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Peru: Forscher entdecken Scharrbild riesiger Katze

Die riesige Katze sieht fast so aus, als sei sie zum Absprung bereit. Sie prangt, im graubraunen Sand und in der Hitze des peruanischen Südens, am Hang eines Wüstenhügels. Nicht echt, nur ein Scharrbild – das zwischen 200 und 100 vor Christus entstanden sein könnte, wie der britische “Guardian” berichtet.

Die Geoglyphen von Nazca gehören zu den eindrucksvollsten Hinterlassenschaften, die je eine Zivilisation fertiggebracht hat. Mehr als 1500 Scharrbilder sind im Süden von Peru auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern in den Wüstenboden geritzt, sie werden der Paracas- und Nazca-Kultur zugeordnet. Teilweise sind die Linien bis zu 20 Kilometer lang. Aus der Luft oder von einigen Hügeln in der Region sind geografische Formen wie Dreiecke erkennbar, aber auch Abbildungen von Menschen und Tieren.

Wie der “Guardian” berichtet, entdeckten Forscher die katzenartige Figur mit nach vorne gerichtetem Kopf bei Arbeiten an dem Hügel. “Die Figur war kaum sichtbar und im Begriff zu verschwinden, weil sie sich an einem ziemlich steilen Hang befindet, der anfällig für die Auswirkungen der natürlichen Erosion ist”, zitiert der “Guardian” aus einer Erklärung des peruanischen Kultusministers. Die Figur sei 37 Meter lang und habe klar definierte Linien, zwischen 30 und 40 Zentimeter breit.

Erst vor zwei Jahren hatten Forscher mit Drohnen- und Satellitentechnik etwa 50 neue Formationen ganz in der Nähe von Nazca dokumentiert. Einen Teil der Linien konnten die Forscher der Nazca-Kultur zuordnen, sie sollen zwischen 200 und 700 nach Christus entstanden sein. Doch der größte Teil der gefundenen Linien schien älter zu sein. Die Forscher ordneten sie den frühen Paracas- und Topará-Kulturen zwischen 500 vor Christus und 200 nach Christus zu. Die Topará gilt als Übergangskultur zwischen Paracas und Nazca. Bereits Jahrhunderte vor der Entstehung der Nazca-Linien hätten die Menschen in der Region mit der Herstellung massiver Geoglyphen experimentiert, schreiben die Forscher damals.

Die Nazca-Bilder sind durch die Entfernung der oberen Gesteinsschichten entstanden, dadurch kommt die hellere Sedimentschicht darunter zum Vorschein. Entdeckt wurden sie in den Zwanzigerjahren, als kommerzielle Flüge regelmäßig über die Nazca-Wüste führten. Zu welchem Zweck die Linien angelegt wurden, ist bis heute nicht ganz geklärt, viele Forscher gehen aber davon aus, dass die Symbole im Kontext mit Fruchtbarkeitsritualen stehen. In der Region wurden zudem zahlreiche Siedlungsreste mit Bestattungen und auch gut konservierten Mumien gefunden.

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