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Kritik an möglicher Landesbürgschaft: Spart, wenn ihr Schalker seid

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Kritik an möglicher Landesbürgschaft
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Spart, wenn ihr Schalker seid



Stolz, ein Schalker zu sein – ein Aufkleber vor der Arena in Gelsenkirchen.
Foto: dpa/Fabian Strauch

Meinung Gelsenkirchen Der FC Schalke 04 ist in finanzielle Turbulenzen geraten. Schon seit Jahren lebt man im Revier über die Verhältnisse. Bislang hat das wenige gestört, weil der Betrieb munter weiter ging. Doch nun ist das Geschäft ins Stocken geraten, und die Königsblauen schreien nach Hilfe. Man kann es ja mal versuchen.

Liebe Schalker, lasst euch nichts erzählen – ihr seid Anhänger eines ziemlich okayen Vereins. Ohne Schalke wäre der Fußball um so viele Perlen ärmer. Bundesliga-Skandal, Euro-Fighter, Vier-Minuten-Meister-der-Herzen, Rudi Assauer, Günter Eichberg, Raul, Donis Avdijaj. Und sozusagen als Joker: Clemens Tönnies. Alleine mit dieser Besetzung müsstet ihr ganz vorne bei der Verteilung der TV-Gelder liegen. Unterhaltung vom Feinsten. Nun gibt es natürlich viele Neider. Die gönnen euch noch nicht einmal eine kleine Finanzspritze vom Land, wo doch gerade jeder, der laut Krise und Corona schreit, Unterstützung bekommt. Oder etwa doch nicht?

Nun also zum düsteren Teil. Dem FC Schalke 04 geht es mies. Richtig mies. Das ist jetzt keine ganz große Neuigkeit, denn die Entwicklung war schon seit längerem absehbar. Sie ist durch die Auswirkungen der Pandemie nur um ein Vielfaches beschleunigt worden. Schalke ist große Oper – und so wurde offensichtlich auch gewirtschaftet. Ein paar Nummern über den Verhältnissen. Das ging lange geradeso gut, doch nun rächen sich ein paar Fehler der Vergangenheit.

Der Ruf nach einer Landesbürgschaft ist legitim. Warum sollte das Unternehmen Schalke anders behandelt werden als Firmen aus anderen Branchen? Warum sollte nicht auch Schalke alle Möglichkeiten nutzen, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten? Schalke beantragt etwas, eine Genehmigung erfolgt nach einer Prüfung. Die dürfte nun, da die ganze Sache öffentlich gemacht wurde, deutlich intensiver ausfallen. Ministerpräsident Armin Laschet kann es sich nicht leisten, dass auch nur der Anschein erweckt würde, die Königsblauen würden bevorzugt behandelt. Dass der Antrag auf die Bürgschaft überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen konnte, ist vielleicht sogar der noch interessantere Teil der Geschichte. Mit Bürgschaften kennt man sich in der Region ganz gut aus. Auch Borussia Dortmund hat davon profitiert.



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Das ist Clemens Tönnies
Foto: dpa/Guido Kirchner

Grundsätzlich ist gerade der Sport in einer besonders priviligierten Situation. Nirgendwo sonst wird Geld im großen Stil verbrannt, und dennoch ist die Allgemeinheit bereit, direkt oder indirekt auszuhelfen. Die allermeisten Bundesligaklubs werden von städtischen Töchtern durch Sachleistungen oder als Sponsoren unterstützt. Bei Stadionbauten sind Bürgschaften vom Land die Regel. Der Fußball ist zwar nicht systemrelevant, aber trotzdem sehr wichtig. In Gelsenkirchen zählt Schalke zu den größten Arbeitgebern. Ganz zu schweigen von der Strahlkraft der Marke weit über die Region hinaus.

Im aktuellen Fall ist die Sachlage so kompliziert, weil einiges zusammenkommt. Schalke hat seit Jahren Geld rausgehauen, das man nicht zur Verfügung hatte. Es wurde nicht ausreichend gespart, sondern am Limit gelebt. Und darüber hinaus. Schließlich wollte man sportlich nicht den Anschluss verlieren. Nun kommt die Rechnung. Dazu kommt die Sache mit Clemens Tönnies. Der Fleischunternehmer aus Rheda hat sich immer als der Übervater für Schalke inszeniert. Firmen aus seinem Imperium sind als Sponsoren aktiv. Aber ist er auch derjenige, der persönlich bereit ist, die Schatulle zu öffnen und mehrere Millionen zu investieren, um offene Rechnungen zu begleichen? Stand jetzt wohl eher nicht. Womit natürlich die Frage erlaubt sein muss, was da jemand an der Spitze des Aufsichtsrats überhaupt zu suchen hat, der für so viele Negativschlagzeilen in den vergangenen Monaten gesorgt hat. Davon unbenommen ist, was er alles Gutes für den Verein getan hat.



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Gewinner und Verlierer der Saison
Foto: dpa/Kai Pfaffenbach

Schalke hat eine faire Chance verdient. Doch wie will man wirklich für Vertrauen werben, wenn alles so weitergeht wie bisher? Die Ankündigung, eine Gehaltsobegrenze einzuführen, war ein Schrittchen. Nicht mehr, nicht weniger. Ob und wie das in der Praxis überhaupt umsetzbar sein soll, ist noch einmal eine ganz andere Frage. Nun geht es darum, überhaupt eine Basis zu schaffen, die eine Planung für die neue Saison ermöglicht. Spart, wenn ihr Schalker seid. Die nächste Fan-Anleihe kommt bestimmt. Es stehen harte Zeiten bevor.