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Kremlkritiker Jegor Schukow: “Ich verstehe, dass ich Angst um mein Leben haben muss”

Noch immer hat Jegor Schukow einen Bluterguss unter seinem linken Auge, als er zum Gespräch in das Moskauer Büro des SPIEGEL kommt. Der 22-Jährige lässt sich zu dem Treffen fahren, er ist vorsichtig, nachdem vor über drei Wochen zwei Männer vor seinem Haus auf ihn gewartet, ihn zu Boden geworfen und auf seinen Kopf eingedroschen haben.

Schukow wurde im Moskauer Protestsommer 2019 zu einer Symbolfigur der Jugend Russlands, die gegen das Regime von Wladimir Putin aufbegehrt. Er redet schnell und energisch, spricht über seine Pläne, Präsident zu werden, über die neue Qualität der Attacken gegen Oppositionelle wie Alexej Nawalny.

SPIEGEL: Wie geht es Ihnen nach dem Angriff?

Jegor Schukow: Zum Glück hat die ganze Sache keine ernsthaften Folgen. Mein Gehirn hat nichts abbekommen, meinem Kopf geht es besser. Alles, was bleibt, ist kosmetisch, ein paar Narben.

SPIEGEL: Wissen Sie etwas über die Täter?

Schukow: Nein, nichts. Die Polizei hat sich nach meiner Befragung nicht gemeldet. Es war schon das zweite Mal, dass ich richtig angegriffen wurde. Ende Juli hatten auch zwei Männer auf mich gewartet. Einer versuchte, mich zu schlagen, aber ich konnte fliehen. Dieses Mal haben sie mir gleich von hinten auf den Kopf geschlagen. Ich bin hingefallen, habe immer wieder versucht aufzustehen, das war wohl ein Fehler. Sie haben auf meinen Kopf wie auf einen Fußball eingeschlagen, der hin- und herflog. Dabei haben sie einfach geschwiegen, nicht gesagt, von wem sie kommen, wer mir so eine Botschaft überbringen will. Ich bin absolut davon überzeugt, dass der Angriff mit meiner politischen Tätigkeit zusammenhängt. Das haben Leute getan, die der Führung des Landes nahestehen. Wer das genau ist, weiß ich nicht.