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Jungfernstieg: Hamburg sperrt Prachtboulevard für Autos

Der Hamburger Jungfernstieg ist seit Freitag weitgehend autofrei. Nur Taxis und Busse dürfen die Straße an der Binnenalster noch ganztägig befahren. Liefer- und Müllwagen ist das zwischen 21 und 11 Uhr gestattet. Radfahrer sollen nur noch die Fahrbahn benutzen. So haben Fußgänger mehr Platz auf der Promenade am Wasser.

Die vorläufige Umgestaltung der Straße soll Mitte November abgeschlossen sein, der endgültige Umbau ist für das Frühjahr 2022 vorgesehen. Die Änderung hatten die Hamburger Regierungsparteien SPD und Grüne beschlossen.

Damit setzt sich in Hamburg ein bundesweiter Trend fort. In Berlin ist die Friedrichstraße inzwischen weitgehend autofrei, in Hannover plant Oberbürgermeister Belit Onay einen stark verkehrsberuhigten Bereich in der Innenstadt mit weniger Durchfahrtsmöglichkeiten für Autos. Politiker erhoffen sich, dass die Zentren attraktiver und sicherer werden und die Bürger auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen.

Dummes Zeug? Hamburger Wirtschaft empört

Die Hamburger Handwerkskammer kritisierte die neue Regelung. Kammerpräsident Hjalmar Stemmann bezeichnete im “Hamburger Abendblatt” die Begrenzung des Wirtschaftsverkehrs auf die Nachtzeit als “dumm Tüch” (dummes Zeug). “Wir können notwendige Reparaturen und Renovierungen nicht nur nachts oder am frühen Morgen ausführen.” Er forderte eine unbürokratische Regelung bei Fahrrechten und Parkerlaubnissen für Handwerker und soziale Dienste in ganz Hamburg.

Auch in Berlin ist eine bekannte Einkaufsstraße in der Innenstadt autofrei: die Friedrichstraße; jedoch nur auf einem 500 Meter langen Abschnitt und als Pilotprojekt bis Ende Januar. Seit einigen Wochen gibt es dort eine Flaniermeile für Fußgänger und Radfahrer, mit Sitzgelegenheiten, Schaukästen, Außengastronomie und Bäumen. Sie soll erlebbar machen, wie sich Großstadt ohne Autoabgase, Verkehrslärm und Stau anfühlt, und den Handel beleben. Es gibt aber auch Befürchtungen bei Händlern, dass nun Kunden wegbleiben.

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