Spiegel

Pontiac Firebird: Das Auto aus Knight Rider als günstiger Oldtimer





Foto: General Motors

“Bei den Zuschauern gehen die Daumen hoch”

Allgemeines zum Modell: Unter den US-Muscle-Cars war der Pontiac Firebird das Hubraummonster. 1967 brachte die GM-Tochter den Sportwagen auf den Markt, um Chevrolet Camaro und Ford Mustang Konkurrenz zu machen. Bullige V8-Motoren mit bis zu 7,5 Litern Hubraum und 340 PS waren Standard. Mit weniger als 15 Litern Sprit auf 100 Kilometern sind die antiken Aggregate aber kaum zu bewegen. Bei flotter Gangart fließen locker 25 bis 30 Liter durch die Benzinleitungen.

Als günstiger Oldtimer ist der Pontiac Firebird der dritten Modellgeneration ab 1982 interessant. Wie so viele US-Modelle war auch der Firebird III nach den Ölkrisen wegen schärferer Umweltauflagen zurechtgestutzt worden: Das Chassis des F-Bodys war 230 Kilogramm leichter und gute 9 Zoll kürzer als sein Vorgänger, auch der Radstand schrumpfte. Optisch waren die neuen Klappscheinwerfer die auffälligste Veränderung, die bis zum Ende der Modellreihe 2002 blieben.

Ein Downsizing gab es auch bei der Motorisierung der 3rd Generation: Neues Basismodell wurde ein 2,5-Vierzylinder mit mageren 90 PS, der mit unter zehn Litern Verbrauch für die damalige Zeit sparsam war. Dazu waren V6-Motoren, auf Wunsch auch ein 5,0-V8 mit 165 PS erhältlich. “Ein Muscle Car war das trotzdem nicht mehr wirklich”, sagt Martin Busker.

Der Berliner besitzt zwei Pontiac Firebird III, davon einen schwarzen, der viele an die TV-Kultserie aus den 80er-Jahren erinnern wird: In “Knight Rider” ging der Held Michael Knight alias David Hasselhoff mit seinem sprechenden Auto KITT auf Verbrecherjagd.

“Knight Rider” nahm das Cabrio vorweg

Busker hat das Filmauto, einen Pontiac Firebird Trans Am, bis auf das kleinste Detail nachgebaut. Seine Beobachtung: Zwar besitzt die dritte Generation nicht den Muscle-Car-Protz der beiden Vorgänger-Baureihen, dafür sind Anschaffungspreis und Unterhaltskosten deutlich günstiger.

Der Firebird III war in vier Modellreihen mit steigender Performance zu haben. Beim Basismodell für 7996 Dollar musste man sich mit Kurbelfenstern und Stoffsitzen begnügen. Mehr Extras boten die Sport-Varianten S/E und Formula, etwa Armaturenbrett-Teile in Innenraumfarbe oder spezielle Felgen und Breitreifen. Beim Trans Am waren unter anderem Klimaanlage, Lederlenkrad und Lederschaltknauf Serie.

Ab 1987 bot Pontiac den Firebird auch als Cabriolet an. Einen Eindruck konnte man schon zwei Jahre zuvor bei “Knight Rider” bekommen: In der vierten und letzten Staffel bekam KITT einen C-Knopf verpasst, der den Wagen in ein Convertible verwandelte. Dafür wurde einem der Produktionsfahrzeuge das Dach abgeschnitten.

GM-Insolvenz beendet Pontiac-Geschichte

Liebhaber der 3rd Gen bevorzugen die ersten Baujahre zwischen 1982 und 1984, deren Design klassisch und zeitlos ist. In den Folgejahren versuchte Pontiac, Innenraum und Karosserie moderner zu gestalten. Teils kam dies der Aerodynamik zugute, im Innenraum litt dagegen die Verarbeitungsqualität. Dort sieht das Material bei späteren Modellen zunehmend billig aus. “Wie so vieles, was man in den 90er-Jahren krampfhaft versucht hat, modern und futuristisch zu machen”, sagt Busker. Auch technisch habe sich manches verkompliziert und sei fehleranfälliger geworden.

Bis 2002 hielt Pontiac den Firebird im Programm, zuletzt kamen die kleinen, alltagstauglichen Small-Block-V8 von Chevrolet. Dann folgte im Zuge einer Insolvenz von General Motors das Ende der Traditionsmarke.

