Spiegel

Samsung Galaxy Z Fold2 5G im Test: Der hohe Preis fürs Pionier-Dasein




Halb offen oder halb zu?


Halb offen oder halb zu?


Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Samsungs aus meiner Sicht wichtigste Änderung am Z Fold2 5G gegenüber dem Galaxy Fold vom Vorjahr betrifft den Bildschirm. Im ersten Fold war der noch ganz aus Kunststoff. Das machte das Zusammenfalten leicht, war aber weder schick noch stabil. Den neuen Bildschirm hat Samsung nun bei sich selbst abgeguckt: Genau wie das Galaxy Z Flip nämlich hat das Z Fold2 einen Bildschirm aus biegsamem Glas, zumindest teilweise.

Mit dem Glas selbst kommt man gar nicht in Berührung, da es in mehrere hauchdünne Kunststofffolien eingebettet ist, auf die in der Fabrik auch noch eine Schutzfolie aufgetragen wird, die man tunlichst nicht abnehmen sollte, weil sonst Schaden droht. Merkwürdigerweise fühlt es sich trotzdem so an, als würden die Finger geschmeidiger über das Display gleiten als beim Vorgänger. Dass sich dabei reichlich Fingerabdrücke auf der Folie sammeln, ist freilich auch beim Z Fold2 5G so geblieben.



Samsung Galaxy Z Fold2 5G

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Samsung Galaxy Z Fold2 5G

Nicht gleich geblieben ist das Scharnier, dass die beiden Bildschirmhälften zusammenhält. Im neuen Modell ist es feiner austariert, sodass sich das Gerät theoretisch stufenlos aufklappen und arretieren lässt. Praktisch klappt das nur bis zu einem Öffnungswinkel von 140 Grad, dann kippt das teure Handy um. Diese Wackeligkeit schränkt auch die Möglichkeit ein, das Z Fold 2 5G als Mini-Notebook zu benutzen, denn dafür muss man den Bildschirm schon sehr steil aufstellen und schaut dann steil von oben darauf. Angenehm ist das auf Dauer nicht.



Microsoft Office erinnert mit seiner eingeblendeten Tastatur ein wenig an die Zeiten des Nokia Communicators

Microsoft Office erinnert mit seiner eingeblendeten Tastatur ein wenig an die Zeiten des Nokia Communicators


Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Zu viele Fenster

Als einen der Vorzüge des großen Bildschirms bewirbt Samsung die vielfältigen Möglichkeiten des Multitaskings. Das ist insofern auch richtig, als man bis zu drei Fenster gleichzeitig öffnen, verschieben, vergrößern und verkleinern und, wenn man unbedingt will, darüber sogar noch ein viertes Fenster schweben lassen kann. Funktioniert alles, aber wenn man es tut, erscheint das eben noch groß wirkende Display plötzlich winzig klein. Zwei Apps gleichzeitig zu nutzen, neben- oder übereinander, mag ja noch sinnvoll sein, aber mit drei oder mehr Apps wird es dann doch eng.



Multitasking auf dem Fold2: Darf es ein Fenster mehr sein?

Multitasking auf dem Fold2: Darf es ein Fenster mehr sein?


Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Abgesehen davon ist der Bildschirm großartig, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Farben, Kontraste und Auflösung sind prima, das kann man in dieser Preisklasse erwarten. Der Knick, in dem dem der Bildschirm gefaltet wird, ist leider wie beim Vorgänger deutlich sichtbar und leuchtet, wenn man den Bildschirm anwinkelt, deutlich heller als der Rest des Displays. Schaut man sich etwa bei Netflix Filme an, die meist im Format 16:9 oder gar 21:9 aufgenommen wurden, muss man dicke schwarze Streifen ober- und unterhalb des Bildes hinnehmen. Das war auch schon beim ersten Fold so.

