Spiegel

News des Tages: AKK gegen KSK, Wahlkampf USA, Abi 2020

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Guten Abend, die drei Fragezeichen heute:

  1. Truppenbewegung: Wie will die Verteidigungsministerin gegen Rechtsextreme im KSK vorgehen?

  2. US-Wahlkampf: Muss Trump einen Biden-Respekt haben?

  3. Allgemeine Corona-Reife: Gab es für Abiturienten einen Pandemie-Bonus?

1. AKK gegen KSK: Kompanie abtreten!

Lässt sich das Kommando Spezialkräfte reformieren, oder muss man es gleich ganz auflösen? Vor dieser Frage stand Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, spätestens als der Brandbrief eines KSK-Elitesoldaten bei ihr im Wehrressort ankam: Darin prangerte der Whistleblower an, dass rechtsextreme Umtriebe in der Einheit “ignoriert oder gar toleriert” würden. Vor gut zweieinhalb Wochen berichtete mein Kollege Matthias Gebauer als Erster darüber.

Die Ministerin hat sich für eine Kombination entschieden und nun ein Reformpaket präsentiert: 60 Einzelmaßnahmen einerseits, eine Teilauflösung andererseits – die zweite und besonders umstrittene der vier KSK-Kampfkompanien soll es künftig nicht mehr geben. Die CDU-Politikerin appellierte beim Besuch der Einheit in Calw, jeder KSK-Soldat müsse sich entscheiden, ob er Teil der Lösung werden oder Teil des Problems bleiben wolle. Matthias analysiert: “Mit dem umfangreichen Paket hat Kramp-Karrenbauer einen letzten Warnschuss in Richtung KSK abgegeben.” 




Die Calwinisten


Die Calwinisten

Patrick Seeger/ dpa

Wo wir uns gerade mit Rechtsextremen beim Militär befassen: Die Bundeswehr hat einen Hauptgefreiten der Reserve ausfindig gemacht und aus dem Dienst entfernt, der mit Videos in den sozialen Netzwerken Furore gemacht hatte. Auch der Verschwörungserzähler Attila Hildmann verbreitete die Clips, in denen der Reservist gegen die Regierung agitierte. Er werde als Panzergrenadier “jeden Scheißbefehl von Schwarz-Rot-Gold” verweigern, “weil das ist nicht unsere Farbe, das ist nicht unser Volk”. Ein Militanter und ein Veganer, klingt erst mal nach einem Witz, ist aber leider nicht komisch.

2. Die Angst vor der Wiederkehr von 2016

Donald Trump liegt in den Umfragen hinten, die Demokraten frohlocken, alles wird gut – so fühlte sich das an im Sommer 2016, auch für mich als Zeitungsleser in Deutschland. Droht jetzt ein Déjà-vu? 

Wieder taumelt Trump, es gibt sogar Gerüchte über seinen Rücktritt. Anders als Hillary Clinton vor vier Jahren führt Herausforderer Joe Biden bislang einen Wahlkampf auf Sparflamme, Corona-bedingt. Und steht trotzdem gut da – oder gerade deswegen?

“Bidens Vorteil ist, dass Trump seine Wahlchancen täglich selbst zerstört”, schreibt mein Kollege Roland Nelles aus Washington D.C. Der designierte Kandidat der Demokraten müsse gar nicht viel tun. “Er kann von seinem Privathaus im Bundesstaat Delaware aus entspannt dabei zuschauen, wie Trump von einer Krise zur nächsten stolpert.” 

Ob es reicht? Roland lässt Vorsicht walten, wenn es um Prognosen geht. Zu oft hat er erlebt, wie Trump die Gesetze des Politikbetriebs außer Kraft setzte. Zumal Bidens gute Werte ihm paradoxerweise auch schaden könnten – warum, erklärt Roland hier.

3. Abi 2020: Corona-Prozente oder Corona-Promille?

Über Abiturienten habe ich in den vergangenen Monaten gehört, sie würden Corona-Partys feiern und eher keinen Mundschutz dabei tragen. Wenn ich an meine eigene Schulzeit denke, erscheint mir das nicht unplausibel. Auch der Augenschein in den Hamburger Parks widerspricht diesem Gerücht nicht vollends. Vielleicht wird sich diese Generation beim Abi-Treffen 2050 ihrer Abenteuer so erinnern: Weißt du noch, wie wir damals zu nah zusammensaßen?

Allerdings können nicht alle Abiturienten den Frühling im Limetten-Bier-Rausch verbracht haben: Mehrere Bundesländer melden bessere Durchschnittsnoten als im vergangenen Jahr, berichtet mein Kollege Armin Himmelrath, der sehr froh ist, dass seine drei Söhne bereits studieren. Nur in Mathe waren die Aufgaben wohl auch in diesem Jahr wieder zu schwer: Hier und dort wurden die Noten nach oben korrigiert.