Warum ausgerechnet der? “Das ist KITT!” Wenn Martin Busker mit seinem Pontiac Firebird Trans Am aufkreuzt, zücken Passanten ihre Handys und schießen Fotos. “Das war auch schon vor meinem Umbau zum Filmauto so”, sagt der Berliner. Auch “normale” Firebird III seien aufgrund der Popularität von “Knight Rider” ein Blickfang an jeder Ampel. Das Merkwürdige: Besonders häufig jubeln nach Beobachtung von Busker junge Leute, die zur Zeit der Ausstrahlung auf RTL noch nicht einmal geboren waren.

Wegen der günstigen Anschaffungs- und Unterhaltskosten gilt der Pontiac Firebird III als idealer Eintieg in die Welt der Ami-Klassiker. Die Vierzylinder-Versionen sind allerdings etwas ärmlich. Dann lieber V6 oder V8, wobei man allzu viel Agilität von keinem Firebird III erwarten sollte. “Das Fahrgefühl ist nicht besonders sportlich, sondern lädt eher zu lässigem Cruisen ein”, berichtet Busker, der auch eine Mercedes S-Klasse aus den 80ern fährt. Deren Verarbeitung ist um Längen hochwertiger als die des Pontiac. Dafür ist der Ami-Schlitten deutlich pflegeleichter. “Bei meiner S-Klasse von 1987 muss ich mitunter lange suchen, um ein passendes Ersatzteil zu finden. Bei meinen zwei Firebirds hingegen kenne ich diese Probleme überhaupt nicht.” Außerdem hat der Mercedes keinen Turbo Boost wie KITT.

Verfügbarkeit: Der Markt in Europa ist überschaubar. Die meisten angebotenen Firebird III sind späte Modelle von 1989 bis 1992. Meist sind es V6, einen V8 gönnten sich die meisten Käufer nicht. Selten und dementsprechend teuer sind die beliebten Modelle ab 1982. Hier lohnt sich fast immer ein Import aus den USA, wo das Angebot deutlich größer ist. Aber Vorsicht: Im Internet anschauen reicht nicht, viele US-Klassiker sind nur optisch auf Schön gemacht, repariert wurde mit Spachtel und Alufolie.

Ersatzteilversorgung: Hervorragend. Von der kleinsten Schraube bis zum neuen Dach gibt es praktisch jedes Ersatzteil. Sogar komplette Austauschmotoren inklusive sämtlicher Nebenaggregate sind lieferbar, natürlich mit entsprechenden Versandkosten. Trotzdem sollte man bei US-Händlern bestellen – europäische rufen meist deutlich höhere Preise auf. Bei Interieurteilen wie Sitzen, Knöpfen oder Zierrat gibt es ebenfalls selten Probleme. Eine Ausnahme sind Spezialteile, die an KITT zu sehen waren und bei Repicla-Bauern beliebt sind – etwa die seltene Motorhaube mit Hutze. Hier können die Preise angesichts der wenigen Angebote bei Auktionen in die Höhe schießen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Auspuff Endrohr V6: ca. 30 Euro

  • Velours-Sitzbezüge neu: ca. 400 Euro

  • Kotflügel: ca. 70 Euro

  • Bremsscheibe vorne: ca. 30 Euro

Schwachstellen: Korrosion kann vorkommen, vor allem durch Spritzwasser an Kotflügeln, Schwellern und hinteren Radläufen. Wenn der Wasserablauf unterhalb der Heckstoßstange verstopft ist, kann der Kofferraum von innen rosten. Front- und Heckspoiler sind aus Kunststoff, von ihnen blättert gerne der Lack ab.

Dass es beim Fahren knackt und knirscht, ist normal, die alten Ami-Schlitten sind nicht so stabil gebaut. Auch die Verarbeitungsqualität im Innenraum lässt zu wünschen übrig, Plastikteile können im Alter abfallen. Speziell die V8-Motoren sind robust und bis auf Öl- und Filterwechsel praktisch wartungsfrei, so lange man ihnen keine Dauerbelastung im hohen Drehzahlbereich zumutet. Stop- and Go-Verkehr in der City wiederum kann zu Hitzestau im Motorraum führen, was der Lichtmaschine gar nicht gefällt.

Preis: Für etwa 2500 Euro findet man fahrbereite Pontiac Firebird III – dies sind meist V6-Modelle aus den frühen 1990er-Jahren. Für einen V8 muss man etwa 40 Prozent Aufschlag zahlen. Die beliebten Modelle von 1982 bis 1988 sind teurer. Ein 1982er Trans Am kann in gutem Zustand auch in den USA fünfstellige Preise aufrufen.

Anlaufstellen im Internet:

Icon: Der Spiegel