Spiegel

Klimaforscher Mojib Latif: “Scheitelpunkt 2020”

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SPIEGEL: Herr Professor, sind Sie ein notorischer Schwarzseher?

Latif: Wie kommen Sie darauf?

SPIEGEL: Deutschland deckt bereits mehr als 40 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Eine große Mehrheit der Bundesbürger sieht Klimaschutz als herausragend wichtig an. Die Bewegung “Fridays for Future” baut politischen Druck auf. Und Sie schreiben in Ihrem neuen Buch: “Aus naturwissenschaftlicher Sicht existiert so gut wie kein Klimaschutz.”

Latif: Das ist leider korrekt. Von Klimaschutz kann man nur sprechen, wenn die globalen Emissionen nachhaltig zurückgehen. Es ist völlig egal, wo das Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre entweicht, ob in China, den USA oder Deutschland. Der weltweite Ausstoß an Klimagasen ist in den letzten Jahrzehnten förmlich explodiert. Nüchtern betrachtet gibt es keinen Klimaschutz, sondern nur fortgesetzten Klimaschaden.

SPIEGEL: Deutschland wird immerhin seine Klimaziele für 2020 doch noch erreichen, was lange als unwahrscheinlich galt. Das Land wird bis Ende des Jahres mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgase freisetzen als noch 1990. Wollen Sie so einen Erfolg kleinreden?