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Mehr als eine schwere Rezession: Wirtschaft erreicht erst 2021/2022 wieder altes Niveau


Mehr als eine schwere Rezession
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Wirtschaft erreicht erst 2021/2022 wieder altes Niveau



Dutzende Flieger parken am Flughafen Düsseldorf: das Sinnbild der Wirtschaftskrise.
Foto: dpa/Federico Gambarini

Köln Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet für 2020 mit einem Konjunktureinbruch von 6,25 Prozent und 500.000 Arbeitslosen zusätzlich – wenn es keinen zweiten Lockdown gibt. Nächstes Jahr soll die Wirtschaft wieder um 4,5 Prozent wachsen.

Die Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft schwer getroffen, doch nun geht es schneller aufwärts als im Frühjahr erwartet. nach der aktuellen Konjunkturprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schrumpft das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 6,25 Prozent. Für 2021 rechnen die Forscher mit einem Wachstum von 4,5 Prozent. Voraussetzung: Es kommt zu keinem zweiten Lockdown. „Glücklicherweise hat die Wirtschaft im Sommer dank niedriger Fallzahlen wieder aufholen können“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. „Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, werden wir zum Jahreswechsel 2021/2022 das Vorkrisenniveau wieder erreicht haben.“

In diesem Jahr sind die Bremsspuren tief, vor allem am Arbeitsmarkt: „Die Pandemie trifft den deutschen Arbeitsmarkt mit deutlich mehr Wucht als die Finanzkrise 2009“, schreiben die Forscher. Zwar sorge die Kurzarbeit dafür, dass Betriebe nicht allzu viele Mitarbeiter entlassen müssen, dennoch werde die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr um 350.000 sinken. Arbeitssuchende kaum noch Jobs, folglich erwarten die Forscher 500.000 Arbeitslose mehr als im Vorjahr, ihre Zahl steigt auf 2,8 Millionen.

Vor allem Branchen, die Export- und Investitionsgüter herstellen, leiden. Die Pandemie hat die Weltwirtschaft und damit den Außenhandel schwer getroffen. Die Exporte werden 2020 um fast 14 Prozent fallen, sagt das IW voraus. 2021 werden die Ausfuhren dann wieder um 9,5 Prozent wachsen.

Noch stärker brechen die Investitionen ein. Im Angesicht von Nachfrageeinbrüchen und Liquiditätsengpässen stellen die Unternehmen alles auf den Prüfstand. 2020 schrumpfen die Investitionen um fast 20 Prozent. Stabilisiert sich die Weltwirtschaft weiter, ist aber laut IW auch hier Erholung in Sicht: Man rechnet für 2021 mit einem Zuwachs von 12,5 Prozent.

Besser sieht es beim privaten Konsum aus, der in diesem Jahr „nur“ um 6,5 Prozent fällt. Die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer sorgt dafür, dass Bürger Anschaffungen vorziehen – entsprechend gibt es aber einen kleinen Einbruch beim Konsum im ersten Quartal 2021, erwartet das IW. Im nächsten Jahr wird der Konsum insgesamt auch nicht einmal um vier Prozent wachsen.

Unbeeindruckt von der Pandemie ist die Bauwirtschaft: Bei Bauvorhaben wird im laufenden Jahr ein Wachstum von zwei Prozent erreicht, für 2021 sind noch 1,5 Prozent realistisch.

Die IW-Forscher mahnen grundlegende Reformen an. „Trotz der Dynamik während des Sommers befindet sich Deutschland weiter in einer gravierenden Wirtschaftskrise. Die Corona-Krise ist mehr als nur eine besonders tiefe Rezession, die konjunkturpolitische Maßnahmen erfordert, sondern zugleich der Startpunkt eines längerfristigen Anpassungsprozesses.“ Zugleich warnen die Forscher vor Verlängerungen von Maßnahmen wie das erweiterte Kurzarbeitergeld: „Eine weitere pauschale Ausdehnung der fiskalischen Maßnahmen erscheint angesichts der sich abzeichnenden Verbesserung der konjunkturellen Entwicklung nicht angebracht.“