RP

Löhne, Rente, Arbeitszeit: So funktioniert die Vier-Tage-Woche


Löhne, Rente, Arbeitszeit
:
So funktioniert die Vier-Tage-Woche



Die Autobranche ist in der Krise.
Foto: dpa/Martin Schutt

Die IG Metall fordert die Vier-Tage-Woche. Diese hätte weitreichende Folgen für die Lebensplanung der Arbeitnehmer und die Organisation der Betriebe. Der Knackpunkt ist der Lohnausgleich.

Mit der Forderung nach einer Vier-Tage-Woche sorgt die IG Metall für Wirbel. Gewerkschafts-Chef Jörg Hofmann will schon in der nächsten Tarifrunde darüber verhandeln. Die Folgen.

Was soll die Vier-Tage-Woche bringen?

Die Autoindustrie steht doppelt unter Druck: In der Corona-Krise bricht die Nachfrage weg, hinzu kommt die Strukturkrise durch die Umstellung der Branche auf Elektromobilität. Um ein Elektroauto zu bauen, braucht man viel weniger Arbeitskräfte als für einen Verbrenner. Um den Konjunktureinbruch abzufedern, setzt die IG Metall auf Kurzarbeit, bei der die Bundesagentur für Arbeit einen Großteil der Löhne übernimmt. Um die Strukturkrise zu stemmen, fordert die IG Metall nun die Vier-Tage-Woche.

Wie kann die Arbeitszeit aussehen?

Noch gibt es keine konkreten Pläne, die IG Metall will in der nächsten Tarifrunde das Thema angehen. Allerdings hat die IG Metall 2018 schon einmal befristet eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 28 Stunden durchgesetzt. Das Ganze erfolgte auf freiwilliger Basis – Betrieb und Arbeitnehmer müssen zustimmen. So könnte es auch künftig gehen. Ob das bedeutet, das jeden Tag weniger gearbeitet wird oder tatsächlich ein Tag in der Woche frei ist, ist noch offen. Wenn sich die Tarifpartner auf ein solches Modell einigen könnten, werden sie vermutlich eine Klausel schaffen, die einzelnen Betrieben eine Wahlmöglichkeit gibt und die Zustimmung der Betriebsräte erfordert.

Was bedeutet Lohnausgleich?

Der große Streitpunkt zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist der Lohnausgleich. Die Arbeitgeber haben grundsätzlich nichts gegen eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um 20 Prozent, wenn im Gegenzug auch die Bruttolöhne um 20 Prozent sinken. Das aber will die Gewerkschaft auf keinen Fall. Die Arbeitnehmer müssten sich die Vier-Tage-Woche auch leisten können, hatte IG-Metall-Chef Hofmann im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt. Die Gewerkschaft will wenigstens einen teilweisen Ausgleich. Der könnte darin bestehen, dass die Löhne zum Beispiel nur um zehn Prozent sinken, obwohl die Arbeitszeit um das Doppelte reduziert wurde. So hat es VW 1993 gemacht, als der Konzern unter Personalvosrtand Peter Hartz die Vier-Tage-Woche erfand, um den Abbau von tausenden Jobs zu verhindern. Der Ausgleich könnte alternativ aber auch darin bestehen, dass es zusätzliche Urlaubstage gibt. So war es in der 2018er Regelung vereinbart: Die Beschäftigten konnten acht zusätzliche Urlaubstage im Jahr wählen.

Was heißt die Vier-Tage-Woche für die Rente?

Wenn die Senkung der Arbeitszeit mit einer Senkung des Monatslohns verbunden ist, zahlt der Arbeitnehmer auch weniger Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Je länger die Vier-Tage-Woche dauert, desto größer sind die Beitragsausfälle. Entsprechend erwirbt der Arbeitnehmer auch weniger Punkte in der Rentenversicherung und hat später einen geringeren Rentenanspruch. Das wäre vor allem in Branchen, die – anders als die Metall- und Elektroindustrie – ohnehin schlecht zahlen, ein Problem. Aber womöglich läuft es auch darauf hinaus, dass die Vier-Tage-Woche nicht zur Dauereinrichtung wird, sondern nur vorübergehend genutzt werden soll.

Was bedeutet die Vier-Tage-Woche für den Arbeitsalltag?

Für die Unternehmen könnte sie ein Anreiz sein, den Arbeitsalltag effizienter zu organisieren und auf Zeitfresser wie Meetings zu verzichten. So würden sie die Effizienz der Mitarbeiter erhöhen. Microsoft etwa testete 2019 in Japan die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich und stellte eine steigende Effizienz fest. Wenn die Unternehmen aber die gleiche Arbeitsmenge in vier Fünftel der Zeit erledigen lassen wollen, sind Überlastungen und Ausfälle in der Belegschaft programmiert. Womöglich lautet auch hier der Kompromiss: Vier-Tage-Woche nur so lange, wie wegen des Konjunktureinbruchs auch nur Arbeit für vier Tage da ist. Beim Anziehen der Konjunktur könnte man zum alten Modell zurückkehren.

Löst die Vier-Tage-Woche das Problem?

Viele Ökonomen sagen: nein. „Wenn man jetzt der Metall- und Elektroindustrie zusätzliche Kosten aufbürdet, würde man den Arbeitsplatzabbau in der Industrie verstärken”, warnte etwa Lars Feld, Chef der Wirtschaftsweisen. Sowohl beim Lohnausgleich über Geld als auch über Freizeit würde der Stundenlohn, den die Betriebe zahlen müssen, steigen. Das verschlechtert ihre Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb sehen auch die Arbeitgeber den Vorschlag kritisch. Am Ende ist die gesamtwirtschaftliche Arbeitszeit zudem kein fester Kuchen, der verteilt werden muss. In einer wachsenden Wirtschaft wächst auch das Arbeitsvolumen.