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Pocken, Malaria, Gelbfieber, Lepra: Die Geschichte des Impfens

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Dieser Artikel stammt aus SPIEGEL Edition Geschichte 2/2020. Er erschien erstmals in DER SPIEGEL 42/1985.

Im November 1975 schien es geschafft. In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, sollte das Menschheitsereignis gebührend gefeiert werden.

100 Mediziner, 65 davon aus Übersee, dazu 25.000 einheimische Helfer, waren zuletzt im Einsatz. Fast vier Jahre lang hatten sie mit Jeeps und Booten, auf Motor- und Fahrrädern oder zu Fuß bis ins entlegenste Dschungelnest, bis zum fernsten Inselchen im weiten Gangesdelta jede Hütte, in den brodelnden Hauptstadt-Slums jeden Verschlag inspiziert. Keine Abfalltonne hatten sie ausgelassen, keine Lumpenhaufen, unter denen Mütter ein krankes Kind versteckt haben könnten. Ein furchterregendes Spitzelsystem auf der Basis von Belohnung war aufgezogen worden, Impftrupps hatten im springenden Einsatz selbst die Passagiere auf den Dächern fahrender Züge erwischt.

Dann, am 13. November, meldete die “New York Times” den Sieg: Bangladesch, die letzte hartnäckige Bastion, sei nunmehr frei von der Seuche – “pockenfrei”.