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Mutter und Sohn ertranken im Rhein: Mehr Badetote wegen Corona befürchtet

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Mutter und Sohn ertranken im Rhein
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Mehr Badetote wegen Corona befürchtet



Flüsse wie der Rhein sind für Schwimmer gefährlich, weil vorbeifahrende Schiffe einen Sog erzeugen, in den man geraten kann. Dazu kommen strudelartige Strömungen.
Foto: Bretz, Andreas (abr)

Düsseldorf Weil wegen der Pandemie Bäder zu oder nur eingeschränkt geöffnet haben, suchen viele nach Alternativen zum Schwimmbad. Am Wochenende ertranken erneut Menschen beim Baden in Flüssen und Seen.

Der Badeausflug einer dreiköpfigen Familie an den Rhein bei Trebur endet am Samstagabend in einer Tragödie. Ein Fünfjähriger ertrinkt; seine dreißigjährige Mutter stirbt beim Versuch, ihn zu retten. Beide wurden von der Flussströmung erfasst und mitgerissen. Die leblosen Körper werden nach einer Stunde aus dem Rhein geborgen. Die 13-Jährige Tochter, die ebenfalls vergeblich versucht hatte, ihren Bruder aus dem Wasser zu retten, bleibt körperlich unversehrt.

Am Wochenende starben in Deutschland erneut gleich mehrere Menschen beim Baden in Flüssen oder Seen. So kam auch ein 41-jähriger Mann in Traunstein ums Leben, nachdem er in die Traun gesprungen und nicht wieder aufgetaucht war. Die Todesfälle scheinen sich in letzter Zeit zu häufen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) führt die Unglücke vor allem auf gefährlichen Leichtsinn zurück. Die Gefahr werde häufig unterschätzt, sagt ein Sprecher des DLRG. Gerade das Schwimmen in Flüssen wie dem Rhein sei extrem gefährlich. „Vorbeifahrende Schiffe können einen Sog erzeugen, in den man geraten kann.“ Darüber hinaus bildeten sich durch die Steinaufschüttungen im Rhein immer wieder strudelartige Strömungen. „Es besteht keine Chance, gegen die Strömung anzuschwimmen“, sagt der Sprecher.

Weil wegen der Corona-Pandemie viele Freibäder geschlossen sind oder nur eingeschränkt geöffnet haben, weichen bei gutem Wetter derzeit viele auf Seen und Flüsse aus, um sich abzukühlen – selbst dorthin, wo das Baden ausdrücklich wegen zu großer Gefahr verboten ist. Bei der DLRG rechnet man deswegen mit mehr Badetoten als im Vorjahr. 2019 ertranken bundesweit insgesamt 417 Menschen.

Verschärft wird die Situation durch die bekannten Probleme wie einer sinkenden Zahl von Schwimmbädern und langen Wartezeiten für Schwimmkurse. Dazu komme, dass wegen Corona Schwimmbäder wochenlang geschlossen gewesen seien, Schwimmkurse seien deshalb ausgefallen, so der DLRG-Sprecher.

Die nachlassende Schwimmfähigkeit spiegelt sich auch in der Statistik der Badeunglücke wider. Demnach ertrinken auch viele Kinder und junge Menschen. Im vergangenen Jahr kamen 17 Kinder (2018: 15) im Vorschul- und acht (elf) im Grundschulalter im Wasser ums Leben. Zudem kann jeder zweite Drittklässler in Deutschland nicht sicher schwimmen. Unter den Todesopfern sind laut DLRG außerdem häufig auch Menschen mit Migrationshintergrund, weil sie oft nicht richtig schwimmen gelernt haben. Deshalb sollen alle, die sich im Wasser nicht ganz sicher fühlen, nur dort baden, wo es eine Aufsicht gibt. Und Eltern sollen im Wasser immer nah bei ihren Kindern bleiben, solange diese nicht gut schwimmen können.

In Seen und Teichen bestehen laut DLRG Gefahren in Form von steil abfallenden Ufern, Wasserpflanzen und Unrat. Besonders Kiesgruben, sogenannte Baggerlöcher, sind demnach gefährlich, weil deren Ufer abrutschen können. Zudem weisen Seen unterschiedlich warme Wasserschichten auf. „Die Temperatursprünge können dabei mehrere Grad betragen. Kaltes Wasser besitzt eine größere Dichte und liegt daher immer unter den warmen Schichten“, erklärt der DLRG-Sprecher. Insbesondere bei Kopfsprüngen und tieferen Tauchzügen seien diese Temperaturunterschiede im Wasser deutlich spürbar. „Bei älteren Menschen oder solchen mit Herz- oder Kreislaufproblemen können diese Temperaturschwankungen schnell zu einer gesundheitlichen Störung, wie einem Herzinfarkt führen“, so der Sprecher.