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Meine Eltern wollen mit mir jedes Problem besprechen, ich aber nicht – Wie sage ich es ihnen?

In meiner Familie gleicht jedes Treffen einer Therapiesitzung. Meine Eltern beschäftigen sich viel mit Selbst- und Sinnfindung und lesen ein Buch nach dem anderen darüber. Sobald ansatzweise ein Problem bei uns auftaucht, wollen sie über die angeblich tieferen Gründe sprechen und diskutieren. Mein Bruder bleibt deshalb immer häufiger weg. Mich stört das auch. Ich fühle mich bevormundet. Und ich glaube nicht daran, dass sich jeder Konflikt einvernehmlich lösen lässt, sondern dass wir weiterkommen, wenn wir unterschiedliche Standpunkte, Bedürfnisse und Gefühle tolerieren. Wie sage ich meinen Eltern, dass sie mit ihrer Art das Gegenteil dessen erreichen, was sie erreichen möchten? (Merlind B., 30, Dresden)  

In unserer Arbeit lautet ein Grundsatz: Wenn der Berater mehr will, als der zu Beratende es möchte, dann geht die Beratung schief. Das ist in Ihrem Fall deutlich zu erkennen. Offensichtlich möchten Ihre Eltern ihr neues Wissen anwenden, und das kommt bei Ihnen nicht gut an. Denn ein weiterer Grundsatz wird ebenfalls missachtet: Es muss einen Auftrag zur Beratung geben. Solch ein Auftrag fehlt hier völlig.  

Das mag für Sie vielleicht zu formal und professionell klingen, zu wenig nach Familie, wo man sich nahe ist und im Idealfall häufiger darüber spricht, wie es den Eltern, Geschwistern, Kindern und einem selbst geht. Doch gerade in einer Familie ist es besonders wichtig, sich an die beiden Grundsätze zu halten. Warum? In einer normalen Beratung dreht es sich nicht um das Verhältnis der Gesprächspartner zueinander. Natürlich muss ein möglichst großes Vertrauen vorhanden sein. Aber am Ende, nach der Bezahlung, gehen beide Parteien getrennte Wege. Berater und Ratsuchender sind wieder frei voneinander.



Wie sage ich es?
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Die beste Freundin entwickelt sich zur Egoistin, der greise Vater sollte besser nicht mehr Auto fahren, der Sex in der Ehe war schon mal aufregender. Es gibt Dinge im Leben, die müssen angesprochen werden. Aber wie? Wann ist der richtige Moment? An dieser Stelle geben vier Expertinnen und Experten im Wechsel Ratschläge, wie es gehen kann.

Haben Sie auch eine Frage an unser Team? Dann schreiben Sie an: wiesageiches@spiegel.de

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Bei Familienangehörigen ist das anders. Sie bleiben verbunden. Es gibt eine gemeinsame Vorgeschichte, Gegenwart und Zukunft. In diesem Kontext spielt alles, worüber Sie miteinander sprechen, eine Rolle. Wenn Kommunikation bloß aus Rede und Gegenrede besteht und Konflikte geschürt werden, dann droht der Abbruch der Beziehung – alles andere als wünschenswert.


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