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Kilimandscharo: Flammen breiten sich aus – Bergsteiger-Camp evakuiert




Kilimandscharo: Weithin sichtbar sind die Rauchwolken des Feuers


Kilimandscharo: Weithin sichtbar sind die Rauchwolken des Feuers


Foto: Thomas Becker / dpa

Seit Tagen lodern Flammen auf Afrikas höchstem Berg, nun hat sich die Lage am Kilimandscharo weiter verschärft. Auf Satellitenbildern ist laut Nachrichtenagentur dpa ein deutliches Ausbreiten der Flammen zu sehen, die sich jetzt zudem geteilt haben.

Ein Camp mit Bergsteigern aus der Schweiz und anderen Ländern musste in der Nacht wegen heranziehender Flammen geräumt werden, wie Tourorganisatoren berichteten. “Außer meiner Schweizer Gruppe gab es da noch fünf bis sechs andere Gruppen, die um Mitternacht ihre Zelte abbrechen mussten”, sagte der seit 15 Jahren an Afrikas höchstem Gebirgsmassiv lebende deutsche Bergführer Henning Schmidt. “Das Feuer dehnt sich jetzt immer mehr aus.

Das Mweka-Camp befindet sich an der Baumgrenze und ist beim Abstieg über die diversen Routen das letzte Lager vor dem Verlassen der Gebirgsmassivs. Viele Bergtouristen erreichen es erschöpft vom beschwerlichen Abstieg.

Die Nationalparkbehörde Tanapa rief nach unbestätigten Branchenangaben zu Spenden für die Brandbekämpfung auf. Zudem erwäge sie einen Rückruf aller noch im Gebirge befindlichen Touristen, hieß es.

Eine Gruppe mit Deutschen, Österreichern und Schweizern, die am Donnerstag zum 4600 Meter hoch gelegenen Barafu-Camp unterwegs war, berichtete von starkem Wind und einer dichten Ascheschicht, die ihre Zelte bedeckte. Auf Fotos von ihrem Camp ist demnach deutlich eine kompakte, dicke Qualmwolke unterhalb des Lagers zu erkennen.

“Hier ist zu viel Rauch, wir haben Angst vor einer Kohlenmonoxid-Vergiftung”, berichtete die Bergführerin Debbie Bachmann später vom Abstieg der Gruppe. Sie habe zunächst die Anweisung der Parkbehörde erhalten, sich mit ihrer Gruppe im 4673 Meter hoch gelegenen Barafu-Camp in Sicherheit zu bringen, sei dann aber zum Horombo-Lager hinabgeschickt worden.

Der Großbrand war laut Nationalparkverwaltung am Sonntag an der Südflanke des Kilimandscharo ausgebrochen und hat seitdem offiziellen Angaben zufolge mindestens 28 Quadratkilometer Heidefläche zerstört. Die Höhe und der teilweise nur schwer erreichbare Brandherd erschweren die Löscharbeiten. Nach Berichten, die allerdings von offizieller Seite nicht bestätigt sind, sollen mittlerweile auch Gebäude zerstört worden sein.

Der Kilimandscharo ist mit 5895 Metern Höhe Afrikas höchster Berg und Tansanias Wahrzeichen. In dem Land, in dem am 28. Oktober Wahlen anstehen, gilt der Bergtourismus als ein wichtiger Arbeitgeber und Devisenbringer.

Zuletzt hatte es im Oktober 2016 am Kilimandscharo gebrannt. Der Bayreuther Biologe Andreas Hemp, der seit mehr als drei Jahrzehnten die Veränderungen im empfindlichen Kilimandscharo-Biotop erforscht, hat eine Zunahme von Bränden am Gebirgsmassiv beobachtet.

“Wenn es da mal brennt, kann man kaum noch löschen”

Biologe Andreas Hemp

Er führt das ebenso wie das Schmelzen der Gipfelgletscher unter anderem auf den Klimawandel zurück. “Es ist typisch für die ostafrikanische Berglandschaft, dass Heidezonen als Bindeglied zwischen dem Regenwald und der felsigen Gebirgszone existieren”, sagte Hemp. Das habe Einfluss auf den Wasserhaushalt am Berg, da die Erikapflanzen mit ihren Blättern die Nebelfeuchtigkeit auffangen und dem Grundwasser zuführen können.

“Sie haben aber die Eigenschaft, dass sie sehr leicht brennen – und wenn es da mal brennt, kann man kaum noch löschen”, sagte der Biologe Hemp. Seine Forschungen hätten ergeben, dass sich die Waldgrenze am Kilimandscharo seit 1976 um rund 800 Meter nach unten verschoben habe.

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