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Lang Lang: “Deutschland ist heiliger Boden”

Lang Lang steckt sich vor dem Interview noch schnell etwas in den Mund. Er ist aus Shanghai per Video zugeschaltet, sitzt mit dicker Artdirector-Brille und T-Shirt vor weißen Vorhängen.

Lang Lang, 38, ist einer der großen Pianisten unserer Zeit. Er wurde im chinesischen Shenyang geboren, sein Name bedeutet übersetzt “brillanter Geist”.

Langs Vater zwang seinen Sohn ans Klavier, als er zweieinhalb Jahre alt war. Er nötigte ihn jeden Tag zum Üben. Mit fünf spielte Lang das erste Mal vor Publikum. Als er neun Jahre alt war und ein Lehrer unzufrieden mit ihm war, weil Lang nicht gut genug schien, schlug der Vater dem Sohn vor, vom Balkon zu springen. Lang übte weiter, wurde Schüler am Zentralkonservatorium in Peking und als 15-Jähriger Student am Curtis Institute of Music in Philadelphia, USA.

Als Lang 17 Jahre alt war, fiel beim Chicago Symphony Orchestra der Pianist aus. Lang sprang ein. Er spielte Tschaikowskys 1. Klavierkonzert. Später sagte er, er habe sich Michael Jordan beim Slam Dunk vorgestellt, als er die ersten Töne spielte. Lang Lang wurde mit diesem Auftritt über Nacht zum Star.