und das Land aus der globalen Sportgemeinschaft auszuschließen.

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