RP

Neuer „Tatort“ aus Frankfurt: Ein doppeltes Spiel


Neuer „Tatort“ aus Frankfurt
:
Ein doppeltes Spiel



Die Kommissare Janneke (Margarita Broich, 2.v.r.) und Brix (Wolfram Koch, r.) bekommen beim Besuch bei Familie Fisher (Tessa Mittelstaedt und Kai Scheve) Cookies mit Milch angeboten.
Foto: HR/Bettina Müller

Frankfurt Die Kommissare Janneke und Brix ermitteln im neuen Frankfurter „Tatort“ in einer Familie, in der jeder seine Geheimnisse hat, und niemand miteinander redet. Eine spannende Dynamik – aber leider kein richtig spannender Krimi.

Es geht geheimnisvoll und düster zu in diesem „Tatort“, dem zweiten nach der Sommerpause. In Frankfurt ist es schon Herbst und ziemlich neblig, als sich die 17-jährige Emily Fisher (Emilia Bernsdorf) nachts aus dem Haus schleicht, um sich mit Sebastian, dem Sohn des Nachbarn, zu treffen. Doch der kommt nicht. Er wird tot in einer verlassenen Fabrikhalle aufgefunden. Bei Youtube hatte er Videos über sogenannte Lost Places, vergessene Orte, gedreht und veröffentlicht. Schnell steht fest: Sebastian wurde erschlagen – und die Halle ist nicht der Tatort.

Der Zuschauer hat den Ermittlern Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) bei der Suche nach Täter und Motiv schon nach wenigen Minuten etwas voraus: Emily wird beim Verlassen ihres Hauses von einem Unbekannten beobachtet und verfolgt. Dass in ihrer Familie etwas nicht stimmt, ahnt man also schon, bevor die Kommissare diese in den Fokus nehmen.

Dabei wirkt auf den ersten Blick alles ganz seriös: Mutter Gretchen Fisher (Tessa Mittelstaedt – Fans der Reihe sollte sie bekannt vorkommen) arbeitet im US-amerikanischen Konsulat, ihr Mann Raymond (Kai Scheve) bei einer Versicherung. Mit Emily leben sie in einer Villa – mit Partyraum und Pool im Keller. Doch Gretchen hört im Keller immer wieder geheimnisvolle Funksprüche ab und nimmt am Opernplatz von einer Frau im Vorübergehen einen Umschlag mit Bargeld entgegen.Und Raymond verbringt seine Freizeit offenkundig vor allem damit, verbissen auf einen Sandsack einzuschlagen.

Dazu kommen die vielen Verbindungen zu Mordopfer Sebastian, der gleich nebenan gewohnt hatte. Raymond ist mit dessen Vater gut befreundet, Emily unglücklich verliebt in ihn. Und dann findet Brix in einem von Sebastians Videos einen Hinweis darauf, dass er eine Affäre mit Gretchen hatte. Der Schlüssel zu dem Fall – das steht schnell fest – liegt bei Familie Fisher, in der niemand so richtig mit dem anderen spricht. Und das trotz scheinbarer Vorstadt-Idylle mit großem Haus sowie Cookies und Milch auf dem Wohnzimmertisch.

Eigentlich eine spannende Konstellation, die Regisseur Stanislaw Mucha und die Drehbuchautoren Andrea Heller und Stephan Brüggenthies entwerfen. Die von Misstrauen und Geheimnissen geprägte Familiendynamik überzeugt, dazu kommen stimmungsvolle Bilder und ein gewohnt gut aufspielendes Ermittler-Duo. Ein solider Krimi ist „Funkstille“ deshalb durchaus – mehr aber leider nicht.

Denn echte Spannung kommt in diesem „Tatort“, der gegenüber anderen des Frankfurter Teams abfällt, nicht auf. Zu sehr irritiert das bisweilen hölzerne Englisch der angeblichen US-amerikanischen Familie Fisher, zu grell ist teilweise die Darstellung des Mutter-Tochter-Duos. Viel mehr überzeugen da die leisen Szenen, etwa, wenn Sebastians Vater (Henning Peker) stoisch weiter Pizzateig belegt, als er die Nachricht vom Tod seines Sohnes erhält, und kurz darauf in Raymonds Armen zusammenbricht.