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Leni Riefenstahl: So skrupellos war die Regisseurin wirklich

Am 20. April 1938, dem 49. Geburtstag Adolf Hitlers, stand im Berliner Ufa-Palast die Premiere des “Olympia”-Films von Leni Riefenstahl auf dem Programm. An die Fassade des Kinos hatte man gigantische Hakenkreuzfahnen gehängt. Geladen und erschienen war fast die komplette Prominenz der Reichshauptstadt.

Nachdem Riefenstahl und Hitler unter dem Beifall der Gäste ihre Plätze eingenommen hatten und der Saal verdunkelt worden war, begann ein Schauspiel, das zunächst mit den olympischen Wettkämpfen des Jahres 1936 wenig zu tun hatte.

Auf der monumentalen Leinwand tauchten schwarz-weiße Filmaufnahmen aus dem Trümmerfeld des antiken Olympia in Griechenland auf, Statuen, Säulen und Tempelreste, kunstvoll überblendet und in Nebelschwaden gehüllt – eine rätselhafte, faszinierende Welt, untermalt von spätromantischer Orchestermusik.

Dann aber verwandelt sich die antike Statue eines Diskuswerfers langsam in einen lebendigen Sportler, aus der Vergangenheit wird Gegenwart. Der nur mit einem Lendenschurz bekleidete muskulöse Mann bewegt sich plötzlich. Weitere Sportler, athletische Speerwerfer und Kugelstoßer, betreten die Szene. Leicht verwischte, schemenhafte Bilder tanzender Mädchen folgen, nackte junge Frauen, die an antike Tempeltänzerinnen erinnern sollen – eine Hymne auf die Kraft und die Jugend.