Spiegel

Nele Neuhaus: “Ich habe in die Steaks geschluchzt”

Neuhaus, 53, hat 26 Bücher geschrieben. Die verkaufte Gesamtauflage ihrer Romane beträgt mehr als elf Millionen Exemplare. Ihr Werk ist in 35 Sprachen übersetzt. Acht ihrer Bücher wurden verfilmt. Neuhaus schreibt Kriminalromane und Pferdebücher für Jugendliche oder für alle, die sonst gern Pferdebücher lesen. Sie ist vom Polizeipräsidenten Westhessens zur Kriminalhauptkommissarin ehrenhalber ernannt worden. Japanische Buchhändler verliehen ihr den Titel “Honya Taishō”, was auch immer das genau sein mag.

In der Küche bei Nele Neuhaus zu Hause, oben auf den Schränken, stehen 26 Flaschen Champagner. Ruinart und eine Flasche Dom Perignon. Es sind Geschenke. Wenn mal wieder eines von Neuhaus’ Büchern auf Platz eins gelandet ist oder irgendeinen Rekord gebrochen hat, schickt der Verlag eine Flasche.

Die Bücher, die Neuhaus bekannt gemacht haben, spielen im Taunus. Ihre Ermittler heißen Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. Neuhaus schreibt präzise, leise dahingleitende Kriminalromane, Hunderte von Seiten lang, in denen man nebenbei auch erfährt, wie Bodenstein mit seiner Frau klarkommt und was Kirchhoff gern frühstückt. Manchmal fragt man sich, warum man das eigentlich liest wie ein Spanner, der bei den Nachbarn zuschaut, wenn sie Abendbrot essen. Aber möglicherweise ist es genau das, was fasziniert, diese Nähe zu den Figuren. Und dann ertappt man sich dabei, wie man wieder einen Roman aus der Reihe durchgelesen hat. Bisher sind neun Taunuskrimis erschienen: Geschichten über schöne Häuser, schnelle Pferde, verlogene Frauen, deutsche Spießigkeit und den freundlichen Nachbarn, der eigentlich ein Mörder ist.

Am Tag des Interviews empfängt Nele Neuhaus in ihrem Haus im Taunus zusammen mit ihrem Mann. Die beiden stehen in der Tür mit ihrem Australian Cattle Dog Akela. Neuhaus’ Mann hat Tagliatelle mit Steinpilzen gekocht, mit denen er sehr unzufrieden ist, die aber in Wirklichkeit sensationell schmecken.

Nach dem Essen setzt sich Neuhaus auf die Terrasse, raucht eine Zigarette und sagt: “So, dann fragen Sie mal.”

SPIEGEL: Frau Neuhaus, ich würde Ihnen gern als Erstes eine etwas indiskrete Frage stellen.

Neuhaus: Einverstanden.

SPIEGEL: Ist aber privat und völlig irrelevant für Ihre Arbeit als Schriftstellerin.

Neuhaus: Macht nichts.