Wohnt den 2020ern also eine besondere Selbstdisziplin, eine besondere Homeschooling-Begabung inne? Oder überkam Lehrerinnen und Lehrer der Großmut? “Das wird natürlich keiner offen zugeben”, sagt Armin. “Aber in Gesprächen hört man schon heraus, dass sich alle der besonderen Situation bewusst sind – und deshalb vielleicht an der einen oder anderen Stelle doch nicht so streng bewertet haben wie in anderen Jahren.” Der Rotstift lässt Gnade walten.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Ein Hoffnungsschimmer für 84,6 Millionen Dollar




Francis Bacon,


Francis Bacon, “Triptychon, angeregt durch die Orestie von Aischylos”

The Estate of Francis Bacon/ VG Bild-Kunst 2020

Bacon für 85 Millionen, das ist kein Tippfehler in einer Lidl-Werbung, sondern das Ergebnis einer Onlineauktion in der vergangenen Nacht: Ein anonymer Käufer hat beim Traditionshaus Sotheby’s eine Rekordsumme geboten für das “Triptychon, angeregt durch die Orestie von Aischylos” des britisch-irischen Künstlers Francis Bacon. So sieht es aus:

Bislang bot niemand je mehr für ein Gemälde bei einer Live-Internetauktion als diesen, höhö, Hammerpreis. Doch die Kunstbranche mit ihrem geschätzten Jahresumsatz von 64 Milliarden Dollar und drei Millionen Jobs steckt in der Corona-Malaise, wie meine Kollegen Alexander Epp, Marco Kasang und Ferdinand Kuchlmayr nicht nur recherchiert haben, sondern auch eindrucksvoll illustrieren. In der Pandemie gibt es keine Kunstmessen, kaum Ausstellungen, deutlich weniger Verkäufe. “Die größte Schwierigkeit ist, verlässliche Zahlen zu bekommen”, sagt Alexander. “Ein Großteil der Deals läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab, Transparenz ist häufig nicht gewollt.”  

Jetzt drängt die Branche ins Netz und streamt live – was es auch für meine Kollegen einfacher machte, den Trends nachzuspüren. Allerdings stehen Auktionshäuser wie Galeristen plötzlich vor trivialen Fragen: Reichen unsere Serverkapazitäten? Was ist überhaupt ein Server? Und wie gehen wir damit um, dass europäische Onlinekäufer 14 Tage lang ein Recht auf Rückgabe haben? Hat fast das Zeug zu einem Witz, beginnen könnte er so: Zalando trifft Picasso…

Was heute sonst noch wichtig ist

Was wir heute bei SPIEGEL empfehlen

Was heute nicht ganz so wichtig ist

Personalien:




John Wayne im Western


John Wayne im Western “Der Schwarze Falke” von 1956: Filmlegende und Rassist?

Anonymous/ AP

  • Wayne, dann: Ethan Wayne, 58, nimmt seinen Vater John in Schutz. Der sei kein Rassist gewesen. Zwar hatte der Westerndarsteller einst gesagt, er glaube an die Überlegenheit der Weißen, der Junior beteuert aber: “Diejenigen, die ihn kannten, wussten, dass er jeden als Individuum beurteilte und glaubte, jeder verdiene die gleiche Chance.” Weiße Worte.

  • Grey ist alle Theorie: Schauspieler Patrick Dempsey, 54, trug als “McDreamy” in der Serie “Grey’s Anatomy” regelmäßig einen Mundschutz – nun ruft er dazu auf, im echten Leben seinem Beispiel zu folgen. “Es ist ein wunderschöner Tag, um Leben zu retten.” Wirkt nicht aufgesetzt.

  • So Young kommen sie nicht mehr zusammen: Hip-Hopper Dr. Dre und seine Ehefrau Nicole Young lassen sich scheiden, wegen “unüberbrückbarer Differenzen”, wie es heißt. Bei einem geschätzten Vermögen von 800 Millionen Dollar dürfte das Geld zum Dre- und Angelpunkt werden.

Tippfehler des Tages, inzwischen korrigiert: “Piraten, NPD und AfD hatten ein Organstreit angestrengt.”

Cartoon des Tages: Deutschland kommt zurück






Thomas Plaßmann

Und heute Abend?

Vielleicht den Urlaub planen: Hier erklärt Günter Kast, Gründer des Deutschen Wanderinstituts, auf welchen Wegen sich am besten laufen lässt. Wenn nicht jetzt, wandern?

In diesem Sinne: erst Abendessen, dann Schrittparade.

Ihnen einen schönen Abend, herzlich

Oliver Trenkamp