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Premier League: FC Liverpool schlägt Leeds United – Wunderbares Chaos




Wenn zwei Pressing-Teams aufeinander treffen, kann es für den Ballführenden durchaus einmal so aussehen


Wenn zwei Pressing-Teams aufeinander treffen, kann es für den Ballführenden durchaus einmal so aussehen


Foto: PAUL ELLIS / AFP

Wunderbares Chaos: Marcelo Bielsa, Trainer von Leeds United, ist bekannt dafür, dass seine Teams mit und vor allem gegen den Ball unermüdlich anlaufen – ebenso wie die Teams von Liverpool-Coach Jürgen Klopp übrigens. Das Aufeinandertreffen der Pressingmaschinen, gewissermaßen eine “Pressekonferenz”, bot den Fernsehzuschauern eine aufregende erste Hälfte. Beide Mannschaften liefen immer wieder an, kämpften des Öfteren mit mehr Stürmern im gegnerischen Sechzehner um den Ball, als der Gegner Abwehrspieler aufbringen konnte. Einfach ein wunderbares Chaos.

Ergebnis: Sieben Tore fielen in der Partie zum Auftakt der neuen Premier-League-Saison, 4:3 (3:2) gewann der amtierende Meister Liverpool gegen den Aufsteiger Leeds. Dass dies ein besonderes Ergebnis ist, zeigt allein Liverpools vergangene Saison: Bis zum 26. Spieltag hatte Liverpool lediglich 15 Gegentore kassiert. Eine Wiederholung dürfte angesichts dieses ersten Spieltags schwierig werden.

Erste Hälfte: Wie ein Pendel ging das Spiel in der ersten Hälfte hin und her. Per Handelfmeter traf Mohamed Salah zur Führung (4. Minute), Jack Harrison glich von der Strafraumgrenze mit einem Schuss ins kurze Eck aus (12.). Virgil van Dijk brachte Liverpool per Kopfball erneut in Führung (20.), Patrick Bamford nutzte einen Fehler von Virgil zum Ausgleich (30.), ehe Salah von der rechten Strafraumkante sehenswert zum Hattrick in den kurzen Winkel traf (33.).

Debütantenball: Es waren die ersten Erstliga-Gegentore für Leeds’ jungen Torhüter Illan Meslier, der als eines der größten Torhütertalente Europas gilt. Der 20-Jährige bewahrte sein Team in der ersten Hälfte vor einem höheren Rückstand, als er eine verunglückte Rettungstat seines Kollegen Pascal Struijk über die Latte lenkte. Neben Meslier feierten weitere Spieler ihr Premier-League-Debüt, darunter Mateusz Klich, der zwischen 2015 und 2016 in der zweiten Liga für den 1. FC Kaiserslautern spielte. Aber dazu gleich mehr.



Meslier streckt sich

Meslier streckt sich


Foto: PHIL NOBLE / AFP

Zweite Hälfte: Sowohl Klopp als auch Bielsa wären nicht so herausragende Trainer, wenn sie ein solche defensive Anfälligkeit wie in der ersten Hälfte nicht zumindest temporär mindern könnten. Obwohl beide Teams defensiver etwas sicherer standen, blieben sie aber offensiv gefährlich. Und Leeds glich erneut aus: Dieser Mateusz Klich, der als Talent beim VfL Wolfsburg für nicht gut genug befunden worden war, traf gegen den englischen Meister zum Ausgleich 3:3 (66.). Erst ein weiterer Elfmetertreffer durch Salah zerstörte die Hoffnungen des Außenseiters auf eine Überraschung (88.).

Pokerface: Nach gut einer Stunde spielte sich Kurioses ab. Harrison hatte von der Mittellinie zu einem tiefen Lauf angesetzt, der so typisch für das Spiel von Bielsa ist. Liverpools Keeper Alisson überlupfte Harrison, wurde dabei aber von Trent Alexander-Arnold eingeholt. Der Liverpool-Verteidiger hatte so hohes Tempo drauf, dass er den aufspringenden Ball kurzerhand ins eigene Tor köpfte. Schiedsrichter Michael Oliver erlöste den 21-Jährigen mit seinem Abseitspfiff, der damit schon gerechnet haben muss. Anders ist sein cooler Blick zwischen Eigentor und Pfiff nicht zu erklären.

Zugänge verursachen Elfmeter: Dass Leeds kein normaler Aufsteiger ist, wurde spätestens durch die bisherigen Transfers deutlich. Unter anderem mit Rodrigo aus Valencia und dem deutschen Nationalspieler Robin Koch aus Freiburg holte der Klub zwei Verstärkungen. Deren Debüts verliefen eher unglücklich: Nach nur drei Minuten verursachte Koch einen Handelfmeter; nur 20 Minuten nach seiner Einwechselung führte ein Foul Rodrigos im eigenen Strafraum zum zweiten Elfmeter, der die Partie entschied. Vor allem Kochs gute Ansätze im Spielaufbau dürften der Geschäftsführung des Klubs angesichts der noch jungen Saison aber über den verpatzten Einstand hinwegtrösten.



Wechselte im Sommer aus der Bundesliga in die Premier League: Innenverteidiger Robin Koch

Wechselte im Sommer aus der Bundesliga in die Premier League: Innenverteidiger Robin Koch


Foto: Phil Noble / dpa

Der Ausblick: Für Liverpool wird es in den kommenden beiden Wochen nicht unbedingt leichter. Mit Chelsea und Arsenal warten zwei Teams, die gerne um die Meisterschaft mitspielen würden. Dann muss Liverpools Defensive sicherer stehen. Für Leeds geht es im kommenden Spiel gegen Fulham wohl erneut darum, zu zeigen, dass man kein Team ist, das gegen den Abstieg spielt.

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