Spiegel

James-Simon-Galerie Berlin: Die Legende von den wüsten Germanen

Hermann hat die Haare schön. Seine langen Korkenzieherlocken scheinen frisch gewickelt, sein Bart sauber getrimmt und die Augenbrauen ordentlich gezupft zu sein. Der frisierte Schönling, der am Rande Detmolds als Statue über die Baumwipfel des Teutoburger Waldes schaut, soll an den Cheruskerfürsten Arminius erinnern. Der Krieger und seine germanischen Truppen waren es, die dem römischen Imperium in der sogenannten Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus die wohl peinlichste Niederlage seiner Geschichte zufügten.

Über das wahre Aussehen Arminius’, der ab dem 16. Jahrhundert auch “Hermann” genannt wurde, ist nichts überliefert. Fest steht, dass das Kolossaldenkmal auffallend vom Zerrbild des rauen und eher faulen Germanen abweicht, der meist nur Fell trägt, Met säuft und gern seine Keule schwingt.

Bildhauer Ernst von Bandel erschuf im 19. Jahrhundert eine Art antiken Ritter. Doch der ist von der historischen Wahrheit vermutlich ähnlich weit entfernt wie das im römischen Großreich erdachte Barbarenimage. Er hebt sein Schwert nicht drohend gen Rom, sondern Richtung Westen. Das ist natürlich kein Zufall, denn dort liegt Frankreich, der “Erbfeind”.