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Prozess gegen Mark Schmidt: Bewährungsprobe für das neue Anti-Doping-Gesetz

Für den Prozessauftakt ist einer der größten Gerichtssäle Münchens reserviert. Die Räume des A 101 sind geschichtsträchtig. Beate Zschäpe wurde hier im NSU-Prozess des zehnfachen Mordes schuldig gesprochen. Zuvor hatten auf der Anklagebank der Kriegsverbrecher John Demjanjuk und der ehemalige Formel-1-Chef Bernie Ecclestone gesessen.

Am Mittwoch wird nun Mark Schmidt, 42, hier Platz nehmen. Dem Erfurter Arzt wird vorgeworfen, mindestens 23 Sportler aus acht Ländern vorwiegend mit Eigenblut gedopt zu haben. Mitangeklagt sind drei weitere Männer, darunter Schmidts Vater, und eine Frau.

Es ist der wichtigste deutsche Dopingprozess seit dem Berliner Verfahren vor 20 Jahren. Damals ging es dagegen um Staatsdoping: Der ehemalige DDR-Sportchef Manfred Ewald und der Mediziner Manfred Höppner mussten sich als zentrale Figuren des Pharmabetrugs unter sozialistischer Flagge verantworten. 10.000 Sportler waren betroffen, darunter viele Kinder. Die Funktionäre bekamen Bewährungsstrafen wegen “Beihilfe zur vorsätzlichen Körperverletzung”; Ewald 22 Monate, Höppner 18.

Im aktuellen Fall steht insbesondere für den Hauptbeschuldigten weit mehr auf dem Spiel – auch wenn er die Sportler in gegenseitigem Einvernehmen dopte, anders als die DDR-Führung.

Doping ist mittlerweile strafrechtlich relevant – sowohl für Athleten wie auch für deren Helfer. Seit 2015 gilt in Deutschland das Anti-Doping-Gesetz, das den Handel und Besitz von unerlaubten Mitteln oder das Anwenden von Dopingmethoden verbietet. Ziel ist es laut Gesetz, “zur Erhaltung der Integrität des Sports beizutragen”.