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Klimawandel: Städte überhitzen – Grüne fordern 800 Millionen Euro für Stadtbegrünung

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Energieeffiziente Häuser in Heilbronn (Baden-Württemberg): Pflanzen wirken in der Stadt wie natürliche Klimaanlagen


Energieeffiziente Häuser in Heilbronn (Baden-Württemberg): Pflanzen wirken in der Stadt wie natürliche Klimaanlagen


Foto: Werner Dieterich/ Westend61/ imago images

Weil Beton Wärme speichert, ist es in Städten meist deutlich wärmer als im Umland. Der Effekt wird durch den Klimawandel noch beschleunigt – eine Belastung für die Stadtbewohner. Die Grünen fordern deshalb vom Bund ein 800-Millionen-Euro-Investitionsprogramm, um Städte besser gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen.

Das Geld soll beispielsweise in Grünflächen investiert werden sowie in Parks, Dach- und Fassadenbegrünung sowie nachhaltigen Gartenbau in der Stadt, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland und beruft sich auf einen Antrag der Grünen-Bundestagsfraktion.

Durch den Klimawandel steigt das Risiko für extreme Wetterlagen wie Dürre, Hitze und Starkregen, warnen Klimaforscher. Das gilt auch für Deutschland. Von 1880 bis 2018 wurde hierzulande nur zehn Mal die 40-Grad-Grenze geknackt – im Rekordsommer 2019 wurden während der Hitzewelle im Juli dagegen allein 25 Mal solche Spitzenwerte gemessen. Auch deshalb riefen im vergangenen Jahr mehrere Städte den Klimanotstand aus. Durch den Klimawandel könnten solche außergewöhnlichen Hitzewellen häufiger werden.

Pflanzen wirken in Städten wie natürliche Klimaanlagen. Dahinter steckt ein physikalischer Prozess: Wenn Bäumen zu heiß wird, öffnen sich winzige Spalten in den Blättern, aus denen Wasser verdunstet. Das verbraucht Energie, es wird kühler. Gleichzeitig entsteht ein Sog, der immer neues Wasser aus den Wurzeln in die Blätter treibt. Bäume können pro Tag Hunderte Liter Wasser ausschwitzen. Die Kühlleistung liegt bei etwa 70 Kilowattstunden pro 100 Liter – genug um zwei durchschnittliche Haushaltsklimageräte zu betreiben.

In einigen Städten werden bereits Baumarten getestet, die besser mit Extremwetter zurechtkommen. Der Bund fördert Projekte zur Anpassung an den Klimawandel seit dem Jahr 2012 mit bis zu 300.000 Euro pro Vorhaben. Zuletzt war die Zahl der Anträge deutlich gestiegen.

Lange Trockenperioden und Hitzewellen ließen die Innenstädte bis zu acht Grad heißer werden als das Umland, heißt es im Antrag der Grünen. “Hinzu kommen Starkregenereignisse, die dazu führen, dass unsere Städte sprichwörtlich überlaufen.” Einige Städte arbeiten deshalb bereits an neuen Bewässerungssystemen.

Japan lässt es regnen

Gerade für Menschen ohne Balkon oder Garten seien öffentliche Grünflächen, Parkanlagen und Wasserläufe wichtige Orte, an denen sie sich erholen, abkühlen und durchatmen können, sagte die Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion für Stadtentwicklung, Daniela Wagner. “Urbane Grünflächen und Naturräume sind somit ein Stück Umweltgerechtigkeit in unseren Städten.” Sie fügte hinzu: “Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass infolge der Klimakrise sommerliche Hitzeperioden weiter zunehmen werden.” Viele Städte müssten kühler werden.

Hitzewellen in Städten sind weltweit ein Problem. In Tokio stiegen die Temperaturen stellenweise auf über 41 Grad Celsius. Japanische Behörden haben deshalb schon mehrfach Silberjodid-Partikel in die Luft geschossen, um die Bildung von Regenwolken anzukurbeln. Tatsächlich hatte es bei mehreren Versuchen nur wenige Stunden später geregnet. Welche Rolle das Silberjodid spielte, lässt sich jedoch nur schwer einschätzen.

Städte fit für den Klimawandel zu machen, ist laut Experten auch deshalb notwendig, weil bereits jetzt der Hälfte der Menschen in Städten leben, bis zum Jahre 2050 werden es laut Schätzungen zwei Drittel sein.

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