Spiegel

Kilauea-Vulkan auf Hawaii-Hauptinsel Big Island: Stille Wasser

Der Kilauea auf Hawaiis Insel Big Island ist einer der aktivsten Vulkane der Erde. Er brodelt seit 1983 – mal stärker, mal schwächer.

Vor etwas mehr als zwei Jahren brach der Vulkan aus: Damals bildeten sich in einem bewohnten Gebiet neue Spalten im Boden, aus denen Lava floss. Die Eruptionen waren so heftig, dass sie mehrere Erdbeben auslösten. Zwei Menschen starben, 600 Häuser wurden zerstört und zehntausend Bewohner vorsorglich gebeten, ihr Haus zu verlassen.



Der neu entstandene Vulkansee - ruhig, trüb und gefährlich

Der neu entstandene Vulkansee – ruhig, trüb und gefährlich


Foto: M. Patrick / U. S. Geological Survey

Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt. Der kreisrunde Halemaumau-Schlot (“Haus des Feuers”) ist relativ ruhig. Er liegt eingefasst im großen Krater am Gipfel des Kilauea, der etwa fünf Kilometer breit ist und bereits Anfang des 20. Jahrhunderts mit Lava gefüllt war.

Im Juli 2019 bemerkten Hubschrauberpiloten jedoch, dass sich Wasser in einem Teich im untersten Teil des Kraters sammelte. Der Wasserstand ist seitdem stetig gestiegen. Heute hat der See eine Tiefe von ungefähr 40 Metern und seine Oberfläche ist rund fünf Fußballfelder groß. Die rostbraunen Farbe entsteht durch chemische Reaktionen zwischen Wasser und Vulkangestein.



Die Aufnahme des Halemaumau-Kraters im Mai 2019 ist links zu sehen. Rechts hingegen ein Jahr später mit dem darin entstandenen See.



Die Aufnahme des Halemaumau-Kraters im Mai 2019 ist links zu sehen. Rechts hingegen ein Jahr später mit dem darin entstandenen See.

Die Aufnahme des Halemaumau-Kraters im Mai 2019 ist links zu sehen. Rechts hingegen ein Jahr später mit dem darin entstandenen See.


Foto: NASA Earth Observatory / NASA Earth Observatory

Das Wasser halten die Forscher des U.S Geological Survey (USGS) aber keinesfalls für ein friedliches Signal. Es ist sehr wahrscheinlich das Anzeichen einer nächsten Eruption. Der See im Krater könnte den nächsten Ausbruch sogar befördern, befürchten die Wissenschaftler.

Regenbogen über trübem Vulkansee

Sie beobachten den Vulkan deshalb besonders genau. Dafür lassen sie Drohnen über den Krater fliegen, die regelmäßig Fotos machen. Mit Hubschrauberflügen über dem See überzeugen sich die Forscher auch mal selbst davon, dass alles noch ruhig ist. Wichtig sind aber auch regelmäßige Messungen, etwa der Wassertemperatur oder von Gasen, die über dem See liegen. Auch die Daten von Bodensensoren und Wärmebildkameras werden ausgewertet.



Aufnahme des Vulkansees mit einem Regenbogen: Durch die totale Überwachung des Vulkans entstehen spektakuläre Aufnahmen.

Aufnahme des Vulkansees mit einem Regenbogen: Durch die totale Überwachung des Vulkans entstehen spektakuläre Aufnahmen.


Foto: U. S. Geological Survey

Ein letzter Baustein des Überwachungssystems sind Satelliten. Sie liefern zuverlässige Bilder zum Zustand des Sees. Mit einer speziellen Radar-Technik (Interferometric Aperture Radar) können die Forscher auch Veränderungen an der Landoberfläche erkennen.

“Die Möglichkeit, einen so jungen Vulkansee zu überwachen, ist selten”, schreibt die Forschergruppe. “Der Kratersee von Kīlauea gibt uns die Möglichkeit, besser zu verstehen, wie sich solche Seen entwickeln und wie sie mit den darunter liegenden Magma interagieren.”

Für Hobbyvulkanologen ist die totale Überwachung des Sees ebenfalls von Vorteil: Dadurch entstehen für die Allgemeinheit eine ganze Reihe spektakulärer Vulkansee-Bilder, zum Beispiel von einem leuchtenden Regenbogen über dem trüben Wässerchen.

Icon: Der Spiegel