Ganz anders ist dagegen der neue, viel größere Bildschirm auf der Vorderseite, der mit 6,2 Zoll nun fast normale Smartphone-Maße hat. Nur fast, weil er sehr schmal ist und dadurch gestreckt wirkt. Zum Lesen oder sogar, um sich einen Film anzusehen, ist das prima. Aber die virtuelle Tastatur wird so sehr gestaucht, dass es keinen Spaß macht, darauf herumzutippen. Schlimm ist das nicht, denn zumindest in der einen Woche, die ich das Fold2 jetzt benutzt habe, ist es mir schnell zur Gewohnheit geworden, lieber den großen Innenbildschirm aufzuklappen.



Filme gucken geht auf dem schlanken Außendisplay gut

Filme gucken geht auf dem schlanken Außendisplay gut


Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Das kann man sich auch deshalb leisten, weil der trotz einer Bildwiederholfrequenz von bis zu 120 Hertz offenbar vergleichsweise zurückhaltend am Akku nuckelt. Im Ausdauertest, der Wiedergabe eines Full-HD-Filmes bei voller Bildschirmhelligkeit, hielt das Z Fold2 5G trotz des großen Bildschirms stattliche zwölfeinhalb Stunden durch.

Spezial-Selfies

Hinsichtlich der Fotoqualität kommt Samsungs sauteures Telefon nicht ganz mit dem mit, was seine Konkurrenten aus eigenem Haus vorgelegt haben. Seine drei Rückkameras mit Weitwinkel-, Ultraweitwinkel- und Teleobjektiv haben jeweils 12 Megapixel. Die beiden Selfiekameras – eine innen, eine außen – liefern jeweils 10 Megapixel.

Die Qualität von Fotos ist damit meist gut bis sehr gut. Aber mit dem Galaxy Note 20 Ultra beispielsweise werden dieselben Motive manchmal eben doch noch besser, weil dessen 108-Megapixel-Sensor und das Periskop-Teleobjektiv mehr Details einfangen.

Clever ist aber die Möglichkeit, mit den Hauptkameras Selfies aufzunehmen, indem man das Vorschaubild auf dem Außenbildschirm anzeigen lässt. Den von Samsung beworbenen Verfolgungsautofokus, der auf sich beim Aufnehmen von Videos auf mich fokussieren soll, auch wenn ich mich vor der Kamera bewege, habe ich trotz etlicher Versuche leider nicht zum Laufen bekommen.



Samsung Galaxy Z Fold2 5G - Testfotos

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Samsung Galaxy Z Fold2 5G – Testfotos

Fazit

Da muss man nicht lange nachdenken: Das Galaxy Z Fold2 5G ist ein tolles, vor allem ein faszinierendes Smartphone, aber perfekt ist es nicht und außerdem viel zu teuer. Für fast 2000 Euro bekommt man hier ein Handy, das mit 256 Gigabyte (GB) Speicher zwar gut, aber dem Preis nicht angemessen bestückt ist. Erweitern lässt sich der Speicher nicht. Zusammengeklappt ist es so dick, dass es manche Hosen- und Jackentasche sprengt. Die Kameras sind eigentlich sehr gut, aber nicht so gut wie im 700 Euro billigeren Galaxy Note 20 Ultra.

Den Aufpreis bezahlt man dafür, zu den Ersten zu gehören, die ein Smartphone mit faltbarem Bildschirm haben. Und obwohl das Außendisplay jetzt eine stattliche Größe hat, wird man den auch ständig benutzen, weil etwa das Fotografieren und Filmen damit viel mehr Spaß macht als mit normalen Smartphones. Man sieht einfach mehr.

Man sollte sich aber auch im Klaren darüber sein, dass dies immer noch der Anfang ist. Mit dem Z Fold2 5G zeigt Samsung, was jetzt schon geht mit Faltbildschirmen – und wie teuer es ist. Irgendwann werden Falt-Phones werden eine neue Smartphone-Kategorie für jedermann sein. Aber noch ist es nicht so weit.

Icon: Der Spiegel

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort